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Champions League Milan und Benfica im Viertelfinale


Historische Taten vollbringen sich nicht nebenbei - selbst, wenn man zur Pause mit 3:0 führt. Nur noch ein Tor in 45 Minuten hätte Arsenal gebraucht, um die Verlängerung gegen AC Milan zu erreichen - und vielleicht als erstes Team der Europacupgeschichte nach 0:4 im Hinspiel noch weiterzukommen. Am Ende reichte es nicht.

Ein Tor fehlte Arsenal, um die Verlängerung gegen AC Milan zu erreichen und als erste Mannschaft in der Europacupgeschichte ein 0:4 aus dem Hinspiel noch zu drehen. Als die Gunners zur Pause bereits 3:0 führten, weil Laurent Koscielny, Tomas Rosicky und Robin van Persie per Elfmeter getroffen hatten, schien das Wunder zum Greifen nahe. Doch Milan fing sich nach der Pause und brachte den knappen Vorsprung gegen immer müder werdende Gunners über die Zeit.

Neben Milan zog auch Benfica ins Viertelfinale der Champions League ein. Mit einem 2:0-Sieg über Zenit St. Petersburg durch Tore von Maxi Pereira und Nelson Oliveira kehrten die Lissabonner das 2:3 aus dem Hinspiel um.

Arsenal - Milan 3:0

Arsène Wenger brachte Alex Oxlade-Chamberlain und Gervinho in eine logischerweise sehr offensiv eingestellte Startelf, bei Milan fehlten Kevin-Prince Boateng und Clarence Seedorf. Die Gunners gingen das historische Unternehmen entschieden an, was Milan eigentlich nicht überrascht haben konnte - dennoch bekamen die ganz in Schwarz spielenden Rossoneri kein Bein auf den Boden.

Schon nach vier Minuten sah Mark van Bommel Gelb nach einem Foul an Tomas Rosicky, nach sieben Minuten stand es 1:0. Eine Ecke von Oxlade-Chamberlain von links köpfte Laurent Koscielny aus sechs Metern ein, weil Van Bommel ihn hatte ziehen lassen, aber auch Ignazio Abate und Philippe Mexes sahen bei dieser Standardsituation nicht gut aus.

Bevor Rosicky in der 26. Minute auf 2:0 erhöhte, hatte Arsenal weitere gute Chancen gehabt, aber Rosicky hatte in einer Überzahlsituation unsauber auf Robin van Persie gepasst, und Milan-Keeper Christian Abbiati einen Schuss von Van Persie aus dem Winkel geholt. Dann aber fand eine missglückte Hereingabe von Theo Walcott Thiago Silva, der den Ball dilettantisch nach vorne spielte, genau in die Füße von Rosicky, und der schob flach zum 2:0 ein.

Doppelt Glück für Arsenal - aber einmal zu wenig Glück

Noch vor der Pause folgten die nächsten zwei guten Nachrichten für Arsenal. Zwei Minuten vor der Halbzeit wurde Oxlade-Chamberlain von Antonio Nocerino und Djamel Mesbah ungeschickt in die Zange genommen, den fälligen Strafstoß verwandelte Van Persie sicher zum 3:0. Doch fast im Gegenzug hatte Stephan el Shaarawy für Milan die Riesenchance zum Auswärtstor, nachdem Urby Emanuelson ihn perfekt eingesetzt hatte. Aber der italienische U21-Nationalstürmer vergab kläglich.

Arsenal hätte noch drei Tore gebraucht, wenn Milan verkürzt hätte - so aber würde ein einziges weiteres Tor zur Verlängerung reichen. Erinnerungen wurden wach bei Milan - an das einzige Champions League-Spiel ihrer Geschichte, in dem sie drei Gegentore vor der Pause kassiert hatten - und bei Deportivo La Coruna mit 0:4 ausgeschieden waren. Und ans Finale 2005 gegen Liverpool, als eine 3:0-Führung nicht zum Titel reichte.

Doch in der zweiten Spielhälfte wurde Arsenal müder und müder, während Milan sich zumindest etwas zu stabilisieren wusste. Nach einer knappen Stunde hatte Arsenal jedoch die Doppelchance zum 4:0: Erst parierte Abbiati einen abgefälschten Gervinho-Schuss mit dem Fuß, den Nachschuss aus kürzester Distanz wollte Van Persie dann über den Keeper chippen und scheiterte an einem weiteren Reflex des Schlussmanns. Auf der Gegenseite traf Zlatan Ibrahimovic nach einem groben Patzer von Wojciech Szczesny das leere Tor nicht.

Noch schlimmer aus Milan-Sicht aber die vergebene Gelegenheit Nocerinos, der aus zwei Metern mit dem Außenrist an Szczesny scheiterte. Es blieb jedoch letztlich egal, denn Milan hatte das Spiel alles in allem nun im Griff, ganz anders als vor der Pause.

Benfica - Zenit 2:0

Zenit-Trainer Luciano Spalletti hatte das Spiel als wichtigstes in der Geschichte seines Clubs bezeichnet. Noch nie war der russische Tabellenführer ins Viertelfinale der Champions League oder des Landesmeisterpokals vorgestoßen. Der fünfmalige Finalist Benfica natürlich schon, aber auch Jorge Jesus brauchte dringend ein Erfolgserlebnis nach den schwachen Wochen, in denen seine Mannschaft in der Liga acht Punkte auf den FC Porto verloren hatte. Benfica musste auf den gesperrten Pablo Aimar verzichten, Zenit auf den Langzeitverletzten Danny.

Kurz vor der Pause erzielte Maxi Pereira das wichtige 1:0 für Benfica. Nach einem Doppelpass mit Bruno Cesar war Axel Witsel noch an Keeper Vyacheslav Malafeev gescheitert, aber im Nachschuss traf der Uruguayer, nachdem er von Witsel per Hackentrick bedient worden war.

Ein Ausgleich hätte Zenit ins Viertelfinale gebracht, aber Benfica musste nur wegen der knappen Führung zittern, nicht wegen etwaiger gefährlicher Angriffe der Gäste, die in der zweiten Hälfte nur einmal aufs Tor schossen. Die starke rechte Seite Benficas mit Witsel und Bruno Cesar sorgte in der Nachspielzeit dann für das erlösende 2:0 durch den eingewechselten Nelson Oliveira.

Daniel Raecke

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