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Meinung

Klatsche gegen Niederlande: Arroganz statt Umbruch: Mats Hummels und sein fataler Denkfehler

Deutschland hat mit 0:3 gegen die Niederlande verloren. Schlimmer als die Leistung auf dem Platz war aber, was Mats Hummels danach von sich gab. Statt auch nur den Hauch von Kritik zuzulassen, schießt er lieber pauschal gegen Medien und Fans.

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Nicht alles war schlecht, was die deutsche Nationalmannschaft am Samstagabend auf den Platz brachte. Trotzdem war das Team von Joachim Löw meilenweit entfernt davon, ein gutes Spiel zu machen. Am Ende zerfiel die Elf gar in ihre Einzelteile und kassierte eine 0:3-Klatsche - und das gegen die Niederlande, die seit Jahren nicht mehr zur internationalen Weltspitze gehören. So viel zu den 90 Minuten. Richtig hanebüchen wurde es aber erst danach.

Mats Hummels stellte sich gleich zweimal den Mikrofonen der Journalisten, einmal direkt nach Abpfiff und dann etwas ausgeruhter nach dem Duschen. Beide Male steigerte sich der Bayern-Star in eine überraschende Flucht nach vorn hinein, die an ein trotziges Kind erinnerte. "Gewinnen müssen" hätte man die Partie ob ihres Verlaufes. Lediglich eine "Frage der fehlenden Chancenverwertung" sei es gewesen. Und überhaupt: Seit der WM habe das DFB-Team "kein schlechtes Spiel hingelegt". 

Tatsächlich hatte Deutschland gegen die Niederlande mehrere gute Torchancen. Was Hummels nur übersieht: Die Gegner hätten in der Schlussphase locker noch vier weitere Tore machen können, wenn sie ihre Konter solide zu Ende gespielt hätten. Zudem zeigte Deutschland wieder die selben Fehler, die selben Unsicherheiten hinten, die selbe Ideenlosigkeit nach vorne wie bei der Debakel-WM. Das Spiel zuvor gegen Frankreich hatte die Hoffnung genährt, vieles sei in Ordnung, allerdings sprang da auch nur ein torloses Unentschieden heraus. Gegen Fußballzwerg Peru hatte das Team mit viel Glück einen 2:1-Sieg gerettet. Die so positive Sichtweise auf diese Partien dürfte Hummels relativ exklusiv haben.

Der Bayern-Star hatte aber noch nicht fertig. Hummels polterte, "Momentan" werde "auf alles und jeden draufgeschossen". Dies sei "von Medien und von Fans respektlos". Die deutsche Nationalspieler seien immer noch "mit die Besten in dem, was wir machen". Dagegen würden sie behandelt "wie Vollamateure". Er könne Mario Basler schon verstehen, der einst das hohe Gehalt als "Schmerzensgeld" bezeichnet hatte.

Der DFB und das Arroganz-Problem

Genau diese patzige Art ist das aktuell größte Problem der Nationalmannschaft. Das Ignorieren von berechtigter Kritik, das sture Festhalten an dem, was früher mal gut funktioniert hat und schlicht und einfach die Arroganz, die vor allem die etablierten Kräfte von Löw zeigen.

Wenn man erstmals in der Geschichte in einer WM-Vorrunde scheitert und sowohl personell als auch im Auftreten nichts ändert; und wenn dann die ersten drei Partien, zwei davon Punktspiele, keine deutliche Verbesserung zeigen, dann muss man ein bisschen Demut an den Tag legen. Sich mal wirklich hinterfragen und nicht nur von "Analysen" faseln, aber doch alles beim Alten belassen. Mit Spielern, die so auftreten wie Hummels am Samstag nach dem Spiel, ist das nicht zu stemmen.

Jungstar Joshua Kimmich zum Beispiel sagte nach der Partie: "Wir dürfen nicht den Fehler machen, unsere Leistung schön zu reden. Wenn man immer so verliert, ist es irgendwann kein Zufall mehr!" Dazu lieferte der 23-Jährige vorher noch ein ordentliches Spiel ab.

Natürlich kann und soll der Bundestrainer nicht alle etablierten Kräfte aus der Nationalmannschaft schmeißen und nur noch Jungspunde auf den Platz stellen. Aber: Ein erfolgreicher Umbruch sieht anders aus, als das, was gerade passiert. Vielleicht bräuchten Spieler wie Hummels mal eine kleine Denkpause vom DFB. Mit guten Leistungen im Verein könnten sie sich ja wieder für die Nationalmannschaft empfehlen.

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