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Der "Saddam" aus Deutschland: Wer Magath nicht aushält, hat keinen Humor

Felix Magath habe ein "Terror-Regime" beim FC Fulham geführt, wettern englische Medien. Alles Käse. In Wahrheit ist Magath ein richtig guter Trainer. Das Dumme ist nur, dass ihn keiner mehr versteht.

Von Tim Schulze

Als Felix Magath sich entschloss, als Trainer zum FC Fulham auf die Insel zu gehen, muss er sich wie ein Prophet gefühlt haben, der im eigenen Land nichts mehr gilt. Seine Erfolge, seine Titel von einst – verblasst. Der Ruf in der Heimat war gründlich ruiniert. Magaths Trainingsmethoden galten als antiquiert mit Tendenz zum Sadismus. Ein kleiner Laufhügel, den er auf dem Trainingsgelände des VfL Wolfsburg errichten ließ, erhielt den Namen "Hügel des Leidens". Ex-Profi Jan Åge Fjørtoft hatte mal folgendes Bonmot über den Trainer parat: "Ob Felix Magath die Titanic gerettet hätte, weiß ich nicht. Aber die Überlebenden wären topfit gewesen."

Beim traditionsreichen FC Fulham trauten sie ihm zu, den Club vor dem Abstieg in die zweite Liga zu bewahren. Das hat nicht funktioniert. In der aktuellen Saison gingen von sieben Spielen sechs verloren, der Londoner Club feuerte den Coach. Jetzt zieht die englische Presse über den deutschen "Saddam" her. Skurrile Heilungsmethoden wie Käse für den lädierten Oberschenkel, drei Trainingseinheiten pro Tag, Schweigen vor versammelter Mannschaft, Blinzelverbot für Spieler, drakonische Geldstrafen für junge Spieler – es ist lustig , wie die englischen Medien jetzt innerhalb von wenigen Tagen allseits bekannte und erfundene Magath-Methoden mit viel Häme ausbreiten.

Unverständnis auf Seiten der Spieler

Magath ist also auch in England zur Witzfigur geworden. Das ist bedauerlich. Denn im Grunde ist das alles ein großes Missverständnis. Das Problem sind nämlich nicht die außergewöhnlichen Trainingsmethoden des 61-Jährigen, sondern das Unverständnis auf Seiten der Spieler, die mit der Mischung aus Härte und Ironie nichts mehr anfangen können. Die Zeiten ändern sich, muss man in diesem Fall leider sagen. Profis sind oft egoistische Dienstleister. Kommt ein Coach daher, der einiges ganz anders macht, wird das schnell als unzumutbare Härte empfunden.

Magath ist ein Mann alter Schule, einer der sich aus einfachen Verhältnissen mit Talent und Charakter nach ganz oben gearbeitet hat. Sein Lehrmeister hieß Ernst Happel, ein eigenwilliger Querkopf und eine Legende, die mit Autorität und bissiger Ironie regierte. Happel fuhr einst zigarettenrauchend auf einem Moped, während die HSV-Spieler im strammen Tempo joggten. Damals war der HSV mit dem Spielmacher Magath eine der besten Mannschaften Europas.

Nehmerqualitäten und Humor sind gefordert

Wenn er heute einem Spieler rät, dass entzündete Knie nach einem alten Hausrezept mit Quark zu behandeln, dann war es eben nur ein Rat, wahrscheinlich halb ironisch gemeint. Das muss man als Spieler nicht ernst nehmen. Dass aus dem Quark Käse wurde, den sich der Spieler auf den lädierten Schenkel halten sollte, ist zusätzlich medialer Quark. Wer es als Spieler mit Magath aushalten will, braucht Nehmerqualitäten und eben Humor. Wer zu empfindlich ist, sollte nicht unter Magath trainieren. Wer sich darauf einlässt, hat Erfolg. In Frankfurt, Nürnberg, Stuttgart, Bayern, Wolfsburg und Schalke war Magath mit seinen Methoden sehr erfolgreich. Bis Sie sich abgenutzt hatten. Das muss man auch erwähnen.

Kommen wir zurück zu Jan Åge Fjørtoft. Der hat als Spieler bei Eintracht Frankfurt Ende der Neunziger unter Magath trainiert. Der frühere Torjäger könnte ein ganzes Buch über die Trainingsmethoden Magaths schreiben, so sehr ist er immer noch von dieser Zeit beeindruckt. Als Magath im Frühjahr zu Fulham wechselte, bereitete er die Profis auf Twitter vor: "Mannschaftsbesprechung bei Felix Magath! Er kommt herein. Trinkt Tee für fünf Minuten. Isst riesige Kuchen für weitere fünf Minuten. Kein Wort." Bei Fjørtoft haben die Methoden damals funktioniert. Doch das ist lange her.

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