Champions League Schalke gegen Daum-Club unter Zugzwang


Nach den deutsch-italienischen Duellen von Werder und Bayern bekommt es der dritte Bundesliga-Vertreter am Mittwochabend mit den Türken von Fenerbahce Istanbul zu tun - eine kniffelige Angelegenheit.

In der "Hölle" von Istanbul will der FC Schalke 04 kühlen Kopf bewahren und auf internationalem Parkett weitere Reputation hinzugewinnen. Für den deutschen Vizemeister hat die Champions-League-Partie gegen den von Christoph Daum trainierten türkischen Spitzenclub Fenerbahce Istanbul am Mittwoch (20.45 Uhr/Premiere) herausragende Bedeutung. "Das ist schon ein enorm wichtiges Spiel. Wenn wir nicht von anderen Ergebnisse abhängig sein wollen, müssen wir hier etwas holen", betonte Schalke-Coach Ralf Rangnick am Dienstag nach der Ankunft in der Millionenmetropole. "Wir können aber nicht auf ein Unentschieden spielen. Deshalb sind wir mit dem Ziel hierher gekommen, das Spiel zu gewinnen."

Dass die Partie im Sükrü-Saracoglu-Stadion im Kampf um den zweiten Platz in der Gruppe E möglicherweise sogar schon vorentscheidenden Charakter hat, beweist die Tabellenkonstellation. Während die Knappen nach dem 0:1 in Eindhoven und dem 2:2 gegen AC Mailand mit nur einem Zähler am Tabellenende stehen, hat der türkische Meister nach dem 1:3 in Mailand mit dem 3:0-Heimsieg über den PSV bereits drei Punkte eingefahren. "Es ist sicher so, dass wir deswegen etwas mehr unter Druck stehen als Fenerbahce", betonte Rangnick, und Teammanager Andreas Müller erklärte: "Wenn wir verlieren, sind wir raus aus dem Rennen." Manager Rudi Assauer rechnete vor, wie das Achtelfinale erreicht werden kann: "Wir müssen hier mindestens einen Punkt holen und dann unsere Heimspiele gegen Istanbul und Eindhoven gewinnen."

Schalke in Bestbesetzung

Eine andere Rechnung machte Fenerbahce-Trainer Daum auf. "Vier oder sechs Punkte" seien das Ziel aus den beiden Partien gegen Schalke, verkündete er am Dienstag selbstbewusst und forderte einen Heimerfolg seines Teams: "Mit einem Sieg im Rücken würde der Druck für Schalke im Rückspiel enorm groß." Für Fenerbahce und ihn sei es ein "ganz wichtiges Spiel" - nicht weil es gegen ein deutsches Team geht, sondern wegen des sportlichen Werts für den Club: Fenerbahce wolle sich "in den europäischen Top-Bereich hineinbewegen", betonte Daum, der sein Team derzeit auf gleicher Höhe mit den Gruppengegnern Schalke und PSV Eindhoven, aber hinter dem AC Mailand sieht.

Rangnick kann aus dem Vollen schöpfen. Sowohl Marcelo Bordon als auch Mladen Krstajic haben ihre kleineren Blessuren aus dem Spiel gegen Bayern München (1:1) überwunden. Sicher ist, dass Hamit Altintop erstmals seit Wochen wieder in die Startformation rückt. Für ihn muss wohl der zuletzt ausgelaugt wirkende Nationalspieler Fabian Ernst weichen. "Hamit wird von Anfang an spielen. Das kann ich bestätigen", sagte Rangnick, der sich auch die Option offen hält, mit nur einer Sturmspitze (Sören Larsen) zu agieren. Das sei "eine Überlegung", sagte er. Wahrscheinlich aber erhält der formschwache Kevin Kuranyi noch eine Chance. Als Alternative stünde Ebbe Sand parat. "Ich bin fit und würde gern spielen", sagte der Däne.

Rangnick will Altintop halten

Besonders fiebert der türkische Nationalspieler Altintop seinem Einsatz in der Heimat entgegen. Noch vor elf Tagen schlug er an selber Stelle mit der türkischen Nationalelf die deutsche Mannschaft im Länderspiel mit 1:0. Nun will er mit Schalke seinen Landsleuten das Leben schwer machen und drei Punkte mit nach Gelsenkirchen nehmen. "Das wird nicht einfach. Wir müssen in dem Hexenkessel von Anfang an voll konzentriert spielen, weil Fenerbahce mit den Fans im Rücken anstürmen wird. Aber ich hoffe, dass wir als Sieger vom Platz gehen", sagte Altintop, der bei der Ankunft am Atatürk-Flughafen von etlichen türkischen Kamerateams und Reportern umlagert wurde.

Als die türkischen Medienvertreter Rangnick auf einen möglichen Wechsel von Altintop an den Bosporus ansprachen, legte der Trainer ein unerwartet klares Treuebekenntnis ab und erklärte Altintop, der zuletzt nicht erste Wahl war, kurzerhand für unverkäuflich. "Wir denken überhaupt nicht daran, Hamit irgendwohin zu verkaufen. Ich bin mit seiner Entwicklung sehr zufrieden."

DPA


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