HOME

Champions-League: Jetzt will Lehmann den Titel erst recht

In seinem ersten Champions-League-Spiel als Nummer 1 im deutschen Fußball-Tor will Jens Lehmann mit dem FC Arsenal unbedingt ins Finale kommen. Die ehrgeizigen Provinzkicker von Villarreal gelten aber als brandgefährliche Favoriten-Killer.

"Wir glauben fest an uns, dürfen aber auch nicht ausruhen. Wir haben den Champions-League-Titel vor Augen", verkündete der Keeper des englischen Premier-League-Clubs vor dem Halbfinal- Hinspiel in der Königsklasse am Mittwochabend gegen Außenseiter FC Villarreal. Zugleich warnt der letzte Deutsche in Europas Meisterliga aber vor dem spanischen Favoriten-Schreck, an dem bereits Manchester United, Glasgow Rangers und zuletzt Inter Mailand gescheitert sind.

"Jetzt sind wir nur noch einen Schritt vom Finale entfernt, aber es ist gleichzeitig auch der schwierigste Schritt", betonte Lehmann, der nun gemeinsam mit seinem spanischen Vertreter Manuel Almunia die Bestmarke von acht Spielen (749 Minuten/davon 450 mit Lehmann) ohne Gegentor hält. Lehmann selbst kassierte seinen letzten Gegentreffer in der Champions League gar im letztjährigen Achtelfinal-Hinspiel bei Bayern München (1:3) - und ist seither seit 566 Minuten unbezwungen.

Unerfahrene Abwehr

Auf den 36-jährigen Deutschen, den Bundestrainer Jürgen Klinsmann vor knapp zwei Wochen zur Nummer 1 vor Oliver Kahn (Bayern München) erklärt hat, wird es auch gegen Villarreal wieder ankommen. Denn der Routinier dirigiert - ähnlich wie im DFB-Team - eine unerfahrene Abwehr mit den Youngstern Touré (25), Eboué, Flamini (beide 22) und Senderos (21), zu der er nach der erneuten Blessur bei "Oldie" Sol Campbell "keine Alternative" habe, wie Coach Arsène Wenger klagte.

"Sie leisten schon die ganze Saison fantastische Arbeit", befand Lehmann, den Wenger kürzlich als "großen Rückhalt" rühmte. Lehmann ist der Erfolg wichtiger als Rekorde. "Sicher ist es schön, wenn man kein Gegentor erhält. Aber ob mit oder ohne Gegentreffer - wir müssen gegen Villarreal ins Finale einzuziehen und den Pokal holen", fordert er. Und wenn er die vielen Jungspunde um sich herum betrachte, werde ihm bewusst, dass für ihn die Zeit für den großen Coup reif sei: "Ich fühle mich zwar nicht alt, trotzdem habe ich nur noch wenige Jahre zu spielen." Daher wäre ihm ein Europacup-Triumph "besonders wichtig".

Favoriten-Killer Villarreal

Deshalb gilt auch nach elf Champions-League-Spielen hintereinander ohne Niederlage, den aufstrebenden Provinz-Club Villarreal auf keinen Fall zu unterschätzen. "Ich habe früher selbst mit Schalke 04 als Underdog gespielt", erinnerte Lehmann an die "Eurofighter"-Zeiten mit dem UEFA-Cup-Sieg 1997. Und ergänzte: "Dass die Spanier fußballerisch richtig gut sind, hat man gesehen." Dennoch spricht viel für Arsenal, das außer Stürmer Jose Reyes (Sperre) seine Top-Elf aufbieten kann. Torjäger Thierry Henry hofft beim letzten internationalen Auftritt im altehrwürdigen Highbury Park vor dem Umzug in die neue Arena auf seinen 50. Europacup-Treffer: Das haben erst sechs Akteure geschafft.

Dagegen hat Villarreal ausgerechnet in dieser wichtigen Partie Personalsorgen. So muss Trainer Manuel Pellegrini seinen Stammkeeper Sebastian Viera (Sperre) durch Mariano Barbosa ersetzen. Zudem fallen die verletzten Abwehrspieler Gonzalo Rodríguez und Juan Manuel Peña aus. Dennoch tritt der Außenseiter mit großen Hoffnungen an. "Wenn wir so weit gekommen sind, dann auch deshalb, weil wir es verdient haben. Wir nehmen diese neue Herausforderung mit viel Selbstvertrauen an", versprach Pellegrini. Und der argentinischer Verteidiger Rodolfo Martín Arruabarrena meinte: "Wir sind zwar das Aschenputtel unter den letzten vier Mannschaften, sind aber mental stark. Wir sind stets mit beiden Füßen auf dem Boden geblieben - und das hat uns geholfen."

Thomas Prüfer und Jörg Vogelsänger/DPA

Wissenscommunity