Griechenland - Russland "König Otto" stürzt vom Thron


Null Tore, null Punkte: Mit dieser Minusleistung nach zwei Spielen ist EM-Titelverteidiger Griechenland vorzeitig gescheitert. Zwar zeigte sich die Rehhagel-Elf im Gegensatz zur katastrophalen Leistung im Auftaktspiel gegen Schweden verbessert, verlor gegen Russland aber dennoch 0:1.

Vier Jahre nach dem sensationellen Triumph von Lissabon sind "König Otto" und seine Europameister von einer ersatzgeschwächten russischen Mannschaft vom Thron gestürzt worden. Griechenland verlor in Salzburg auch sein zweites EM-Gruppenspiel gegen die "Sbornaja" mit 0:1 (0:1) und muss bereits nach der Vorrunde die Koffer packen. Obwohl Trainer Otto Rehhagel seine Mannschaft auf drei Positionen verändert hatte, reichte es nicht zu dem für ein Weiterkommen erforderlichen Sieg. Vor 30.500 Zuschauern im Stadion Salzburg Wals-Siezenheim erzielte Konstantin Syrjanow (33.) das entscheidende Tor für die Elf von Guus Hiddink, die mit dem ersten Turniersieg ihre Viertelfinal-Chance wahrnahm. Am Mittwoch geht es nun für die Russen im Duell mit Schweden um den Einzug in die K.o.-Runde. Spanien steht vorzeitig als Gruppensieger fest.

"Ich bin nicht so enttäuscht, ich weiß ja, wozu wir in der Lage sind. Wir hatten immer gesagt, wir müssen einen glänzenden Tag erwischen, um diese Russen zu schlagen. Das Problem bei uns ist, dass wir zu wenig Tore machen. Wir haben eben keinen Ibrahimovic. Andere Mannschaften haben viel brutaler verloren als wir", sagte Rehhagel, der beim griechischen Verband einen Vertrag bis 2010 hat, gefasst. Russlands Stürmer Iwan Saenko war erleichtert. "Das war für uns wie ein Finale. Wir haben mit Herz gespielt und 110 Prozent gegeben. Mit der gleichen Einstellung gewinnen wir auch gegen Schweden", sagte der Nürnberger, der in den letzten 20 Minuten zu seinem ersten Turniereinsatz gekommen war.

Griechen ohne Fantasie

Vier Tage nach dem von heftiger Medienschelte und interner Kritik begleiteten Angsthasen-Fußball gegen Schweden demonstrierten die Griechen, dass sie auch nach vorne spielen können, allerdings fehlte ihren Angriffen die Durchschlagskraft. Rehhagel hatte in der Abwehr auf eine Vierer-Kette umgestellt und setzte im Angriff auf die Flügelzange mit den Bundesliga-Legionären Angelos Charisteas und Ioannis Amanatidis. In der Mitte stürmte Nikolaos Liberopoulos für den formschwachen Leverkusener Theofanis Gekas. Doch Ideen für ein wirkungsvolles Offensivspiel entwickelten die Kicker aus Hellas auch in ihrem zweiten Turnierspiel zu selten.

Auch ohne ihr noch immer gesperrtes Sturm-As Andrej Arschawin wirkte das Angriffsspiel der Russen von Beginn an druckvoller und durchdachter. In der 14. Minute verpasste Roman Pawljutschenko, der trotz einer im Spanien-Spiel erlittenen Adduktorenverletzung stürmte, die frühe Führung. Einen Heber des Angreifers von Spartak Moskau lenkte Antonios Nikopolidis im griechischen Tor mit den Fingerspitzen über die Latte. Sechs Minuten später drohte dem russischen Gehäuse zum einzigen Mal vor der Pause Gefahr, als Charisteas eine Flanke verfehlte und Igor Semschow fast ein Eigentor fabriziert hätte.

Chance nach der Pause

Ein schlimmer Patzer von Nikopolidis verhalf den Russen zur Führung. Als der 36-jährige Keeper einer weiten Hereingabe von Dinijar Biljaletdinow zu unentschlossen hinterher lief, zog Russlands Kapitän Sergej Semak den Ball artistisch wieder zurück in die Mitte, wo Syrjanow zum 1:0 ins leere Tor traf. Beim folgenden Dauerdruck der "Sbornaja" entging die ins Schwimmen geratene Abwehr des Europameisters mehrmals nur mit viel Glück einem höheren Rückstand.

40 Sekunden nach Wiederbeginn besaß Charisteas die Chance zum Ausgleich, als er Igor Akinfejew den Ball aus wenigen Metern in die Arme schoss, und leitete damit die beste Phase der Griechen ein. Angelos Basinas (53.) zielte aber über das Tor, der Frankfurter Amanatidis blieb weiterhin blass. Auf der Gegenseite vergaben Pawljutschenko (52.), der überragend spielende Vertreter des verletzt fehlenden Pawel Pogrebnjak, und Biljaletdinow (57.) bei Kontern das mögliche 2:0. Die größte Chance verpasste Pawljutschenko allein vor dem Tor in der 90. Minute.

Robert Semmler/DPA DPA

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