Sicherheit bei Fanfesten "Ich mache mir keine Sorgen"


Vor dem EM-Halbfinale Deutschland gegen die Türkei rechnet die Polizei nicht mit Gewalt bei den Public-Viewing-Veranstaltungen zwíschen den beiden Fangruppen. Auch DFB-Teammanager Oliver Bierhoff geht von einem friedlichen Fußballfest aus.

Das EM-Halbfinale soll zu einem ebenso rauschenden wie friedlichen deutsch-türkischen Fußballfest werden: Der Deutsche Fußballbund (DFB), Politiker und türkische Organisationen haben die Fans beider Länder zum gemeinsamen Feiern in gewaltfreier und fröhlicher Atmosphäre aufgerufen. DFB-Teammanager Oliver Bierhoff mahnte, sich die entspannten Fanfeste bei der Weltmeisterschaft 2006 zum Vorbild zu nehmen.

Einen Vorgeschmack auf der Begeisterungsfähigkeit der türkischen Fans bekamen viele deutsche Großstädte in der Nacht zum Samstag. Nach dem dramatischen Viertelfinal-Sieg im Elfmeterschießen gegen Kroatien strömten Zehntausende Türken auf die Straßen. Wegen der Auto-Korsos, Hupkonzerte und "Türkiye"-Rufe war vielerorts erst spät an Schlaf zu denken. Allein in Berlin feierten rund 50.000 Fans den Sieg der Türken enthusiastisch, und auch aus vielen anderen deutschen Städten wurden fünfstellige FanZahlen bei Public-Viewing-Veranstaltungen und anschließenden Jubelfeiern gemeldet. Aktiv werden musste die Polizei vor allem wegen des illegalen Abbrennens von Feuerwerkskörpern.

Respekt, Toleranz und Fairness

Bierhoff sagte im DFB-Quartier in Tenero zu Befürchtungen, es könnte am Mittwoch bei Public-Viewing-Veranstaltungen in Deutschland zu Auseinandersetzungen kommen: "Ich mache mir keine Sorgen." Die Nationalmannschaft, der derzeit alleine sieben Spieler mit Migrationshintergrund angehörten, stehe für Respekt, Toleranz und Fairness. Deshalb sei zu hoffen, dass es am Mittwoch ein tolles Spiel geben und sowohl im Stadion als auch in Deutschland friedlich zugehen werde, sagte der Teammanager. Der DFB stellte in diesem Zusammenhang in Tenero einen neuen Filmspot von Regisseur Sönke Wortmann vor, der die Bemühungen zur Integration von Menschen mit Migrationshintergrund unterstützen soll. "Integration ist ein wichtiges gesellschaftspolitisches Thema", sagte DFB-Präsident Theo Zwanziger. Der Fußball und besonders die Nationalmannschaft böten dafür eine gute Plattform.

"Fest der Integration"

Auch die Türkisch-Islamische Union (DITIB) erklärte: "Unsere größte Freude wird eine sportliche, freundschaftliche und brüderliche Begegnung sein. Möge am Mittwoch nicht nur die bessere Mannschaft gewinnen, sondern auch die deutsch-türkische Freundschaft." Die Organisation äußerte ihre Hoffnung auf "ein friedliches, ausgelassenes und vor allem gemeinsames Fußballfest". Die nordrhein-westfälische Grünen-Politikerin Sylvia Löhrmann rief ebenfalls zu gemeinsamen Fußballfeiern zwischen Deutschen und Türken auf. Das Halbfinale solle zu einem "Fest der Integration" gemacht werden, sagte die Fraktionschefin im Düsseldorfer Landtag.

Die Vorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen, Claudia Roth, hat unterdessen vor einem Missbrauch der positiven EM-Stimmung für nationalistische Zwecke gewarnt. In einer TV-Sendung sagte sie: "Ich würde davor warnen, dass man jetzt diese Leichtigkeit, dieses Feiern, diese Fröhlichkeit - das ist ja eine Art von Party-Patriotismus - jetzt so sehr belädt, gleich wieder auflädt, mit dem Bezug zum eigenen Volk."

Heiligengeistfeld soll erweitert werden

Die Polizei rechnet auf den Fanmeilen mit keinen größeren Ausschreitungen. Dennoch stockt die Polizei in vielen Städten ihre Einsatzkräfte auf. In Großstädten wie Berlin, Hamburg, Köln oder München wird mit deutlich mehr Gästen bei den Public Viewings gerechnet. "Wir erwarten ein fröhliches, friedliches Fußballfest", sagte der Hamburger Polizeisprecher Ralf Meyer. Auf dem Heiligengeistfeld in der Hansestadt werden die meisten Fußballbegeisterten an einem Ort erwartet. 35.000 Menschen bietet der Veranstaltungsort zurzeit Platz. Für das Halbfinale werde aber eine Erweiterung des Geländes geprüft, sagte Fan-Fest-Sprecherin Daniela Scherbring. Theoretisch könnten bis zu 50.000 Menschen das Spiel vor der 60 Quadratmeter großen Videoleinwand verfolgen.

Froben Homburger/AP/DPA AP DPA

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