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Dettmar Cramer: Der "Napoleon" des Fußballsports wird 80

Seine Anfänge als westdeutscher Coach 1949 noch genau vor Augen und die nächste Japanreise schon im Kopf. Dettmar Cramer feiert heute seinen 80.Geburtstag.

Der Fußball-Professor Dettmar Cramer hat auch heute noch jede Menge Power: "Mir geht’s ausgezeichnet", sagt der gebürtige Dortmunder. "Ich spüre keinen Unterschied zwischen 60 und 80 Jahren."

Neugierig wie eh und je verfolgt der langjährige Fifa-Trainer den Weg der deutschen Nationalmannschaft auf dem Weg zur WM 2006. "Der Jürgen Klinsmann macht mir Freude. Er hat eine vitale Fantasie und Intelligenz und kann deshalb immer schnell reagieren." Mit dem Heimvorteil im Rücken traut Cramer Michael Ballack und Co. einiges zu. Bundestrainer Klinsmann empfiehlt er, bei der endgültigen Auswahl des WM-Kaders vor allem die "psychische Robustheit" zu beachten.

Von Japan nach Island

In seinem hauseigenen Kraftraum trainiert Cramer täglich 90 Minuten bis zwei Stunden, in den letzten Monaten hat er zudem täglich bis zu vier Stunden Schnee geschippt. Cramer strotzt vor Vitalität; Selbstdisziplin lebt er immer noch vor. Doch manchmal kommt jetzt auch die weiche Seite an dem einst so ehrgeizigen Menschen zu Tage. Als Humanist kann er auch über die Liebe philosophieren. "Robustheit hat auch viel von Oberflächlichkeit", sagt er heute.

Ende Mai reist Cramer in seine zweite Heimat nach Japan, wo er in die Hall of Fame aufgenommen wird und wieder einmal Vorträge hält. In fast 90 Ländern war der Globetrotter nach eigenen Angaben in der Trainerausbildung tätig - oder selbst als Coach mit den Spielern auf dem Rasen. Jetzt will er unbedingt mal noch nach Island, da war er noch nie.

"Napoleon"

Angefangen hatte der nur 1,65 m große Cramer, der den Spitznamen "Napoleon" trug und von Sepp Maier mal als "laufender Meter" verspottet wurde, 1949 als westdeutscher Verbandscoach. Schon damals arbeitete er mit Sepp Herberger zusammen. Obwohl Cramer der Assistent des legendären Trainers war, wurde 1964 Helmut Schön Herbergers Nachfolger als Bundestrainer. "Herberger hat seinen Nachfolger selbst bestimmt, das ist alles ordnungsgemäß verlaufen", erklärte er später.

Von 1967 bis 1974 arbeitete Cramer für die Fifa, wurde dann Nationaltrainer der USA. Später betreute er die Auswahl Saudi- Arabiens, den griechischen Erstligisten Aris Saloniki und als Technischer Direktor das Olympia-Team Koreas.

Der Weltbürger

Als Vereinstrainer feierte Cramer seine größten Erfolge mit dem FC Bayern: Mit den Münchnern wurde er 1975 und ’76 Europapokalsieger, ’76 gar Weltpokalsieger. Die Mannschaft von damals wird er bei einer Feier des FC Bayern am Sonntag teilweise wiedersehen. Deutscher Meister war der Weltbürger Cramer nie. Seine letzte Bundesliga-Station waren die drei Jahre bei Bayer Leverkusen, wo er von sich aus das Handtuch warf.

Heute kritisiert der einstige Spieler von Germania Wiesbaden und Viktoria Dortmund die hohe Ausländerquote in der Bundesliga. "Das ist ein großer Nachteil für die Entwicklung des Fußballs. Da muss ein Kompromiss gefunden werden, um die Zahl der ausländischen Spieler zu beschränken." Die WM 2006 hat er bereits im Visier, in irgendeiner Form wird er dabei sein "für den DFB und die 'Fifa".

Ulrike John/DPA / DPA

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