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Champions League: Mourinhos Angst vor dem Scheitern

Vor dem Champions-League-Knaller gegen Manchester United fürchtet Inter Mailand, wieder einmal früh im Europacup zu scheitern (ab 20.45 Uhr im Liveticker von stern.de). Leider zu recht: Das Team von José Mourinho zeigte in der Vergangenheit bei wichtigen Spielen Nerven.

Von Julius Müller-Meiningen, Rom

Man muss es sich wohl so vorstellen: Vergangene Woche, an einem verregneten Februar-Abend in Nordengland, setzte sich Sir Alex Ferguson in Manchester an den Schreibtisch, schaltete den Computer ein und tippte die Buchstaben www.inter.it auf der Tastatur. Inter Mailand ist am Dienstag der Gegner von Fergusons Manchester United im Achtelfinalhinspiel der Champions League, und der 67-Jährige wollte wissen, mit wem er es da zu tun hat. Zwei Mausklicks später wusste Ferguson Bescheid: "Ich war mir sicher, dass der Verein in Europa bisher dominanter war."

Vielleicht war es echte Verwunderung, vielleicht eine gezielte Provokation. Fest steht, dass Ferguson damit den größten Schmerz dieses Mailänder Vereins offenlegt: im Fußball-Europacup seit Jahrzehnten das Nachsehen zu haben. Der letzte der drei Uefa-Pokal-Siege datiert aus dem Jahr 1998, zweimal gewann Inter den Pokal der Landesmeister. 1964 und 1965 war das, und so weit in die Fußballgeschichte muss man wohl auch zurückblicken, um das Problem des 16-maligen italienischen Meisters zu verstehen.

Der große Wurf will nicht gelingen

Zum größten Teil erklärt es sich mit dem Phänomen Moratti. Angelo Moratti war Präsident, als das "Grande Inter" in den 60er-Jahren auftrumpfte. Der Sohn Massimo, ein steinreicher Ölunternehmer, hat die Erfolge des Vaters als 20-Jähriger erlebt. Seit er 1995 den Verein übernahm, ist sein größtes Streben, es dem Vater gleichzutun. Trotz Millioneninvestitionen will dem inzwischen 63-jährigen Junior der große Wurf nicht gelingen. Dafür gibt es wiederum einen Grund, für den ManU und Ferguson das beste Gegenbeispiel sind.

Ferguson ist seit 1986 Manchester-Trainer und durfte sich sieben Jahre Zeit lassen bis zum ersten Meistertitel. 1999 und 2008 gewann ManU die Champions League. In diesem Wettbewerb ist die Mannschaft um Cristiano Ronaldo seit 19 Spielen und in der Liga seit 15 Partien unbesiegt. Inter Mailand hingegen ist zwar souveräner Tabellenführer in Italien, zeigt Konstanz bisher aber vor allem bei Trainerrauswürfen. 14 Trainer in 14 Jahren, das ist Morattis traurige Bilanz. Wurde es wichtig, zeigte Inter Nerven. Nach dem Ausscheiden im Champions-League-Achtelfinale 2007 gegen Valencia wurden drei Inter-Spieler wegen einer Prügelei nach Abpfiff gesperrt.

2005, im Viertelfinale gegen den Lokalrivalen AC Mailand, traf ein aus der Inter-Kurve abgeschossener Feuerwerkskörper den Milan-Torhüter Nelson Dida. Die Partie wurde 3:0 zugunsten Milans gewertet, Inter schied aus. 2006 war im Viertelfinale gegen Villarreal Schluss und vergangenes Jahr im Achtelfinale gegen Liverpool.

Triste Historie

"Diesmal bin ich überzeugt, dass wir es schaffen", sagt Mittelfeldspieler Dejan Stankovic. José Mourinho leiste psychologisch hervorragende Arbeit, und keiner denke an die Niederlagen der Vergangenheit. Der Trainer versucht, die triste Historie zu umschiffen, wenn er sagt: "Ich will nicht, dass meine Spieler unter Druck stehen, sie sollen Lust haben auf dieses Spiel und nicht daran denken, was in den vergangenen Jahren passiert ist."

Das vorerst letzte Missgeschick geschah Inter vor drei Monaten. Die Mannschaft um Stürmer Zlatan Ibrahimovic hatte sich nach vier Spielen in der Champions-League-Vorrunde bereits für das Achtelfinale qualifiziert und dann gegen Panathinaikos Athen und Werder Bremen verloren. Die Konsequenz war der zweite Platz in Gruppe B. "Wir verdienen im Achtelfinale eine Mannschaft wie Manchester United als Gegner", sagte Mourinho damals in einem Wutanfall. Der schwerste Gegner, meinte er, sei nun gerade gut genug.

FTD

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