HOME

Nationalelf in der Krise: Löws Widerspruch: Vor zehn Jahren hatte er keine Probleme damit, altgediente Spieler auszusortieren

Joachim Löw hält trotz schwacher Leistungen an den Weltmeister-Spielern fest. Seine Begründung: Die Jüngeren seien noch nicht so weit. Vor der WM 2010 war der Bundestrainer nicht so zimperlich.

Nach 0:3 Niederlage:  "Neuanfang, jetzt!" – so vehement fordern Twitternutzer Jogis Rücktritt

Joachim Löw kämpft um seinen Job. Der Bundestrainer darf sich im Spiel gegen Weltmeister Frankreich am Dienstagabend strenggenommen keine Niederlage erlauben, ansonsten würden die Rufe nach seiner Ablösung wohl noch lauter werden. Schon jetzt bezweifeln viele, dass Löw in der Lage ist, die Nationalelf aus der schweren Krise zu führen. 

Der wichtigste Kritikpunkt lautet: Der Bundestrainer vertraut zu sehr auf die Achse der Weltmeister mit Manuel Neuer, Jérôme Boateng, Mats Hummels, Toni Kroos und Thomas Müller, obwohl diese Spieler ihren Leistungszenit momentan aus verschiedenen Gründen nicht erreichen. Die Weltmeister von 2014 stehen einem echten Neuanfang im Weg. Zudem heißt es vielerorts, das Leistungsprinzip sei zum Teil ausgeschaltet. Warum setzt Löw nicht auf Ter Stegen im Tor,  Niklas Süle in der Abwehr, Leon Goretzka im Mittelfeld oder Leroy Sané im Angriff?

Joachim Löw entschied 2010 viel härter

Löw weigert sich bislang, personell den harten Schnitt zu wagen. Er sagte im ZDF-Interview: "Die jungen Spieler brauchen noch Zeit, sind nicht am Ende ihrer Entwicklung. Sie brauchen Zeit und Erfahrung." Der Bundestrainer bevorzugt offenbar einen sanften Übergang. Das ging bislang krachend schief. 

Dabei hat Löw in der Vergangenheit bewiesen, dass er auch anders kann. Vor der WM 2010 hatte Löw keine Probleme damit, den damals 33-jährigen Torsten Frings auszusortieren. Die Gründe waren damals zum Teil fadenscheinig. Löw führte mangelnde Fitness an, obwohl Frings mit seiner Erfahrung und seiner Klasse dem jungen Team hätte durchaus helfen können. Er setzte lieber auf Sami Khedira, der damals 23 Jahre alt war. Löw sagte damals: "Wir haben in unserem erweiterten Kader viele junge Spieler, die unsere Anforderungen erfüllen und die sehr gute Perspektiven über die WM 2010 hinaus haben." 

Nach 0:3 Niederlage:  "Neuanfang, jetzt!" – so vehement fordern Twitternutzer Jogis Rücktritt

Der Capitano wurde damals kühl abserviert

Auch im Fall von Michael Ballack gab es es keinen Bonus. Der Capitano wurde kühl von Löw abserviert. Bekanntermaßen verpasste Ballack die WM in Südafrika wegen einer Verletzung, er wurde danach nicht mehr berufen, was Ballack ihm Übel nahm. Von den Weltmeistern 2014 hat er Sami Khedira auf das Abstellgleis geschoben, auch wenn es in diesem Fall noch keinen offiziellen Abschied gibt.

Auch wenn die Situationen 2010 und 2018 nur eingeschränkt vergleichbar sind: Löw war damals forscher und setzte auf sportliche Kritierien und Entwicklungsperspektive. Ihm stand damals eine nachrückende Generation zur Verfügung, der er voll vertraute. In der Gegenwart hat Löw nicht den Mut, solch einen harten Schnitt zu wagen.

Wissenscommunity