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Steuerermittlungen beim DFB: Hat sich Zwanziger in seiner Rachsucht verzockt?

Der frühere DFB-Präsident Theo Zwanziger hat die DFB-Affäre ins Rollen gebracht und gibt sich als Aufklärer. Nur eines hat er dabei offensichtlich nicht bedacht: Dass er selbst auf der Anklagebank landen könnte.

Von Tim Schulze

Theo Zwanziger vor Journalisten, nachdem Steuerbeamte sein Haus in Altendiez durchsucht haben

Theo Zwanziger vor seinem Haus in Altendiez: "Ach, ich hab doch gar keine Sorgen."

Nachdem die Steuerfahnder das Haus von Theo Zwanziger nach relevanten Unterlagen durchsucht hatten, sagte der frühere DFB-Präsident in die zahlreichen Mikrofone der Journalisten: "Ach, ich hab doch gar keine Sorgen in diesem Zusammenhang.(…) Ich weiß, dass ich die Wahrheit sage, da ist nichts zu befürchten." Es kann gut sein, dass sich Zwanziger gewaltig irrt. Seit gestern ermittelt die Staatsanwaltschaft Frankfurt am Main gegen ihn, DFB-Präsident Wolfgang Niersbach und den früheren Schatzmeister und Generalsekretär Horst R. Schmidt in einem besonders schweren Fall der Steuerhinterziehung. Ob Zwanziger und die anderen so einfach davon kommen, scheint zweifelhaft.

Es geht um die ominösen 6,7 Millionen Euro, die das WM-Organisationskomitee im 2005 an die Fifa überwies. Für das Finanzamt deklarierten die OK-Verantwortlichen es als Rückzahlung eines Zuschusses des Weltverbandes für eine geplante Fußball-Gala in Berlin zur WM 2006, die dann abgesagt wurde. Heute ist bekannt, dass das Geld in Wahrheit eine Rückzahlung an Robert Louis-Dreyfus war. Der frühere Adidas-Chef soll sie dem OK vorgestreckt haben, um angeblich eine schwarze Kasse zu füllen.

Nachzahlungen von 3,5 Millionen Euro

Zwanziger hat jetzt selbst ein Problem. Der DFB hat so mutmaßlich zu wenig Körperschafts- und Gewerbesteuer entrichtet, außerdem zu wenig Solidaritätszuschlag gezahlt. Sollte das der Fall sein und die Beschuldigten verurteilt werden, reicht das Strafmaß von sechs Monaten bis zu zehn Jahren. Noch wahrscheinlicher als eine Verurteilung ist aber, dass der DFB, der als Organisation nicht auf der Anklagebank sitzt, von Zwanziger und Co. das Geld zurückfordert, dass jetzt wohl nachträglich an das Finanzamt abgeführt werden muss. Das wären nach Berechnungen der "Süddeutschen Zeitung" rund 3,5 Millionen Euro.

Zwanziger gibt sich zwar offiziell gelassen. Doch es kann gut sein, dass der Mann, der die Affäre mit Hilfe des "Spiegel" erst ins Rollen gebracht hat, selbst Opfer seines vermeintlichen Aufklärungswillens und seiner Rachsucht gegen Intimfeind Niersbach wird, weil er sich schwer verzockt hat.

Ein Ziel hat er erreicht

Denn bevor er den "Spiegel" mit Informationen fütterte, ließ er durch seinen Rechtsanwalt prüfen, ob er noch wegen Betruges oder Unterschlagung im Zusammenhang mit den 6,7 Millionen Euro belangt werden könne. Das Ergebnis: Sollte er sich schuldig gemacht haben, sind die Taten verjährt. Leider haben Zwanziger, der selbst Jurist ist, und sein Rechtsanwalt offensichtlich nicht an die Sache mit den Steuern gedacht. Der frühere DFB-Präsident hat sein Ziel erreicht. Niersbach ist schwer beschädigt. Es ist wohl nur eine Frage der Zeit, bis der DFB-Präsident zurücktritt. Doch der Preis für Theo Zwanziger könnte hoch sein.

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