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Champions League: Unterschiedliche Vorzeichen

In der Champions League steht der zweite Spieltag vor der Tür. Und für zwei der drei deutschen Teams geht es fast schon um alles.

Von Klaus Bellstedt

Vizemeister Schalke 04 und Werder Bremen stehen nach ihren Auftaktniederlagen bereits mächtig unter Druck. Einzig die Bayern können ihrer Partie gegen den FC Brügge mit Gelassenheit entgegen blicken. Für den Rekordmeister, der zu Beginn der neuen Saison in der europäischen Königsklasse einen wichtigen 1:0-Auswärtserfolg bei Rapid Wien feiern konnte, ist die Begegnung gegen den belgischen Titelträger die erste Champions-League-Partie überhaupt in der Allianz Arena. "Wir müssen mit drei Punkten die Grundlage dafür schaffen, dass wir die Vorrunde relativ gelassen angehen können", sagt Bayern-Coach Felix Magath. Der Trainer will unbedingt verhindern, dass seine Mannschaft in der darauf folgenden Spitzen-Begegnung gegen den härtesten Konkurrenten um den Gruppensieg, Juventus Turin, unter Zugzwang gerät.

Gespannt sein darf man darauf, wie der FC Bayern die erste Saison-Niederlage in der Bundesliga vom vergangenen Wochenende beim HSV weggesteckt hat. Von einem möglichen psychologischen Knacks nach dem abrupten Ende der Siegesserie will man bei den gewohnt selbstbewusst auftretenden Münchenern schon mal überhaupt nichts wissen: "Wir machen uns doch keinen Kopf, weil wir mal drei Punkte abgegeben haben", erklärt Oliver Kahn in der ihm eigenen Art. Gegen den FC Brügge verspricht der Kapitän ein ganz anderes Auftreten als im Nord-Süd-Gipfel, "zumal wir in der Champions League noch Großes vorhaben".

Guerrero im Sturm gesetzt

Unter besonderer Beobachtung in der neuen Allianz Arena wird am Dienstagabend der aus dem Tritt geratene Stürmerstar Roy Makaay stehen. Seit vier Pflichtspielen hat der Niederländer nicht mehr getroffen. Noch ist das Wort 'Krise' im rauschenden Münchener Blätterwald zwar nicht gefallen, aber sollte das sonst so treffsichere "Tor-Phantom" erneut leer ausgehen, hätten die Bayern ein echtes Stürmer-Problem. Auch vor dem Hintergrund, dass Felix Magath keine Alternativen zur Verfügung stehen. Die beiden angeschlagenen Claudio Pizarro und Roque Santa Cruz seien wohl auch in der näheren Zukunft keine Kandidaten für die Startformation, betonte der Coach. So ruhen die Hoffnungen im 50. Champions-League-Heimspiel des Rekordmeisters vor allem auf den Schultern von Paolo Guerrero. Und das nicht ganz zu unrecht: Beim 1:0-Sieg gegen Rapid Wien avancierte der Youngster mit seinem Joker-Tor zum Matchwinner.

Ein Stürmer-Problem kann man Werder Bremen vor der Partie bei Panathinaikos Athen (Dienstag, 20.45 Uhr) nun wirklich nicht nachsagen. Miroslav Klose und Ivan Klasnic treffen in der Liga nach Belieben und versetzen die gegnerischen Abwehrreihen in schöner Regelmäßigkeit in Angst und Schrecken. Bei der unnötigen 0:2-Heimniederlage von vor 14 Tagen in der Champions League gegen den FC Barcelona war der "K&K-Sturm" noch gesprengt. Für das Gastspiel bei den Griechen kehrt Nationalstürmer Miro Klose nach abgesessener Sperre nun also wieder zurück in den Angriff des Ex-Meisters.

Allofs: "Haben die Klasse"

Punkte müssen her für die Grün-Weißen, denn mit einer Niederlage wäre das Abenteuer Champions League - bevor es richtig begonnen hätte - für sie schon nach dem zweiten Spiel so gut wie beendet. "Wenn wir in Athen Punkte lassen, wird es sehr schwer, die nächste Runde zu erreichen", warnt denn auch Thomas Schaaf. Personell kann der Coach bis auf den verletzten Abwehrchef Petri Pasanen aus dem vollen Schöpfen. Lediglich die Besetzung der linken Außenbahn bereitet Thomas Schaaf vor der richtungweisenden Partie im Athener Marousi-Stadion leichte Bauchschmerzen. Weder Christian Schulz noch Jelle van Damme konnten bis jetzt restlos überzeugen. Als Team sollte Werder aber stark genug sein, um bei Panathinaikos Athen zu bestehen. Das sieht auch Sportdirektor und Geschäftsführer Klaus Allofs so: "Unsere Mannschaft hat die Klasse."

Beim FC Schalke 04, der erst am Mittwoch (20.45 Uhr) ins Geschehen eingreifen wird, verhält es sich ähnlich wie bei Werder. Auch die "Knappen" stehen in ihrem Spiel gegen den AC Milan nach der Auftaktpleite beim PSV Eindhoven bereits gehörig unter Druck. Gerade noch rechtzeitig vor dem Duell mit den "Rossoneri" gelang auf Schalke durch den 2:0-Heimsieg gegen Hannover 96 ein Stimmungsumschwung. Der von einer Boulevardzeitung in die Welt gesetzte Spieleraufstand gegen Ralf Rangnick wurde von den Verantwortlichen in das Reich der Fabel verwiesen. Wohl zu Recht.

Ein Vorteil für die Westdeutschen im Duell mit den Italienern könnte der Zeitpunkt des Topspiels sein. Das Team von Trainer Carlo Ancelotti kommt nicht gerade mit überschäumendem Selbstvertrauen in die Veltins-Arena. Im Gegenteil: Milan steckt nach mäßigem Saisonstart in der Serie A in einer Mini-Krise. "Wir brauchen unbedingt einen so wichtigen Sieg", erklärt der Brasilianer Kaká das Champions-League-Match zum Schlüssel-Spiel.

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