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DFP-Pokal 50. nationaler Titel: FC Bayern feiert das Geister-Double - Leverkusen wacht zu spät auf

Sehen Sie im Video: FC Bayern München ist zum 20. Mal Pokalsieger. Bayern München ist Pokalsieger 2020. Mit einem 4:2 im Finale gegen Bayer Leverkusen durfte die Mannschaft von Trainer Hansi Flick am Samstagabend zum 20. Mal den Pokal mit nach Hause nehmen und machte damit auch ihr 13. Double klar. Im Berliner Olympiastadion fand das Spiel als "Geisterfinale" ohne Zuschauer statt. Zuvor waren die Bayern von Beginn an die dominierende Mannschaft. David Alaba schoss die Bayern per Freistoß von der Strafraumgrenze in Führung, Serge Gnabry stockte zum 2:0 Halbzeitstand auf. Robert Lewandowski erzielte danach das 3:0. Eine halbe Stunde vor Schluß köpfte Sven Bender das 1:3 für Leverkusen, spielerisch nachlegen konnte seine Mannschaft aber nicht. Lewandowski machte dann mit seinem zweiten Treffer alles klar. Erst in der Nachspielzeit schoss Havertz per Handelfmeter zum Endstand. Im August geht es für die Bayern mit der Champions League weiter, im Rückspiel des Achtelfinales treffen sie dort auf Chelsea. Das Finale soll am 23. August steigen. Auch für die Leverkusener ist noch nicht Schluss. Sie können in der Europa League ihre mittlerweile fast schon sprichwörtliche Titel-Flaute beenden.
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Zum 30. Meistertitel gesellt sich der 20. Pokalgewinn: Der FC Bayern hat mit einem 4:2 gegen Bayer Leverkusen das Double verteidigt. Die Rheinländer brachten sich durch Fehler und Fauxpas selbst um die Pokalchance.

Die Double-Sieger des FC Bayern fielen sich jubelnd in die Arme und zogen anschließend feiernd vor die leere, rot-weiß dekorierte Kurve des Olympiastadions. Zum Ende der schwierigen Corona-Saison hat sich der Meister am Samstagabend auch zum Pokalsieger gekrönt. Bayer Leverkusen blieb beim 4:2 (2:0)-Erfolg des Rekordchampions letztlich chancenlos. David Alaba (16. Minute) mit einem Traumfreistoß, Serge Gnabry (24.) und Final-Rekordtorschütze Robert Lewandowski (59. und 89.) dokumentierten die Münchner Überlegenheit beim 13. Double aus Meisterschaft und Pokal.

"Wir sind megaglücklich", sagte Gnabry bei Sky mit "Double"-Mütze auf dem Kopf. "Wir sind überhappy, dass wir den Pokal mit nach Hause nehmen", stimmte Alaba in der ARD ein. Und auch das Triple, das bislang nur Jupp Heynckes mit den Bayern im Jahr 2013 gefeiert hatte, ist nach dem insgesamt 20. Pokalerfolg und dem insgesamt 50. nationalen Titel weiter möglich. Im August geht es für die Mannschaft von Erfolgstrainer Hansi Flick in der Champions League weiter - das Finale am 23. August in Lissabon ist das Ziel. Manuel Neuer wollte sich nach dem Pokal-Triumph aber nicht zu einer Kampfansage verleiten lassen. "Wir werden uns auf jeden Fall top vorbereiten und geben unser Bestes, das Triple zu holen", so der Nationaltorhüter.

"Ich bin stolz, dass wir das geschafft haben", sagte Bayern-Coach Hansi Flick. "Was die Mannschaft die letzten Wochen gespielt hat, war sensationell. Die Einstellung war fantastisch. Wenn die Mannschaft das so umsetzt, ist es einfach schön. Wenn man von Sieg zu Sieg eilt, ist es schön zu sehen, wie die Mannschaft Vertrauen in ihre Stärke hat. Das muss man als Trainer einfach unterstützen." Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge ergänzte in der ARD: "Man muss der Mannschaft ein großes Kompliment machen, sie hat eine Top-Saison gespielt. Wir haben sehr verdient die Bundesliga gewonnen und heute den Pokal obendrauf. Alles top bei uns im Moment."

Bayer kann den "Vizekusen"-Fluch nicht überwinden

Für Leverkusen, das nach dem 1:3 durch Sven Bender (64.) gegen dann etwas unkonzentrierte Münchner Hoffnung schöpfte, bedeutet die Finalniederlage den neunten zweiten Platz seit dem letzten Titelgewinn beim Pokalsieg im Jahr 1993 - das "Vizekusen"-Image verfolgt die Werkself weiter. Das Tor von Kai Havertz per Handelfmeter (90.+4) kam zu spät. "Wir waren am Anfang nicht im Spiel", sagte Lars Bender bei Sky. "Wir haben die Momente, die wir hatten, leider verpasst." Bayer-Coach Peter Bosz analysierte: "Bayern war die bessere Mannschaft über 90 Minuten." Entscheidend sei gewesen, dass seiner Mannschaft vor allem in der ersten Halbzeit "die letzten Pässe" vor dem nicht gelungen seien. "Der letzte Pass war nicht richtig, deshalb waren wir nicht gefährlich", so Bosz. Die nächste Chance für "Vizekusen", endlich wieder einen Pokal zu gewinnen, bietet sich noch dieses Jahr beim Europa-League-Finalturnier in Nordrhein-Westfalen.

Für beide Vereine endete in Berlin eine in jeder Hinsicht außergewöhnliche Pokal-Saison: Wegen der Zwangspause dauerte es 330 Tage, ehe der Sieger gekürt werden konnte. Und nicht im ausverkauften Olympiastadion vor Tausenden Fans - sondern vor trotz Dekoration in Vereinsfarben sehr trister Corona-Kulisse. "Es ist auch ein bisschen ein trauriger Moment. Wenn in so einem Pokalfinale in so einem herrlichen Stadion die Fans fehlen", sagte Bayer-Stürmer Thomas Müller nach dem Spiel. "Da habe ich bei der Siegerehrung auch einen nachdenklichen Moment gehabt. Es tut auch ein bisschen weh." Dabei sein durften am Samstagabend letztlich nur 691 Menschen, darunter auch Bundestrainer Joachim Löw. 

FC Bayern lässt sich nicht beeindrucken

Der 60-Jährige, der mit schwarzem Mund-Nasen-Schutz und im modischen Hemd auf der Tribüne saß, sah zu Beginn zumindest für ein paar Minuten mutige Leverkusener. Die Werkself agierte mit dem umworbenen Nationalspieler Havertz als einziger Spitze und versuchte es mit hohem Pressing gegen den spielstarken Meister. "Eine Spielweise", hatte Trainer Peter Bosz vor dem Anpfiff gesagt, "mit der wir die Bayern schlagen können". Bei Leverkusens letztem Titelgewinn im Pokal vor 27 Jahren waren viele heutige Bayer-Profis noch nicht geboren.

Die Münchner Rekordsieger ließen sich davon aber nicht beeindrucken. Mit schnellem, direkten Spiel bewiesen die Bayern im Gegenteil früh ihre Torgefahr. Ein Kopfball von Lewandowski (3.), ein Schuss von Kingsley Coman (10.), dazu starke Körpersprache - die Meister-Bayern waren nach knapp zehn Minuten endgültig im Finale angekommen, was Alaba mit seinem traumhaften Freistoß in den Winkel direkt belohnte. Lewandowski war zuvor von Edmond Tapsoba nahe an der Strafraumgrenze gefoult worden.

Jetzt hat er unterschrieben: Leroy Sane wechselt in der kommenden Saison Von Manchester City zum FC Bayern München. Das teilte der Club am Freitag mit. Der 24-jährige Stürmer soll zunächst für fünf Jahre bleiben. Die Verhandlungen über den Wechsel hatten sich über Monate hingezogen. Am Ende passte es aber: "Von Anfang an, wo wir dann die Gespräche geführt haben, die waren sehr gut. Der ganze Plan, den sie mir vorgeschlagen haben, der hat mich dann auch überzeugt. Na klar, Bayern ist natürlich auch ein sehr, sehr großer Verein und hat sehr, sehr große Ziele. Und die Ziele passen natürlich auch für mich. Und deswegen war es dann, ja, für mich dann nur noch die einzige Wahl." Über die Transfersumme wurde offiziell nichts bekannt. Nach Berichten deutscher und britischer Medien sollen die Bayern jedoch um die 45 Millionen Euro bezahlt haben. Sane war 2016 von Schalke zu Manchester City gewechselt. Als Nationalspieler hat er in 21 Spielen bisher fünf Tore für Deutschland geschossen.
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Löw: "Fans fehlen gerade bei so einem Finale sehr"

Die Taktik der Leverkusener kam durch das frühe Gegentor an ihre Grenzen. Vorne fehlten die echten Stürmer, und die Münchner zeigten immer deutlicher die gefürchtete Dominanz der Bundesliga-Schlussphase. Bayer-Torwart Lukas Hradecky konnte gegen Thomas Müller, der sein achtes Pokalfinale spielte und damit den Rekord des Ex-Münchners Franck Ribéry einstellte, noch parieren (21.). Gegen Gnabry, der einen starken Pass in die Tiefe von Joshua Kimmich perfekt verwertete, war der Finne aber machtlos.

Bayern-Trainer Flick sah zufrieden ein bis zur Halbzeit nur noch sehr einseitiges Spiel. "Es sieht zumindest jetzt danach aus", dass das Spiel entschieden sei, sagte Löw in der Halbzeit bei Sky, "weil die Bayern sehr kompakt, stabil und selbstbewusst wirken. Dass die Führung verdient ist, ist denke ich klar." Die Corona-Atmosphäre sei allerdings weiterhin "irgendwie eigenartig. Die Fans fehlen, gerade in so einem Finale ist das schon sehr, sehr schade."

Hradecky-Patzer sorgt für Vorentscheidung

Zur hören waren im weiten Rund nur die Anfeuerungsrufe der Delegationen, die Bayer in der zweiten Halbzeit bitter nötig hatte. Bosz brachte die Offensivspieler Kevin Volland und Kerem Demirbay, Havertz rückte auf die Position des Spielmachers. Doch es blieb zunächst beim altbekannten Kräfteverhältnis. Immer, wenn die Bayern vor allem über die Außen das Tempo anzogen, wurde es gefährlich für Bayer. Lewandowski vergab in der 55. Minute aus aussichtsreicher Position.

Leverkusens Torhüter Hradecky patzt zum 0:3
Wo ist der Ball? Leverkusens Hradecky verliert nach einem Lewandowski-Schuss aus mehr als 20 Metern die Kontrolle über das Spielgerät - 0:3.
© John MacDougall / AFP

Zudem häuften sich die Leverkusener Fehler. Auf der Gegenseite ließ Volland fast kläglich eine Riesenchance zum Anschlusstreffer liegen, als er nach einer scharfen Hereingabe von Moussa Diaby über den Ball trat (57.). Kurz darauf wurde Lewandowski von der Bayer-Abwehr allein gelassen, der Pole zog aus gut 20 Meter ab und profitierte bei seinem insgesamt siebten Pokalfinal-Tor auch noch von einem Hradecky-Patzer. Das achte legte der Bundesliga-Torschützenkönig kurz vor Schluss nach.

Leverkusen wacht viel zu spät auf

Bei Benders Kopfballtor nach einer Ecke zeigten allerdings auch die Münchner Abwehrschwäche, durch die sich Leverkusen sichtlich bestärkt fühlte. Der Bundesliga-Fünfte spielte wieder zielstrebiger. Oftmals fehlte aber das letzte gute Zuspiel, um Nationaltorwart Manuel Neuer, der Oliver Kahns Bestmarke von 33 Pokalspielen ohne Gegentor verpasste, im Bayern-Tor in Bedrängnis zu bringen.

dho / fs DPA

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