Chronologie Die Entwicklung im Fall Amerell

Die Schiedsrichter-Affäre um angebliche sexuelle Übergriffe des früheren Obmanns Manfred Amerell hält den DFB in Atem. Eine Chronologie der Ereignisse.

Die Chronik im Fall Amerell beginnt am 17. Dezember 2009: Bundesliga-Referee Michael Kempter wendet sich an den DFB-Schiedsrichter-Chef Volker Roth und teilt ihm mit, von Obmann Manfred Amerell sexuell bedrängt worden zu sein. Nach dem Erstligaspiel zwischen Werder Bremen und Borussia Dortmund am 18. Oktober 2008 soll es in einem Hotel zu dem Zwischenfall gekommen sein.

15. Januar 2010:

DFB-Präsident Theo Zwanziger wird von Roth erstmals über die Vorwürfe gegen Amerell informiert. Zwei Wochen später kommt es zu einem Gespräch zwischen Zwanziger und Kempter.

1. Februar:

In der Frankfurter DFB-Zentrale treffen sich Zwanziger, Generalsekretär Wolfgang Niersbach und Personalchef Stefan Hans mit Amerell.

4. Februar:

Auf der DFB-Präsidiumssitzung, auf der es auch um den neuen Vertrag für Bundestrainer Joachim Löw und Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff geht, kommt das Thema Amerell zur Sprache. Amerell bittet den DFB in einem Schreiben, ihn von seinen Aufgaben zu entbinden.

9. Februar:

Der DFB gibt bekannt, dass Amerell "aus gesundheitlichen Gründen" sein Amt niederlegen will.

10. Februar:

Amerell bestreitet sämtliche gegen ihn geäußerten Vorwürfe und nimmt sich als Beistand den Münchner Rechtsanwalt Jürgen Langer. Erstmals wird der Name Kempter in der Öffentlichkeit genannt. Beim DFB kommt es zur ersten personellen Konsequenz: Vizepräsident Rainer Koch gibt seine Zuständigkeit für das Schiedsrichterwesen ab, weil er sich intern bei der Aufarbeitung übergangen fühlt.

11. Februar:

Außer Kempter sollen sich noch weitere Schiedsrichter beim DFB wegen angeblicher Belästigungen gemeldet haben.

12. Februar:

Amerell erklärt, dass es zwischen ihm und Kempter eine "intensive private Freundschaft" gegeben habe. Dabei habe er Kempter aber "zu keinem Zeitpunkt gegen seinen Willen zu dieser freundschaftlichen Beziehung gezwungen". Zugleich tritt Amerell von seinen Ämtern zurück.

16. Februar:

Der DFB verkündet, dass mehrere Schiedsrichter in Anhörungen zu Protokoll gegeben hätten, bedrängt und/oder belästigt worden zu sein. Der Verband erklärt die Ermittlungen nach Amerells Rücktritt für abgeschlossen. Ligapräsident Reinhard Rauball bezeichnet die Führung des DFB-Schiedsrichterwesens als Geheim-Orden.

17. Februar:

In einem Interview spricht Amerell von "Gedanken, sich an die Bahnsteigkante zu stellen". Er prangert den DFB an, ihn nie mit konkreten Vorwürfen konfrontiert zu haben.

20. Februar:

Es wird bekannt, dass es vor dem Landgericht München I zu einer mündlichen Anhörung kommen soll. Die Partei Amerell will dort erreichen, dass der DFB nicht mehr behaupten darf, Amerell habe mehrere Personen bedrängt und/oder belästigt.

22. Februar:

Schiedsrichter-Lehrwart Eugen Strigel legt aus gesundheitlichen Gründen sein Amt nieder.

23. Februar:

Kempter schildert in mehreren Interviews intimste Details über angebliche sexuelle Belästigungen.

24. Februar:

Der DFB erklärt den Fall Amerell mit dessen Rücktritt für abgeschlossen. Das Ergebnis der auf Amerells Initiative für den 4. März angesetzten mündlichen Verhandlung "kann uns egal sein", sagt Zwanziger.

26. Februar:

Beim DFB meldet sich ein Schiedsrichter, der behauptet, Kempter habe sich ihm am 13. Mai 2009 angeblich "genähert". In der Nacht von Freitag auf Samstag kommt es in einem Hotel in Augsburg zu einem Treffen zwischen dem früheren Bundesliga-Schiedsrichter Franz-Xaver Wack und Amerells Ehefrau Margit.

27. Februar:

Kempter bestreitet den gegen ihn erhobenen Vorwurf.

28. Februar:

In einer kleinen Presserunde und unter Beisein des als Vertrauensmann vorgestellten Franz Xaver Wack geben drei Schiedsrichter eidesstaatliche Versicherungen ab, sie seien sexuell belästigt worden. Die Unparteiischen wollen anonym bleiben. Wack behauptet, er habe schon seit fünf Jahren Bescheid gewusst und auch Roth darüber informiert. Dieser habe die Informationen abgetan.

1. März:

Auf einer Pressekonferenz in München spricht Amerells Anwalt von einem "System Zwanziger" und einer Verschwörung gegen seinen Mandanten mit Wack als zentraler Figur. Amerells Ehefrau berichtet von Wacks nächtlichem Besuch und behauptet, von ihm unter Druck gesetzt worden zu sein. Wack entgegnet, er habe die Situation nur "deeskalieren" wollen.

2. März:

Roth behält sich rechtliche Schritte gegen Wack vor.

3. März:

Roth gibt bekannt, dass Kempter am 7. Februar erstmals nach Bekanntwerden der "Causa Amerell" wieder ein Zweitliga- Spiel pfeifen soll.

4. März:

DFB-Präsident Zwanziger spricht von Rücktritt, falls die Affäre Amerell mit einer Niederlage für den DFB enden sollte. Der DFB und Amerell einigen sich vor Beginn des Zivilverfahrens vor dem Landgericht München I außergerichtlich. Der DFB darf in Bezug auf Amerell weiter von "sexueller Belästigung" sowie "Übergriffen" auf andere Unparteiische sprechen. Im Gegenzug bekommt Amerell Einsicht in die eidesstattlichen Versicherungen der vier Unparteiischen, die ihn belastet hatten.

SID/DPA DPA

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