DFB-Doppelspitze Schelte vom Kaiser


Die aus der Not geborene Doppelspitze des DFB um Gerhard Mayer-Vorfelder und Theo Zwanziger ist in den Augen von Franz Beckenbauer gescheitert. Die Kritisierten dagegen halten an der Konstellation fest.

Franz Beckenbauer sieht den Countdown für die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 durch die Schiedsrichter-Affäre und Spannungen in der Führungsspitze des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) gefährdet. "Die Arbeit bleibt liegen, wir tun nix anderes, als einen Brand nach dem anderen zu löschen", empörte sich ein verärgerter Beckenbauer in Berlin in seiner Rolle als Präsident des WM-Organisationskomitees. Zugleich griff er die Konstellation der Doppelspitze mit Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder und dem Geschäftsführenden Präsidenten Theo Zwanziger heftig an: "Wir haben festgestellt, dass die Doppelfunktion an der DFB-Spitze nicht funktioniert", sagte Beckenbauer. "Es kann nicht funktionieren, man vergeudet viel zu viel Kraft."

Durchhalteparolen von Zwanziger

Die Konflikte zwischen Mayer-Vorfelder und Zwanziger waren bei einer Präsidiumssitzung am vergangenen Wochenende offen ausgebrochen. Mayer- Vorfelder fühlte sich ausgebootet, weil er im Gegensatz zu Zwanziger nicht zu der im Schiedsrichter-Skandal aktiven Task Force gehört. Erst das Theater mit der Trainerfindungskommission, dann das Schiedsrichter-Thema, schimpfte Beckenbauer. Wenn vor der WM noch etwas passiere, "dann können wir zusperren".

Zwanziger will sich dafür einsetzen, "dass die Doppelspitze bis zur WM 2006 hält". Das sagte er der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Allerdings forderte er eine klare Aufgabenteilung. "Ich wünsche mir, dass Mayer-Vorfelder akzeptiert, dass das operative Geschäft von mir und einem schnell erreichbaren Gremium gemacht werden muss", betonte Zwanziger.

Aktuell hat der DFB für die Staatsanwaltschaft Berlin eine Liste mit allen 63 Spielen seit dem 1. Januar 2003 erstellt, an denen der in Untersuchungshaft sitzende Robert Hoyzer beteiligt war. Neben Meisterschafts- und Pokalspielen handelt es sich auch um ein Freundschafts- und ein Hallenturnier. Das bestätigte Hellmut Krug, Abteilungsleiter Schiedsrichter beim DFB. Bei 36 der 63 Partien hat Hoyzer als Referee agiert, sechs Mal stand er an der Linie, in 21 Spielen war er als so genannter vierter Offizieller dabei.

Die Liste der 63 Spiele, über die er Auskunft erteilen soll, liege Hoyzer in der Vollzugsanstalt in Berlin-Moabit vor, berichtete sein Anwalt Thomas Hermes. Nachdem Ermittlungsrichterin Kerstin Guse-Manke die Fortsetzung der U-Haft angeordnet hatte, da der dringende Tatverdacht des gewerbs- und bandenmäßigen Betrugs weiter bestehe, verlangt die Staatsanwaltschaft nochmals detaillierte Informationen. Hoyzer soll für jedes Spiel aufzeigen, hat er in dem Fall manipuliert oder nicht, mit welchen Personen hat er gesprochen, welche Kontakte gab es zuvor?

"Das soll er gründlich machen", sagte Anwalt Hermes. Sollten diese Auskünfte die Staatsanwaltschaft überzeugen, dass er lückenlos sein Wissen offen legt, könnte laut Hermes ein weiterer Haftprüfungstermin angesetzt werden. "Die Rede war von einigen Tagen", informierte der Hoyzer-Anwalt über den zeitlichen Ablauf. Gestern hatte er bereits angekündigt, dass Haftverschonung beantragt werden könnte. In ersten Vernehmungen hatte Hoyzer zunächst nur fünf Spiel-Manipulationen bzw. Manipulationsversuche zugegeben.

Weitere Spiele unter Manipulationsverdacht

Inzwischen aber geraten immer mehr Personen und Spiele in Verdacht. So soll die Staatsanwaltschaft auch Hoyzers Vater Peter vernommen haben, der früher als Mannschaftsleiter beim FC Sachsen Leipzig tätig gewesen ist. Mit der Partie Hansa Rostock gegen Middlesbrough vom 31. Juli 2004 (3:1) soll Hoyzer erstmals auch ein Freundschaftsspiel für 1000 Euro manipuliert haben. Zudem brachte der ehemalige BVB-Trainer Horst Köppel die von Hoyzer geleitete Regionalliga-Partie zwischen Paderborn und den Dortmunder Amateuren am 1. März 2003 (5:0) in Verbindung mit einem möglichen Betrug.

"Ich hoffe, dass das möglichst bald abgeschlossen werden kann und wir wieder zur Normalität zurückkehren können", forderte Beckenbauer eine schnelle Untersuchung auf allen Ebenen. Seitens des DFB sprach Zwanziger von 30 Vernehmungen, die der Kontrollausschuss durchgeführt habe. "Wir werden alle Vorwürfe ohne Rücksicht auf Namen überprüfen, alles wird lückenlos aufgeklärt und die Schuldigen sollen hart bestraft werden", unterstich der Geschäftsführende DFB-Präsident.

Schwarzes Schaf Hoyzer

Hoyzer sei ein schwarzes Schaf unter den Schiedsrichtern, sagte Zwanziger. Für alle anderen beschuldigten Schiedsrichter gelte zunächst die Unschuldsvermutung: "Sollten sich die Vorwürfe als unbegründet erweisen, werden wir alles daran setzen, die in Misskredit geratenen Personen voll zu rehabilitieren."

Jens Mende/DPA DPA

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