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Dortmunds Aus in der Champions League Auf ganzer Linie gescheitert


Der deutsche Meister ist raus: Nach der 2:3-Niederlage im letzten Champions-League-Gruppenspiel gegen Olympique Marseille ist Dortmund als Tabellenletzter aus allen Wettbewerben geflogen - zu Recht.
Von Tim Schulze

Als sich der Dortmunder Kapitän Sebastian Kehl mit einer blutenden Wunde im Gesicht im Strafraum des Gegners wälzte – da war die Hoffnung für den deutschen Meister am größten, das Wunder doch noch zu schaffen. Dortmund führte zu diesem Zeitpunkt nach knapp 30 Minuten bereits mit einem Treffer gegen Olympique Marseille im letzten Gruppenspiel der Champions League. Schiedsrichter Howard Webb zeigte nach dem hohen Bein von Stephané Mbia sofort auf den Punkt - Elfmeter. Mats Hummels verwandelte sicher zum 2:0. Zwei weitere Tore noch - und der dritte Platz in der Gruppe F wäre möglich gewesen und hätte das überwintern in der Europa League bedeutet. Das hätte nach den verkorksten Leistungen auf internationaler Bühne ein kleines Happy End bedeutet. Stattdessen gab es einen trostlosen Abschied aus Europa.

Denn in den folgenden 60 Minuten wiederholte sich das, was die Auftritte der Dortmunder Mannschaft in der Champions League bisher ausgezeichnet hatte: Naive Fehler in der Defensive und die Unfähigkeit, einen Gegner in Schach zu halten, der es ernst meint. Marseille verwandelte den Zwei-Tore-Rückstand in einen 3:2-Sieg und erreichte das Achtelfinale der Champions League. Der deutsche Meister verabschiedete sich dagegen mit vier Punkten als Gruppenletzter aus dem internationalen Wettbewerb und kann jetzt seine ganze Kraft darauf verwenden, die Bayern in der Liga zu jagen.

45 Minuten fast alles richtig gemacht


Dabei machte die Mannschaft von Jürgen Klopp im ersten Durchgang fast alles richtig. Sie begann konzentriert, ohne blindlings drauflos zu stürmen. Früher nannte man das kontrollierte Offensive. Sie war überlegen, stand sicher in der Defensive und erstickte die zaghaften Offensivbemühungen des französischen Vizemeisters im Keim. Mit jedem Angriff schnürten die Dortmunder OM ein bisschen mehr ein. Der Startschuss für eine entfesselte Offensive fiel nach knapp 20 Minuten, als der bemühte, aber insgesamt glücklose Mario Götze die erste Torchance des Spiels hatte. Sein unplazierter Schuss war noch sichere Beute für OM-Keeper Steve Mandanda. Kurz danach verlängerte Sebastian Kehl einen Einwurf per Kopf auf Jakub Blaszczykowski, der den Ball präzise ins linke Eck zur verdienten Führung einschob (23.). Jürgen Klopp stieß an der Seitenlinie wie wild die gestreckte Faust in die Luft und jubelte mit dem Torschützen. In diesem Moment glaubten sie noch an sich und das Wunder.

Der deutsche Meister ließ einen Angriff nach dem anderen auf das französische Tor rollen. Die nächste Flanke von Lukasz Piszczek wollte Kehl mit dem Kopf nehmen, aber Stephané Mbia erwischte den Dortmunder Kapitän bei seinem Abwehrversuch mit hohem Bein so unglücklich im Gesicht, dass dieser sich danach blutend auf dem Rasen wälzte. Mats Hummels verwandelte den fälligen Strafstoß zwar sicher - Dortmund war obenauf und stürzte dennoch ab. Und der verletzte Kehl, der auf der Bahre vom Spielfeld getragen wurde, lieferte das eindringliche Sinnbild für die in der Champions League Gescheiterten. Sie mühten sich, sie gingen volles Risiko, aber am Ende bleib ihnen nichts außer der schmerzhaften Erkenntnis, dass sie (noch) nicht reif genug sind für die europäische Königsklasse.

Immer die gleichen Fehler


Eine große Chance für den fleißigen Gözte gab es noch (40.), dann begann die Nachspielzeit der ersten Halbzeit und die Selbstzerstörung der Dortmunder, wie in fast jedem Spiel (außer beim Sieg gegen Piräus). Sie kassierten nach zwei Fehlern in Folge den Anschlusstreffer. Der unerfahrende Chris Löwe, der sein erstes Europapokalspiel an diesem Abend für den geperrten Marcel Schmelzer bestritt, ließ Morgan Amalfitano flanken und Piszczek kam gegen den sträflich freistehenden Loic Remy zu spät (45 + 3). Der französische Stürmer köpfte unbedrängt zum Anschluss ein. Dass es gerade Piszczek war, passte ins Bild. In der Offensive lieferte der junge polnische Nationalspieler 45 Minuten eine starke Leistung und fütterte seine Mitspieler mit unzähligen Flanken. In der Defensive patzte er auf naive Weise. Der Pausenfpiff markierte das endgültige Ende des BVB auf internationaler Bühne.

Denn in der zweiten Halbzeit war der selbstbewusste Offensivdrang wie weggeblasen. Marseille spielte konzentrierter, beide Mannschaften agierten auf Augenhöhe. Ilkay Gündogan hatte eine große Chance, die Torausbeute zu verbessern, aber das war's (59.). Der Rest war Aufgabe und Zerfall beim deutschen Meister. Ein Kopfballtor durch André Ayew nach Eckball (84.) und ein Sonntagsschuss durch Mathieu Valbuena (87.) besiegelten das traurige Schicksal der Dortmunder. Bei beiden Treffern ließ die Abwehr die Franzosen ungestört agieren – der Wille, sich zumindest mit einem Sieg aus dem Wettbewerb der Besten zu verabschieden, war nicht mehr vorhanden.


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