Nationalmannschaft Die Systemfrage


4-4-2 oder 4-5-1? Die Systemfrage steht urplötzlich im Brennpunkt des Interesses der deutschen Fußballfans. Nach zwei Jahren im unveränderten System von 2006 brachte auch eine taktische Änderung den Erfolg gegen Portugal. Einen Tag vor dem Halbfinale ist die Systemdiskussion voll entbrannt.
Von Nico Stankewitz

Kapitän Michael Ballack gab der Systemdiskussion zum Wochenbeginn noch einen zusätzlichen Kick, als er im Kicker einen Auftritt im System mit einer Spitze forderte, was für ihn selber einen erheblichen Vorteil mit sich bringen würde, denn als freier Spieler hinter der einzigen Spitze Miroslav Klose konnte Ballack sich ohne große Defensivaufgaben ständig in die Spitze einschalten. 24 Stunden später ist der Londoner schon wieder zurück gerudert, betonte in der Pressekonferenz es sei "ein System für das Portugal-Spiel gewesen."

Vieles hängt an Frings

Nicht unerheblich für die Systemdiskussion ist die Personalie Torsten Frings. Der 31-Jährige Bremer soll nach seinem Rippenanbruch im Halbfinale wieder zur Verfügung stehen.

Mit Frings würde einiges für das etablierte 4-4-2 sprechen, da der allgemein anerkannte Leitwolf Frings wohl nur widerwillig sich auf die Defensivarbeit hinter dem frei schwebenden Ballack beschränken würde.

Positiv gedacht, gibt Frings auch der Organisation des Spiels (auch des Offensivspiels) wertvolle Impulse, eine Rückkehr in die bewährte Formation mit dem Tandem Ballack/Frings wäre auch ein Zeichen des Vertrauens gegenüber den alten Führungsspielern. Entscheidend dürfte die körperliche Verfassung von Frings sein.

Offensive Ausrichtung - auch im 4-2-3-1

Das 4-2-3-1 ist natürlich ein erheblich defensiver ausgerichtetes System, denn durch die Veränderung wurde nach dem Österreich-Spiel ein Stürmer (Gomez) durch einen defensiven Mittelfeldspieler (Hitzlsperger) ersetzt.

Allerdings lässt auch die andere Formation offensive Schwerpunkte zu. Durch die Flügelzange Schweinsteiger/Podolski können beide Flügel effektiver bearbeitet werden, da die beiden Außenverteidiger von den zentralen Mittelfeldspielern mehr unterstützt werden können. Während die vorherige Doppelsechs mit Ballack und Frings auch offensiv stark beschäftigt war, hatten Rolfes und Hitzlsperger Gelegenheit, sich stark mit der Defensive zu beschäftigen und Friedrich und Lahm immer wieder bei der Bekämpfung der starken portugiesischen Außenbahnspieler zur Seite zu stehen.

Auch die taktische Staffelung in der Mannschaft mit dem offensiven Kapitän Ballack mit allen Freiheiten hinter den Spitzen hat sich gegen Portugal vorzüglich bewährt, denn es gelang in der Zentrale, die Räume mit dem defensiven Mittelfeld Rolfes/Hitzlsperger effektiv zuzustellen und damit auch Ballack viele Freiheiten einzuräumen.

Turnierende für Gomez, Kuranyi und Neuville?

Für die überzähligen Stürmer wären bei der Beibehaltung des Portugal-Systems nur noch wenig Platz im Turnier, Gomez, Kuranyi und Neuville würde der Status von EM-Touristen drohen.

Eigentlich wäre ein Rückstand die einzige Chance für weitere Stürmer nochmal zum Einsatz zu kommen, aber selbst dann könnte man sich eher eine Variante mit Podolski neben Klose im Sturm und dafür Marcell Jansen oder Clemens Fritz auf einer der Außenpositionen vorstellen.

Trübe Aussichten für Deutschlands einstige Sturm-Herrlichkeit, da dürften einige Daumen für die Genesung von Torsten Frings gedrückt werden…


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker