HOME

Während Regionalligaspiel: Trauerminute für verstorbenen Neonazi bringt Chemnitzer FC in Verruf

Der Chemnitzer FC steht schwer in der Kritik. Nach einer umstrittenen Traueraktion für einen Neonazi gibt es beim sächsischen Verein am Tag danach erste Konsequenzen. Auch die Stadt geht ausdrücklich auf Distanz.

Eine umstrittene Beileidsbekundung für einen gestorbenen Fan, der als Mitbegründer einer rechtsextremen ehemaligen Organisation galt, hat nicht nur beim Chemnitzer FC für Aufregung gesorgt. Der Verein zog am Sonntag erste personelle Konsequenzen. Mit weiteren Folgen von Verbandsseite ist zu rechnen. Die Stadt Chemnitz nahm "die Ereignisse am Rande des Regionalliga-Spiels des CFC mit Befremden und Unverständnis zur Kenntnis".

Der CFC hatte seinen Anhängern am Samstag nach eigenen Angaben die Möglichkeit eingeräumt, im Stadion um einen gestorbenen Fan zu trauern. Der Mann galt als Mitbegründer einer rechtsextremen früheren Hooligan-Organisation. Der Stadionsprecher habe den Hinterbliebenen sein Beileid ausgesprochen. Das sei aber "keine offizielle Trauerbekundung" gewesen, teilte der Verein am Sonntag mit. Auch in Cottbus wurde dem Mann auf den Rängen gedacht.

In einer Reihe von Pressemitteilungen versuchte Drittliga-Absteiger Chemnitz am Sonntag, die Ereignisse vom Vortag aufzuarbeiten und weiteren Schaden vom Verein abzuwenden. Doch die Diskussionen um das, was am Samstag vor dem Regionalliga-Spiel des souveränen Tabellenführers daheim gegen die VSG Altglienicke (4:4) im Stadion passierte, dürften vorerst nicht abebben - im Gegenteil.

Chemnitzer FC: Erster Rücktritt

Am Sonntag legte der Kaufmännische Geschäftsführer Thomas Uhlig alle Ämter nieder, "um weiteren Schaden vom Chemnitzer FC fernzuhalten". In seiner Funktion trage er die Verantwortung für die Spieltage des CFC und dessen Begleiterscheinungen, erklärte der 46-Jährige.

Auch für Spieler Daniel Frahn, der vom CFC wegen seines Torjubels, bei dem er ein schwarzes T-Shirt mit der Aufschrift "Support your local Hools" (Unterstütze deine lokalen Hools) hochhielt, mit einer Geldstrafe bedacht wurde. Wie hoch diese ist, gab der Club nicht bekannt, stellte aber fest: "Darüber hinaus droht Frahn eine Bestrafung von Seiten des Verbandes."

"Keine offizielle Trauerkundgebung"

Der Drittliga-Absteiger betonte, dass es sich um "keine offizielle Trauerbekundung" gehandelt habe. Der CFC habe "nach dem Tod von Thomas Haller im Rahmen des Ablaufs des Stadionprogramms den CFC-Fans und Hinterbliebenen die Möglichkeit der gemeinsamen Trauer" eingeräumt. Haller soll Anfang der 1990er-Jahre die Organisation "HooNaRa" (Hooligans-Nazis-Rassisten) mitgegründet haben, die sich 2007 auflöste. Haller leitete bis 2006 auch den Ordnungsdienst beim Chemnitzer FC. Einem Bericht des MDR zufolge wurde am Samstag auf der Video-Leinwand vor dem Spiel ein Porträt von Haller eingeblendet.

Es habe eine Schweigeminute gegeben, ein schwarzes Kreuz und ein Transparent seien ausgerollt worden. Die schwarz gekleideten Fans in der Südkurve hätten zudem eine Pyro-Show in Rot und Weiß gezündet. In einer Rede seien die Verdienste Hallers für den Verein gewürdigt worden, schrieb der MDR.

CFC: Trauer keine Würdigung des Lebensinhalts

Der Chemnitzer FC erklärte dazu, gemeinsame Trauer zu ermöglichen, stelle keine Würdigung des Lebensinhalts dar. "Es ist ein Gebot der Mitmenschlichkeit, den Fans des CFC und Hinterbliebenen, die darum baten, die gemeinsame Trauer zu ermöglichen. Dies geschah in Übereinstimmung mit Abwägungen, die von den Sicherheitsbehörden getroffen worden waren", hieß es in der Stellungnahme.

Ihm persönlich gegenüber sei Haller nie politisch geworden, sagte Frahn in einer der Erklärungen. "Ich bin weit davon entfernt, sein Gedankengut zu teilen", bekräftigte Frahn. Das T-Shirt sei verkauft worden, "als Thomas Haller erkrankt ist, um die medizinische Betreuung zu gewährleisten. Daher hatte das Shirt für mich eine andere Bedeutung. Dass dieses T-Shirt so tief in der Nazi-Szene verbreitet ist, war mir dabei nicht bewusst", erklärte Frahn. Nach Vereinsangaben entschuldigte er sich bei den CFC-Verantwortlichen und der Mannschaft für seine Jubelaktion.

"Dass ein Spieler während eines Spiels Botschaften, egal welcher Art, verbreitet und diese nicht vorher mit den Verantwortlichen des CFC bespricht, ist für uns nicht hinnehmbar", sagte CFC-Sportvorstand Thomas Sobotzik.

Werder Bremen: Insider packt aus – Exklusiver Einblick in die Welt der Nazi-Hooligans
dho / DPA

Wissenscommunity