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DFB-Team schlägt Ecuador 4:2: Hurra, wir haben eine B-Mannschaft!

Schon wieder hat eine deutsche Mannschaft die Fußball-Welt beeindruckt. Mit einer Rumpftruppe ohne Bayern und Dortmunder siegte das DFB-Team gegen Ecuador mit 4:2. Und Lukas Podolski? Nahm Rache!

Von Klaus Bellstedt

Was ist nicht alles über den Sinn, aber vor allem über den Unsinn dieser USA-Reise der deutschen Nationalmannschaft geschrieben worden! Genau, deshalb sparen wir uns das auch. Nie wieder wird eine DFB-Auswahl in dieser Formation auflaufen, wie gegen Ecuador in Boca Raton – nämlich ohne sämtliche Stammspieler. Man könnte es sich deshalb eigentlich bequem machen und generös über die Machenschaften dieser vermeintlichen Rumpftruppe hinwegsehen - Nach dem Motto: "Nun spielt mal schön und blamiert euch vielleicht auch ein bisschen. Wir halten den Ball eh flach und interpretieren da schon nix rein." Aber das geht schon deshalb nicht, weil Lukas Podolski nach neun (!) Sekunden das schnellste Länderspieltor in der Geschichte der Nationalmannschaft erzielte.

Der Treffer war in doppelter Hinsicht bemerkenswert. Einerseits wegen des historisch so wertvollen Zeitpunkts, andererseits wegen des Torschützen. Podolski war im Vorfeld dieses Testkicks gegen den Zehnten der Fifa-Weltrangliste von Teammanager Oliver Bierhoff in ungewohnter Härte angerempelt worden. "Bei der Nationalmannschaft war es ein Jahr des Stillstandes." Und: "Poldi merkt, dass gerade auf seiner Außenposition andere Spieler Druck machen." Das waren Bierhoffs Worte. Der Gescholtene keilte am Tag vor dem Ecuador-Spiel zurück: "Wenn Herr Bierhoff es so sieht, dann ist das seine Meinung. Man muss nicht über alles diskutieren." Wie Recht er doch hat. Man muss einfach nur gut Fußball spielen.

Druckvoll, schnell, präzise

Podolski nahm Rache und gab die Antwort auf dem Platz. Nicht nur wegen seines Blitztores, sondern weil ihm in der 17. Minute auch das zwischenzeitliche 3:0 gelang, er sich auch sonst in blendender Verfassung präsentierte und ihm nie ein Weg zu weit war. Viele hatten den Arsenal-Profi im Hinblick auf die WM schon abgeschrieben. Aber das Thema ist noch lange nicht durch. Und es gab noch mehr positive Überraschungen. Wie erwähnt: Ecuador ist nicht Fürth. Die Südamerikaner sind auf dem besten Weg, sich für die WM im nächsten Jahr zu qualifizieren. Man belegt gerade Platz zwei in der Qualifikationsgruppe - hinter Argentinien. Das Team ist eingespielt. Das ist das Stichwort. Eingespielt trat in Boca Raton aber nicht Ecuador, sondern dieser zusammengewürfelte Haufen der deutschen Nationalspieler der Kategorie C auf. Dabei ging das eigentlich gar nicht – nach zuvor nur vier gemeinsamen Trainingseinheiten.

Druckvoll, schnell, präzise: Besser als in der ersten halben Stunde ging es nicht. Weil auch Lars Bender noch zwei Mal traf, stand es bereits nach 24 Minuten erstaunlicherweise 4:0. Es war eine homogene Mannschaftsleistung, in der jeder – und das ist das bemerkenswerte – vor allem auch mit der richtigen Einstellung zu Werke ging. Mit Max Kruse und Sidney Sam standen gleich zwei Debütanten in der Startelf. Beide bereiteten jeweils ein Tor vor. Auch einstige Sorgenkinder und längst Vergessene wie Marcell Jansen, Heiko Westermann oder auch Beneditk Höwedes machten in der Defensive ihre Sache gut. Auf René Adler im Tor war sowieso Verlass. Gerade, als Ecuador in der zweiten Hälfte etwas stärker aufkam, nachdem der Mannschaft von Trainer Reinaldo Rueda kurz vor der Pause noch der Anschlusstreffer durch ein Tor von Manchesters Antonio Valencia gelungen war.

Zweite Halbzeit gehört den Südamerikanern

Nach dem Wechsel verlagerte sich die Partie dann mehr und mehr in die deutsche Hälfte. Ecuador erspielte sich eine Menge gute Gelegenheiten, aber man hatte, anders als zum Beispiel beim unglaublichen 4:4 gegen Schweden, nie das Gefühl, dass das noch schiefgehen könnte. Die wenigen Nachlässigkeiten, die auch dem hohen Tempo in der Anfangsphase sowie den widrigen äußeren Bedingungen mit einer extrem hohen Luftfeuchtigkeit geschuldet waren, führten nur noch zu einem weiteren Treffer für die Südamerikaner. Ayovi traf noch per Freistoß in der 84. Minute zum Endstand von 4:2 aus der Sicht der DFB-Auswahl.

Klar, in der zweiten Hälfte war das nicht mehr schön anzuschauen, aber dennoch: Die jungen Burschen bissen sich durch diese Partie. Von Neustädter über Draxler bis zu Wollscheid. Ausfälle gab es an diesem Nachmittag in Florida gegen einen Kontrahenten in Bestbesetzung, der durchaus Klasse besitzt, nicht. Noch so eine Erkenntnis für den Bundestrainer.

Joachim Löw muss ein glücklicher Mann sein. Er kann im Vorfeld der WM auf einen Kader zurückgreifen, auf den er sich in jeder Hinsicht verlassen kann.

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