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Fußball-EM 2012 Das Stürmer-Problem von Spanien und Italien


Was Italien zu viel hat, hat Spanien zu wenig: einen Stürmer. Während sich der italienische Stürmer Antonio Cassano mit homophoben Aussagen ins Abseits schoss, scheint Fernando Torres den Sturm-Ansprüchen Spaniens nicht zu genügen.

Fernando Torres zielt am Tor vorbei, Antonio Cassano liegt mit schwulenfeindlichen Aussagen weit daneben. Europameister Spanien und Italien plagen vor ihren zweiten Vorrundenspielen bei der Fußball-EM große Sorgen um ihre Stürmer. Der Titelverteidiger sucht am Donnerstag gegen Irland nach einer Lösung für die zuletzt harmlose Offensive, im italienischen Quartier sorgen die geistlosen Äußerungen von Cassano für die nächste unerwünschte Störung.

Die Aufregung um den Wettskandal hatte sich dank des 1:1 beim starken EM-Auftakt gegen Spanien gerade gelegt - nun fordern Schwulen-Vertreter den EM-Ausschluss von Cassano, Politiker sprechen von "Schande", und die Tifosi rätseln, welche Nationalspieler homosexuell sein könnten. Der liberale Coach Cesare Prandelli rauft sich die Haare und denkt vor dem "entscheidenden Spiel" am Donnerstag in Posen über einen neuen Sturm rund um Antonio Di Natale nach.

Cassano bemühte sich, die Wogen zu glätten und entschuldigte sich. "Das tut mir aufrichtig leid. Ich wollte niemanden beleidigen", erklärte er kleinlaut nach seinem verbalen Eigentor. Er habe nur sagen wollen, dass es ihn nicht betreffe. Schwulenfeindlichkeit aber sei ihm fremd. Im Casa Azzurri klang das zuvor anders: "Ich hoffe, dass keine Schwulen in der Mannschaft sind", hatte der Milan-Star einem Reporter geantwortet. Der Fußballverband ist peinlich berührt, die Öffentlichkeit empört. "Sturm über Cassano", titelte die "Gazzetta dello Sport" (Mittwoch-Ausgabe) vor dem Kroatien-Spiel.

Spanien ohne echte Spitze

Dank des 29-Jährigen wurde eine in Italien zuvor nur am Rande geführte Diskussion um Homosexuelle in der Nationalelf zum Riesenthema. Aufgebracht hatte sie der schwule Fernsehmoderator Alessandro Cecchi Paone. "Ich hatte eine Beziehung zu einem der Nationalspieler. Und der hat mir gesagt, dass es noch einen Schwulen in der Mannschaft gibt", bekräftigte Cecchi Paone am Dienstagabend in einem Radio-Interview.

Tabellenführer Kroatien wittert seine große Chance nach dem 3:1-Startsieg. "Treten wir wie gegen Irland auf, gewinnen wir ganz sicher", sagte Trainer Slaven Bilic. Die Bilanz gegen Italien spricht klar für die Kroaten: Seit ihrer Unabhängigkeit holten sie drei Siege und zwei Unentschieden und verloren noch nie.

Spanien ist in Danzig klarer Favorit gegen die Iren, gesucht wird für die Partie die Besetzung für die Sturmspitze. Im Land des Weltmeisters rätseln Experten und Fans, ob Trainer Vicente del Bosque wie gegen Italien mit sechs Mittelfeldspielern und ohne eine echte Nummer "9" beginnt. Der schwächelnde Fernando Torres war im ersten Spiel erst in der zweiten Hälfte eingewechselt worden.

Den Trainer des Titelverteidigers lassen die Diskussionen kalt: "Ich entscheide danach, was am besten für Spanien ist", sagte Vicente del Bosque. Selbst seine Spieler tappen im Dunkeln. Irlands Trainer Giovanni Trapattoni rechnet mit einem Stürmer: "Vielleicht Torres." Del Bosque reagierte unbeeindruckt: "Es ist egal, ob er das denkt." Altmeister Trapattoni setzt ein bisschen darauf, dass dieser ganze Hick-Hack Spanien stören könnte.

jat/DPA DPA

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