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Doping-Urteil: Harte Zeiten für Juventus

Juventus Turin ist das italienische Pendant zu Bayern München - von einigen geliebt, von allen anderen gehasst. Das Urteil im Doping-Prozess bedeutet für die "alte Dame" einen riesigen Imageschaden.

Nach der Verurteilung im Doping-Prozess hat Juventus Turin auch in der italienischen Serie A einen Rückschlag erlitten. In den letzten elf Minuten verspielte der Rekordmeister bei Inter Mailand eine 2:0-Führung. Durch das 2:2-Unentschieden schrumpfte der Vorsprung des Tabellenführers (32) am 13. Spieltag vor dem aufkommenden Titelverteidiger AC Mailand (28) auf vier Punkte zusammen. Schlimmer noch als der Punkt- wiegt für Juve jedoch der Imageverlust durch die 22-monatige Gefängnisstrafe für Teamarzt Riccardo Agricola. Sie wirft einen Schatten auf die Erfolge in den 90er-Jahren. Juve solle den Champions League-Pokal zurückgeben, forderte Ajax Amsterdams Ex-Trainer Luis van Gaal nach einem Bericht der "La Gazzetta dello Sport" am Montag.

1996 hatte van Gaal mit den Niederländern das Cup-Finale gegen die Italiener in Rom verloren. Mit der Verurteilung des Juve-Arztes in erster Instanz bestätigte das Gericht die Anklage von Staatsanwalt Raffaele Guariniello. Der hatte Juve zwischen 1994 und 1998 systematisches Epo-Doping vorgeworfen und damit die großen Erfolge der Turiner ausdrücklich mit Doping in Verbindung gebracht. Ein Vorwurf, gegen den sich der damalige Juve-Trainer Marcello Lippi verwahrt. "Mein Juve siegte wegen seiner außergewöhnlichen Willenskraft und wegen nichts anderem", betonte Italiens jetziger Nationaltrainer am Wochenende im italienischen Fernsehen.

Einige Juve-Gegner zweifeln daran. Als Pendant zu Bayern München in Deutschland ist Juve in Italien der meist geliebte und zugleich meist gehasste Fußballclub des Landes. Feinde hat es reichlich. Einer ist Zdenek Zeman, der die Ermittlungen 1998 durch seine Dopinganschuldigungen gegen den Rekordmeister ins Rollen gebracht hatte. Er fühlt sich durch das Urteil bestätigt. "Ich will den Fußball verändern, damit er sauber wird", erklärte Zeman in einem Streitgespräch mit Lippi.

Juve steht unter Druck. Ein Sieg in Mailand wäre deshalb umso wichtiger gewesen. Kein Wunder, dass Juve-Trainer Fabio Capello nach dem "weggeworfenen Sieg gegen Inter" wütend war. "Wir haben zu viel in den Spiegel geschaut", warf der aufgebrachte Coach seinen Spielern Überheblichkeit vor. Bis zur 79. Minute hatte Juve durch die Tore von Marcelo Zalayeta in der 53. und Zlatan Ibrahimovic per Foulelfmeter in der 66. Minute sicher geführt.

Inter-Trainer Roberto Mancini packte dann aber die Brechstange aus, ließ vier Angreifer stürmen und kam tatsächlich durch Christian Vieri (79.) und Adriano (85.) noch zum Ausgleich. "Wir haben daran geglaubt und wurden dafür belohnt", jubelte Mancini. Überschattet wurde die Partie von Fan-Ausschreitungen vor dem Stadion. Fünf Menschen wurden verletzt. "Wir sollten wie in England Gefängniszellen in den Stadien haben und Randalierer noch im Stadion verurteilen", forderte daraufhin Juve-Manager Luciano Moggi.

Bernhard Krieger/DPA / DPA

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