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Wutrede von Rumänien-Coach "Alles verrückte Lügen!" - Christoph Daum flippt bei Pressekonferenz aus

Christoph Daum ist seit Sommer 2016 Trainer des rumänischen Nationalteams
Christoph Daum ist seit Sommer 2016 Trainer des rumänischen Nationalteams
© AP Photo
Christoph Daum war noch nie ein Kind von Traurigkeit. Mittlerweile ist er 63 Jahre alt und der Nationaltrainer Rumäniens - doch sein Temperament hat er sich erhalten.

Bereits zu Bundesliga-Zeiten war Fußball-Trainer Christoph Daum dafür bekannt, gerne mal die Fassung zu verlieren. Mittlerweile ist er 63 Jahre alt - hat aber ganz offensichtlich kein bisschen Temperament eingebüßt. Seit Sommer 2016 trainiert er die rumänische Nationalmannschaft, allerdings mit nur sehr mäßigem Erfolg. Von sieben Spielen als Chefcoach gewann er lediglich ein einziges. Entsprechend negativ ist auch die Berichterstattung über ihn in Rumänien, was ganz offensichtlich auch nicht spurlos an Daum vorbeigegangen ist. 

Bei der Pressekonferenz vor dem Spiel gegen Chile fragt ihn ein Journalist, ob er nach der Partie eine "beidseitige Einigung zur Auflösung seines Vertrages akzeptieren" werde. Zu viel für Daum. Erst lächelt er noch in sich hinein, doch dann setzt er in akzentvollem Englisch zur Wutrede an. "Das ist überhaupt nicht auf dem Tisch. Ich weiß nicht, was Sie da konstruieren wollen", echauffiert er sich über die Frage. Seit Monaten werde er mit solchen Fragen belästigt. "Sagen Sie mir einen Grund betreffend der Arbeit, betreffend dessen, was wir erreicht haben, warum ich zurücktreten sollte." Dabei redet er sich immer mehr in Rage. "Nur wegen der Ergebnisse? Die Ergebnisse sollen entscheidend sein? Wenn ich von Ihnen als Journalist überzeugt bin, dann würde ich Sie niemals feuern."

Christoph Daum: "Alles verrückte Lügen"

Als der Reporter dann auch noch bissig nachfragt, was genau er denn erreicht habe, seit er Trainer von Rumänien ist, verliert Daum endgültig die Fassung. Er würde sich ja gerne mit ihm stundenlang hinsetzen und ihm das erklären, "wenn Sie wirklich offen wären". Wenn er aber mit ihm spreche, würde dieser seine Aussagen ins Gegenteil verkehren und "Lügen kreieren". "Sie sind einfach nicht an den Fakten interessiert". Die Geschichten über ihn seien "alles verrückte Lügen". Mit derlei Berichterstattung würden die Reporter "ihr wahres Gesicht zeigen". "Manchmal seid Ihr keine Rumänen für mich! Ich habe das Gefühl, ich bin mehr Rumäne als Ihr. Das ist meine Meinung." Daum würde sich mehr "mit diesem Land und mit den rumänischen Menschen identifizieren". "Ihr wollt nur zerstören", schimpft Daum.

Ganz aus der Luft gegriffen scheint die Frage des Reporters aber nicht zu sein. Rumäniens Fußballverbandschef Razvan Burleanu schließt eine vorzeitige Entlassung des Deutschen nicht aus, wie rumänische Medien am Mittwoch berichteten. Die Rumänen haben nach der jüngsten 1:3-Niederlage in Polen nur noch geringe Chancen auf die Qualifikation für die Weltmeisterschaft 2018 in Russland. "Der Vertrag mit Daum hatte dieses Ziel, nämlich die Qualifikation für die Weltmeisterschaft", sagte Burleanu. Er bedaure es nicht, Daum im vorigen Jahr engagiert zu haben, "zugleich aber steht und fällt ein Trainer mit den Resultaten, und die Resultate sind nicht zu unserem Vorteil". Nun werde die Technische Kommission des Verbands über Daums Leistung beraten und eine Entscheidung fällen. Daums Vertrag läuft offiziell bis 2018.

fin

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