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Champions League: Bayerns italienische Gäste

"München" heißt auf Italienisch "Monaco". Und "Auswärtsspiel in München" heißt auf Italienisch "Gute Siegchancen". Vor dem Spiel der Bayern gegen Napoli protokollieren wir die Geschichte einer Angstbeziehung.

Nur beim 5:1-Sieg der Nationalmannschaft 2001 kamen englische Fußballfans gerne nach München. Ansonsten sind das Olympiastadion und die Allianz-Arena ganz schlechte Pflaster für englische Teams, die hier noch nie ein Champions League-Spiel gewinnen konnten.

Ganz anders italienische Gäste, die in der Stadt, die auf Italienisch "Monaco" heißt, eine exzellente Bilanz haben. Bevor sich zeigt, ob Napoli diese gute Serie fortsetzen kann, werfen wir noch einmal einen Blick auf alle Bayern-Heimspiele gegen Serie-A-Teams in der Geschichte des Europapokals der Landesmeister. 

1989/90, Halbfinale, Rückspiel: Bayern - Milan 2:1 n.V.
Das allererste Gastspiel einer italienischen Mannschaft im Meisterpokal in München endete mit einem Sieg für die (übrigens von Jupp Heynckes trainierten) Bayern, doch es war ein Pyrrhussieg. Denn nach dem 0:1 im Hinspiel hatte Thomas Strunz zwar im Olympiastadion nach einem doppelten Doppelpass mit Hansi Dorfner im strömenden Regen das Ergebnis egalisiert. Aber in der Verlängerung traf Stefano Borgonovo mit einem Heber über Keeper Raimond Aumann hinweg zum 1:1 für die Rossoneri.

Bayern brauchte nun zwei Tore, aber es gelang nur noch eines, in der 106. Minute. Wieder war Dorfner der Ausgangspunkt, er bediente Manni Bender auf der linken Seite. Dessen Flanke landete präzise bei Alan McInally. Der schottische Stürmer traf den Ball nicht richtig, aber trotzdem landete sein Schuss von der Unterkante der Latte im Netz. Dennoch zog Milan ins Finale ein, wo die Mannschaft von Arrigo Sacchi ihren Titel verteidigen konnte - als bisher letzter Club überhaupt in der Champions League.

2002/03, Vorrunde, 3. Spieltag: Bayern - Milan 1:2
Erst im Oktober 2002 empfing Bayern zum zweiten Mal eine italienische Elf. Bis dahin hatten die Münchner elfmal gegen spanische Teams gespielt, achtmal gegen englische, achtmal gegen französische und siebenmal gegen niederländische Kontrahenten. Selbst schwedische Teams hatten schon sechsmal im Olympiastadion gastiert. Alleine Real Madrid war zuvor bereits siebenmal hier angetreten.

Auch das zweite Heimspiel gegen Milan war jedenfalls kein Grund zum Jubeln, als Ottmar Hitzfelds Team seinen schlechten Champions League-Start (ein Punkt aus den ersten zwei Spielen) fortsetzte. Pippo Inzaghi gab erstmals seine Visitenkarte in München ab. Der Goalgetter war in Topform und hatte schon in den ersten beiden Gruppenspielen zusammen fünf Tore erzielt.

Auch im Olympiastadion traf Inzaghi zweimal - zum 0:1 kurz nach der Pause, als eine Direktkombination über Rivaldo und Clarence Seedorf zu schnell für die Bayern war, die nach Seedorfs Hereingabe nur noch zusehen konnten, wie Pippo aus vier Metern vollstreckte. Claudio Pizarro übersprang zwar nach einer Flanke von Hasan Salihamidzic zwei Minuten später Alessandro Nesta und köpfte den Ausgleich. Aber in der 84. Minute konnte Robert Kovac eine Flanke des eingewechselten Serginho nicht verhindern, und dessen perfekte Hereingabe von links fand den Kopf von Inzaghi, der einmal mehr schneller am Ball war als Thomas Linke und aus vier Metern das Siegtor markierte.

Es war ein hervorragendes Fußballspiel, aber Bayerns Niederlage bedeutete faktisch das Aus in der Gruppenphase, in der nicht einmal der Trostpreis UEFA Cup erreicht wurde, weil München hinter Milan, Deportivo La Coruna und Lens Letzter wurde. Milan hingegen gewann wie nach seinem ersten Spiel in München anschließend den Titel, im Finale gegen Juventus in Manchester.

2004/05, Vorrunde, 4. Spieltag: Bayern - Juventus 0:1
Ein weiteres spätes Gegentor bedeutete die nächste Bayern-Heimniederlage gegen ein italienisches Team. In der 90. Minute konnte Oliver Kahn einen Schuss von Zlatan Ibrahimovic nicht festhalten. Alessandro del Piero nutzte den Fehler des Münchner Schlussmanns zum Siegtor für die Alte Dame.

Besonders bitter für Kahn, zwei Jahre zuvor noch zum besten Spieler der WM gekürt: Sein Gegenüber Gianluigi Buffon bot eine Weltklasseleistung und hielt Juve in der starken ersten Halbzeit der Bayern im Spiel. Bis zur Pause waren die von Felix Magath trainierten Münchner hochüberlegen, im zweiten Durchgang kam Fabio Capellos Juve nach und nach besser zurecht und konnte das Spiel ausgeglichener gestalten.

Andreas Görlitz zog sich in diesem Spiel einen Kreuzbandriss zu, der ihn zu einer fast zweijährigen Pause zwang. Seinen Status als Supertalent konnte der heutige Ingolstädter anschließend nicht mehr behaupten und machte nur noch elf Spiele für die Bayern. In der Gruppe verlor Bayern zwar beide Spiele gegen Juve, zog aber trotzdem vor Ajax und Maccabi Tel Aviv ins Achtelfinale ein und erreichte über Arsenal das Viertelfinale, in dem Chelsea das Aus bedeutete. Auch Juve schied in der Runde der letzten Acht aus, gegen Liverpool, hatte aber zuvor noch Real Madrid bezwungen.

2005/06, Vorrunde, 3. Spieltag: Bayern - Juventus 2:1
Wieder ein Gegentreffer in der 90. Minute, aber diesmal reichte es trotz des späten Tores von Zlatan Ibrahimovic zum Sieg für die Bayern, denn Sebastian Deisler und Martin Demichelis hatten eine 2:0-Pausenführung herausgeschossen. Die sehr offensiven Münchner gingen dank eines Torwartfehlers von Christian Abbiati in Führung, der einen Schuss Deislers aus spitzem Winkel eigentlich hätte parieren müssen.

Kurz vor der Pause köpfte Demichelis nach einer Deisler-Ecke per Aufsetzer am langen Pfosten ein und erhöhte auf 2:0. Die neue Allianz-Arena, die vor dieser Saison eingeweiht worden war, schien die Bayern zu beflügeln, die eines ihrer besten Champions League-Spiele der jüngeren Zeit zeigten und sowohl offensiv wie auch defensiv mit einer starken Leistung von Lucio und Valérien Ismael nach dem Spiel als einer der Titelfavoriten in der Königsklasse gehandelt wurden...

2005/06, Achtelfinale, Hinspiel: Bayern - Milan 1:1
...aber nur bis zum Beginn der KO-Runde. Bei winterlichen Bedingungen gelang es Milan als erster Gastmannschaft überhaupt, aus der Allianz-Arena einen Punkt zu entführen. Zuvor war das weder in der Bundesliga noch in der Champions League jemandem geglückt. Dabei hatte es für Bayern gut angefangen, als Michael Ballack mit einem Traumtor Mitte der ersten Hälfte die Führung erzielte.

Der Kapitän kontrollierte einen zu kurz abgewehrten Ball vor dem Strafraum mit dem Schienbein und setzte einen Dropkick aus 20 Metern in den rechten Torwinkel. Roy Makaay hatte kurz darauf das 2:0 auf dem Fuß, scheiterte aber an einer Glanzparade von Dida. Milan, ohne Inzaghi, dafür mit Alberto Gilardino neben Andriy Shevchenko im Sturm, konnte sich erst nach dem Seitenwechsel befreien, wurde dann aber immer besser. Schiedsrichter Frank de Bleeckere entschied nach einem Handspiel Valérien Ismaels trotz angelegten Arms auf Elfmeter. Shevchenko ließ Michael Rensing, im Tor für den verletzten Oliver Kahn, keine Chance.

Nach einem Ballverlust von Philipp Lahm spielten die Gäste in der Schlussphase noch einen schnellen Konter, der ihnen sogar den Sieg hätte bringen können, wenn Gilardino nicht aus weniger als 15 Metern über die Latte geschossen hätte. Im Rückspiel bot Carlo Ancelotti dann wieder Pippo Inzaghi auf. Der erzielte zwei weitere Tore gegen die Bayern, Milan gewann 4:1, scheiterte später aber im Halbfinale an Barcelona.

2006/07, Vorrunde, 6. Spieltag: Bayern - Internazionale 1:1
Wieder ein Gegentor in der Nachspielzeit - Patrick Vieiras Ausgleich brachte Bayern um den Sieg, war aber ansonsten irrelevant, weil beide Clubs schon vor dem Spiel als Achtelfinalisten feststanden und Bayern nur bei einer Niederlage noch Platz eins abgegeben hätte.

In Oliver Kahns 100. Champions League-Spiel schloss Roy Makaay einen Konter der Bayern nach Zuspiel von Hasan Salihamidzic nach einer Stunde zur 1:0-Führung ab, aber nachdem Kahn nach Ende der nominellen Spielzeit einen Schuss von Fabio Grosso nur nach vorne abwehren konnte, staubte Vieira aus knapp zehn Metern ab. Es sollte Felix Magaths letztes Champions League-Spiel als Bayerncoach sein, wurde er doch noch vor dem Achtelfinale entlassen.

2006/07, Viertelfinale, Rückspiel: Bayern - Milan 0:2
Bayerns Angstgegner Milan war einmal mehr Endstation für die inzwischen wieder von Ottmar Hitzfeld trainierten Münchner. Im Hinspiel hatte Daniel van Buyten noch zweimal getroffen und in der Nachspielzeit das 2:2 gesichert.

Doch im Rückspiel stand Filippo Inzaghi wieder in der Startelf - und blieb einmal mehr nicht ohne Torerfolg gegen die Bayern. Die hatten wie so oft gegen italienische Gegner offensiv begonnen, aber innerhalb von nur vier Minuten Mitte der ersten Halbzeit trafen Clarence Seedorf und Inzaghi für die Gäste. Schon zum dritten Mal sicherten sich die Rossoneri anschließend nach einem Spiel in München den Champions League-Titel - im Finale von Athen gegen Liverpool.

2008/09, Vorrunde, 3. Spieltag: Bayern - Fiorentina 3:0
Den bis heute höchsten Champions League-Heimsieg gegen italienische Konkurrenz gab es in der Gruppenphase 2008. Bayern, vom ehemaligen deutschen Nationaltrainer Jürgen Klinsmann gecoacht, gewann klar gegen die vom heutigen italienischen Nationaltrainer Cesare Prandellli betreute Viola.

Schon nach vier Minuten brachte Miroslav Klose Bayern nach Vorarbeit des Ex-Florenzers Luca Toni in Führung. Von Toni ging auch das 2:0 durch Bastian Schweinsteiger Mitte der ersten Hälfte aus, als er Assistgeber Franck Ribéry einsetzte. Zwischendurch hatten die Gäste allerdings etliche gute Chancen.

Nach der Pause hatten die Münchner das Spiel im Griff und kamen durch Zé Robertos Tor kurz vor Schluss sogar noch zum 3:0. Nach dem Viertelfinale gegen Barcelona war Bayerns Weg (und Klinsmanns Trainerzeit in München) für diese Saison zu Ende.

2009/10, Vorrunde, 2. Spieltag: Bayern - Juventus 0:0
Bayern war auf dem Weg ins Finale, und Juve auf dem Weg in die Europa League. Dennoch gelang kein Sieg für die Mannschaft von Louis van Gaal. Das Spiel war gutklassig, aber Miroslav Klose und Thomas Müller vergaben gute Chancen für die Bayern, Vincenzo Iaquinta für Juve.

Für Juve war es eines der wenigen guten Ergebnisse in der kurzen Ära Ciro Ferrara, der nach dem 1:4 im Rückspiel im Dezember und schlechten Resultaten in der Serie A gefeuert wurde. Ganz anders Van Gaal, der - seinerseits zum Zeitpunkt des Hinspiels schon massiv in der Kritik - durch den Sieg in Turin seinen Kopf aus der Schlinge ziehen konnte und in dieser Saison noch das Double gewann und ins Champions League-Finale einzog.

2009/10, Achtelfinale, Hinspiel: Bayern - Fiorentina 2:1
Inmitten einer Siegesserie in der Bundesliga tat sich Bayern überraschend schwer gegen starke Florentiner und gewann nur dank einer eklatanten Fehlentscheidung von Schiedsrichter Tom Henning Ovrebo, der eine um mehrere Meter vorliegende Abseitsstellung von Miroslav Klose vor dessen Siegtreffer in der 89. Minute nicht sah.

Gegen die gleichwertigen Gäste war Bayern durch einen von Per Kroldrup an Franck Ribéry verschuldeten Foulelfmeter direkt vor der Pause in Führung gegangen. Arjen Robben verlud Keeper Sébastien Frey. Zur Pause musste Daniel van Buyten verletzt in der Kabine bleiben. Der junge Diego Contento, zu diesem Zeitpunkt noch ohne Bundesligaerfahrung, gab für ihn sein Champions League-Debüt.

Contento stand noch nicht einmal fünf Minuten auf dem Feld, als er nach einer Ecke von Marco Marchionni nicht aufpasste, so dass Stevan Jovetic direkt im Rücken Contentos den Ball auf Kroldrup weiterleiten konnte und so den Ausgleich vorbereitete.

Doch als Frey kurz vor Schluss einen Schuss von Robben nur nach vorne abwehren konnte, köpfte Ivica Olic den Ball zum frei stehenden Klose. Der erzielte aus kurzer Distanz den Siegtreffer, der jedoch klar regelwidrig war. Es war übrigens das bisher einzige Mal, dass Bayern einen italienischen Gegner in Champions League-KO-Spielen ausschalten konnte.

2010/11, Vorrunde, 1. Spieltag: Bayern - Roma 2:0
Ein glasklarer Sieg für Louis van Gaals Bayern gegen die schwächste italienische Mannschaft, die sich je in München präsentierte. Zwar ging das Spiel nur 2:0 aus und stand bis elf Minuten vor Schluss noch unentschieden, aber Claudio Ranieri hatte die Giallorossi auf altmodischste Weise defensiv eingestellt, so dass die beiden einzigen Offensivspieler der Roma, Francesco Totti und Marco Borriello, komplett in der Luft hingen.

Die Römer hatten praktisch keinen Torschuss in 90 Minuten, aber erst ein Traumtor von Thomas Müller öffnete die Partie. Nach einer Kopfballablage von Daniel van Buyten nahm Müller den Ball aus 15 Metern direkt mit dem Außenrist und zirkelte ihn präzise neben den langen Pfosten. Nur so schien der bis dahin bärenstarke Keeper Julio Sergio zu überwinden. Vier Minuten später spitzelte Miroslav Klose dann nach einem Freistoß von Holger Badstuber zum 2:0 ins Netz.

2010/11, Achtelfinale, Rückspiel: Bayern - Internazionale 2:3
Als erster europäischer Club seit 15 Jahren schied Bayern nach einem Auswärtshinspielsieg noch aus der Champions League aus. Nach dem 1:0-Sieg von Mailand, als Mario Gomez in der Schlussminute getroffen hatte, schien alles bereitet, um die Finalniederlage des Vorjahres zu rächen.

Doch schon nach vier Minuten egalisierte Samuel Eto'o mit seinem Tor nach Vorarbeit von Goran Pandev das Hinspielergebnis. Die Bayern ließen sich davon nicht beirren und kamen durch Gomez nach 21 Minuten zum Ausgleich, der das Weiterkommen bedeutet hätte. Nachdem Julio Cesar, schon im Hinspiel schuld am Gegentreffer, einen Schuss von Arjen Robben nicht festhalten konnte, schlug der Goalgetter eiskalt zu. Nachdem Thomas Müller in der 31. Minute nach Vorarbeit von Robben das 2:1 nachgelegt hatte, Franck Ribéry an einer Glanzparade von Julio Cesar gescheitert war und Andrea Ranocchia eine weitere Bayern-Großchance von der Torlinie gekratzt hatte, sahen die Münchner wie der sichere Sieger aus.

Nach einer Stunde aber glich Wesley Sneijder zum 2:2 aus, Inter fehlte nur noch ein Tor. Und das erzielte Pandev zwei Minuten vor dem Ende und beendete damit faktisch die Ära Louis van Gaal in München.

Heimbilanz Bayern vs Italien
12 Spiele
5 Siege
2 Unentschieden
4 Niederlagen 

Daniel Raecke

sportal.de / sportal

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