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Krise der Nationalmannschaft: Titanen-Dämmerung: So hart fallen die Urteile über Manuel Neuer aus

Die deutsche Nationalelf steckt in einer schweren Krise und mit ihr Kapitän Manuel Neuer. Der Bayern-Keeper macht Fehler, die früher undenkbar schienen. Viele Kritiker fordern deswegen eine neue Nummer eins.

Manuel Neuer ist nach der Niederlage gegen Holland bedient

Manuel Neuer ist nach der Niederlage gegen Holland bedient

DPA

Die sportliche Krise hat die Nationalelf mit voller Wucht erfasst. Nach der schmerzhaften Niederlage gegen mittelmäßige Niederländer wird besonders über die sogenannte Weltmeister-Achse diskutiert. Und hier steht Torwart Manuel Neuer, bislang absolut unantastbar, im Mittelpunkt, nachdem er beim ersten Gegentreffer am Samstagabend schwer gepatzt hatte. An Neuer wird die Krise besonders sichtbar.

Lothar Matthäus geht in seinem Ruf nach Konsequenzen am weitesten. Der Rekordnationalspieler fordert einen Wechsel im Tor und kritisiert die Personalentscheidungen von Bundestrainer Joachim Löw. "Manuel Neuer hat aktuell nicht die Form und Sicherheit, die er vor seiner schweren Verletzung gehabt hat. Er ist noch nicht wieder in der Form, die ihn viermal zum Welttorhüter gemacht hat", schrieb Matthäus in seiner aktuellen Kolumne auf "skysport.de".

Lothar Matthäus fordert ter Stegen

Matthäus fordert stattdessen Marc-Andre ter Stegen im Tor. Der Keeper spiele "seit Jahren weltklasse bei Barcelona. Ich finde, er hätte langsam die Chance verdient, ein wichtiges Spiel von Anfang an zu bestreiten, selbst wenn Neuer zur Verfügung stünde", analysierte der Weltmeister von 1990 weiter. Die Achse, auf die Löw vertraue, funktioniere aktuell nicht, schrieb Matthäus nach dem 0:3 der DFB-Elf in der Nations League.

"Denn diese Spieler haben mit sich und mit Problemen in ihren Vereinen zu kämpfen. Als da wären: Neuer, Jerome Boateng, Mats Hummels, Toni Kroos, Thomas Müller. Sie sind die Erfahrensten, haben den Laden aber aktuell überhaupt nicht im Griff." Er habe sich "sehr über die Aufstellung von Joachim Löw gewundert", erklärte Matthäus weiter.

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In der TV-Sendung "Doppelpass" auf Sport1 kritisierten die Experten Neuer ebenfalls hart. Reinhold Beckmann sprach davon, dass Neuer als Kapitän auch im Interview nach dem Spiel "maßlos enttäuscht" habe, weil er nur ein "Phrasen-Interview" geliefert habe. Christoph Daum warf Löw vor, bei Neuer und der Weltmeister-Achse "Dankbarkeitsentscheidungen" zu treffen, die nichts mit der wahren Leistungsfähigkeit der Spieler zu tun hätten.

Oliver Kahn sieht grundsätzliches Problem

Oliver Kahn geht noch weiter und warnt vor einem mittelfristigen Problem auf der Torwart-Position. Im "Kicker" sagte der 49-Jährige: "Ich sehe im Moment hinter Neuer und ter Stegen nicht das absolute junge Ausnahmetalent, das schon Spielpraxis auf hohem Niveau sammelt. Wir haben anscheinend keinen wie den 19-jährigen Gianluigi Donnarumma in Italien."

Bei der Heim-Europameisterschaft 2024 wäre der jetzige Kapitän Manuel Neuer bereits 38 Jahre alt, Barcelona-Profi Marc-André ter Stegen 32 Jahre. Mit Blick auf die Bundesliga erklärte Kahn, dort seien zwar bei zwölf der 18 Klubs deutsche Torhüter die Nummer eins, neun von ihnen seien aber schon über 28 Jahre alt. Der heutige ZDF-Experte Kahn verwies ferner darauf, dass der vielversprechendste Schlussmann, der 24 Jahre alte U21-Europameister Julian Pollersbeck, mit dem Hamburger SV in der 2. Bundesliga spielt.

tis / DPA

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