EM-Schiedsrichter Kampf gegen Rudelbildung


Schwalbenkönige, Simulanten, brutale Fouls: Die Schiedsrichter sind angewiesen, bei der Europameisterschaft hart durchzugreifen und die Spieler zu schützen. Übertriebene Beschwerden und Rudelbildung sollen ebenso hart geahndet werden.

Die Sicht auf die Schweizer Berge wird den EM-Schiedsrichtern in ihrem Turnier-Quartier im Zürcher Vorort Regensdorf durch eine trostlose Hochhaussiedlung verbaut. Bei den 31 EM-Partien sollen die Referees um den deutschen Herbert Fandel aber stets den perfekten Durchblick behalten - und konsequent durchgreifen. Mit harter Hand gegen "Schwalbenkönige" und besonderer Strenge bei brutalen Fouls sollen die zwölf Schiedsrichter die Partien der Fußball-Europameisterschaft leiten. "Wir müssen die Spieler schützen. Wir wollen die besten Spieler auch am Ende des Turniers noch im gesunden Zustand sehen", beschrieb Hugh Dallas vom Uefa-Schiedsrichterkomitee die Aufgabenstellung.

Die Referees sind von der Uefa in besonderem Maße angewiesen, gesundheitsgefährdende Fouls direkt mit einem Platzverweis zu bestrafen. Neben den üblen Fouls sollen die Referees auch Simulanten rigoros Einhalt gebieten. Eine Gelbe Karte droht, unabhängig, ob die "Schauspieler" einen Elfmeter oder einen Freistoß schinden wollen. Eine Verwarnung blüht ebenso den Spielern, die sich durch Worte oder Gesten über Schiedsrichterentscheidungen beschweren. Bei sogenannter Rudelbildung werden die verantwortlichen Akteure ebenso mit Gelb bestraft. Alle EM-Teams werden eine DVD mit entsprechenden Spielszenen erhalten, um ihre Akteure zu instruieren.

Fandel: Einheitliche Linie ist wichtig

"Es ist wichtig, dass wir mit einer einheitlichen, konsequenten Linie agieren", beschrieb Fandel die Uefa-Instruktionen vor seinem ersten Einsatz bei einem großen Turnier. Bei der WM 2006 hatte er noch Markus Merk den Vortritt lassen müssen. Bisherige Höhepunkte in der sportlichen Karriere des Konzertpianisten waren die Leitung von zwei DFB-Pokalendspielen sowie die Einsätze in den Endspielen des Uefa-Cups 2006 und der Champions League 2007. International war er zudem bei Olympia 2000 und beim Confederations Cup 2005 im Einsatz.

Welches Gruppenspiel er leiten wird, erfährt Fandel am 5. Juni, wenn die ersten Ansetzungen festgelegt werden. Jedes der zwölf Referee-Teams kommt bei zwei Vorrundenbegegnungen zum Einsatz. Anschließend hängt Fandels Verbleib vom Erfolg der deutschen Mannschaft ab. Bleibt das Team von Bundestrainer Joachim Löw im Turnier, droht dem deutschen Referee und seinen Assistenten Carsten Kadach und Volker Wezel das frühe EM-Aus. "Im Mittelpunkt steht der Fußball. Ich bin ein Fan der Mannschaft. Ich wünsche mir, dass sie sehr weit kommt", sagte Fandel.

Arne Richter/DPA DPA

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