DFB-Pokal der Frauen "Tor-Bienen" feiern "süßen" Sieg


Sie sind mindestens so erfolgreich wie ihre männlichen Kollegen: Die Fußball-Frauen von Turbine Potsdam haben zum zweiten Mal nach 2004 den DFB-Pokal gewonnen.

In der Potsdamer Disco "Nachtleben" floss der Sekt bis in den frühen Morgen, die "Turbinen" grölten immer wieder den Pop-Song von der "geilen Zeit" und DFB-Chef Theo Zwanziger feierte als neues Vereinsmitglied mit dem Cupsieger. Eine Woche nach dem Gewinn des UEFA-Cups verteidigte der 1. FFC Turbine Potsdam in einer Hitzeschlacht souverän den DFB-Pokal. Mit dem überlegenen 3:0 (2:0) düpierten die "Tor-Bienen" den enttäuschenden Meister 1. FFC Frankfurt wie schon vor Jahresfrist mit erfrischendem Offensiv- Fußball.

"Das war die Hölle auf dem Rasen", meinte Kapitän Ariane Hingst zu den über 50 Grad in der Sonne. Meteorologen hatten für Berlin den wärmsten 28. Mai seit 1892 registriert. "Aber wir haben 150 Prozent aus uns ’rausgeholt und verdient gewonnen", fügte Hingst hinzu, die nach dem Abpfiff Trainer Bernd Schröder auf den Rücken sprang und vor über 30 000 Zuschauern mit ihm "Huckepack" durchs Stadion "ritt".

Sticheleien aus Frankfurt

Conny Pohlers, die mit einem Weltklasse-Tor in der 23. Minute für das 1:0 gesorgt hatte, jubelte: "Die Sprüche der Frankfurter im Vorfeld waren die beste Motivation. Das macht den Sieg besonders süß." Frankfurts Manager Siegried Dietrich hatte tags zuvor gestichelt, dass sich die Potsdamerinnen nach dem Verlust der Meisterschaft mit dem UEFA-Cup eine "Nische" gesucht hätten.

Auch nach dem Spiel erwiesen sich nicht alle Frankfurter Damen als faire Verliererinnen. "Potsdam hat überhart agiert. Ich weiß nicht, warum sie so hart eingestiegen sind, vielleicht waren sie sauer über die verlorene Meisterschaft", meinte Renate Lingor. Auch Trainer Hans-Jürgen Tritschoks kritisierte die angeblich zu aggressive Spielweise des Siegers. "Das Foul von Cristiane gegen Stefanie Weichelt war brutal. Und dem 2:0 ging ein Foul von Jennifer Zietz an Renate Lingor voraus", beklagte Tritschoks, der aber diesmal anders als beim UEFA-Cup-Sieg den Potsdamerinnen zum Erfolg gratulierte. Als einzigen Trost durften Frankfurts Damen ein riesiges Weißbierglas eines Bayern-Sponsors mit nach Hause nehmen.

"Natürlich ist dieser Erfolg eine Genugtuung für uns. Den Frankfurtern fehlt in der Niederlage etwas an Größe", resümierte Bernd Schröder. Er betreut seine Mannschaft seit 34 Jahren und präsentierte mit seinem Trainingskonzept das Team trotz der Dreifach- Belastung wieder topfit, während die Meisterinnen völlig ausgelaugt wirkten und den Angriffswellen wenig entgegen zu setzen hatten. Selbst einen Elfmeter in der letzten Minute brachte Pia Wunderlich nicht im Potsdamer Kasten unter.

Turbine ist ein Brandenburger Markenzeichen

Schröder hatte dieses Mal keine Gelegenheit, wie vor Wochenfrist seine Freuden-Tränen in der Kabine zu verdrücken. "Heute stand unser Ministerpräsident hinter mir, da konnte ich nicht weg", meinte der Meistermacher. Turbine-Fan Matthias Platzeck war zuvor als erster Gratulant auf Schröder zugerannt. "Turbine ist ein Brandenburger Markenzeichen geworden. Wir haben wirklich einen Weltklasse-Angriff", meinte der Landeschef. Neben Pohlers beteiligten sich auch die Auswahlstürmerinnen Petra Wimbersky (34.) und Anja Mittag (80.) am Torfestival. Auf der Ehrenrunde mit dem Pokal reihten sich alle drei in die riesige La Ola vor der Ost-Kurve mit den Schalker Fans ein.

Beim FFC wirkte das Ausscheiden von Rekord-Torschützin Birgit Prinz wegen einer Oberschenkelzerrung (24.) wie ein Schock. "Eine Birgit Prinz ist nicht so einfach zu ersetzen. Dennoch Kompliment an meine Mannschaft. Wir hatten eine gute Saison, leider hat heute das Sahnehäubchen gefehlt", meinte Tritschoks. Prinz selbst nahm kein Blatt vor den Mund: Cch bin enttäuscht von der Leistung der Mannschaft. Wir hatten ein Riesenloch im Mittelfeld und haben die selben Fehler gemacht wie im vergangenen Jahr", ärgerte sich die Auswahlstürmerin, deren EM-Einsatz trotz Zerrung nicht gefährdet ist.

Frank Thomas, DPA DPA

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