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EM 2021 Ein Foul nach dem anderem: Diese englischen Fans hätten den Titel nicht verdient gehabt

Englische Fans im Stadion
Würden Sie diesen Inselbewohnern ein Trikot abkaufen wollen? Englische Fans beim EM-Finale in Wembley
© Carl Recine / AFP
Sie buhen bei den Hymnen, lachen ein weinendes Mädchen aus und blenden den gegnerischen Torhüter: So attraktiv die englische Mannschaft gespielt hat, so unappetitlich waren ihre Fans. Ihnen sei die Niederlage ihrer "Three Lions" gegönnt.   

Eigentlich war ja alles angerichtet für den ersten Erfolg der "Three Lions" seit sehr, sehr langer Zeit: Wer, wenn nicht diese Mannschaft hätte das Zeug zum Europameister? Allein der Sturm aus Harry Kane und Raheem Sterling. Dazu die Abwehr – gerade einmal zwei Tore hat sie bis zur 120. Minute des Finales zugelassen. Dazu wurde Erzrivale Deutschland mühelos mit 2:0 abgefertigt und auch der Turnierbaum meinte es gut mit dem Team. Sechs von sieben Spielen fanden vor heimischem Publikum statt, Höhepunkt das Endspiel in Wembley, dem Stadion gewordenen Fußballtraum. Doch dann scheiterten Southgates Jungs im, nun ja, Elfmeterschießen. Also alles wie immer. Nur das Mitleid hält sich dieses Mal in Grenzen, denn wenn jemand den Titel nicht verdient gehabt hätte, dann sind es die englischen Fans.

Land der Hooligans und des Fair-Play

Zwar ist das Land Heimat von Hooligans und Weltkriegsrhetorik, aber eben auch von Fair Play und Gänsehaut-Gesängen. Selten aber haben sich die Anhänger der Nationalmannschaft unappetitlicher aufgeführt als in den vergangenen vier EM-Wochen. Der traurige Höhepunkt fand nach dem Schlussakkord statt, als die Elfmeter-Unglücksraben Bukayo Saka, Jadon Sancho und Marcus Rashford, allesamt dunkelhäutig, in den sozialen Netzen übelst beschimpft und beleidigt wurden – von den eigenen "Fans". Der Fußballverband sprach von "widerlichem Verhalten" und selbst Premierminister Boris Johnson sah sich genötigt, die rassistischen Online-Exzesse mit einem "schämt euch" zu kommentieren.

Die Schmähungen durch die Fans begannen schon vor dem Turnier. Als die Spieler bei den Testspielen auf die Knie gingen – als Zeichen gegen Rassismus – wurden sie von den eigenen Anhängern ausgebuht. Trainer Southgate sagte nach einer Partie gegen Rumänien: "In erster Linie sind wir alle sehr enttäuscht. Das eigene Team auszubuhen ist eine sehr merkwürdige Reaktion." Seine Worte verhallten ungehört. Ebenso als er später die Anhänger darum bat, bei den Hymnen der Gegner nicht zu buhen, wie das vor den Partien gegen Deutschland und Dänemark geschehen war.

Und sie lachten ein weinendes Mädchen aus

Besonders hässlich wurde es, als im Achtelfinale ein kleines, weinendes Mädchen mit der deutschen Tricolore auf den Stadionmonitoren zu sehen war und die englischen Fans zu Jubeln und Lachen begannen. Das Bild des untröstlichen Kindes machte die Runde in den sozialen Medien – wo es von den Inselbewohnern noch hämischer und ekelhafter kommentiert wurde. Begriffe wie "Nazi" oder "Nutte" fielen. Diese Entgleisungen wurden zumindest einem Briten zu viel; er startete eine Spendensammlung für das Mädchen. Rund 40.000 Euro kamen zusammen, sie gingen schließlich an Unicef.

Angefeuert von aggressiven und hurra-patriotischen Schlagzeilen der gewohnt grellen britischen Presse, vergriff sich einmal sogar der Gentleman Gareth Southgate im Ton und rechtfertigte die feindselige Stimmung im Wembley-Stadion mit Ereignissen aus dem Zweiten Weltkrieg: "Es haben auch Leute versucht, bei uns einzufallen, und wir hatten den Mut, uns dagegen zu wehren. Man kann nicht verhehlen, dass die Energie im Stadion gegen Deutschland teilweise daher kam", sagte Southgate. 

Torhüter mit Laserpointer geblendet

Doch auch solche Fouls wurden noch getoppt. Im Halbfinale wurde der dänische Torhüter Kasper Schmeichel beim Elfmeter von einem Laserpointer geblendet. Der Profi von Leicester City hielt den Schuss zunächst, doch Stürmerstar Kane konnte im Nachschuss verwandeln. Wieder schaltete sich die britische Regierung ein, Staatssekretärin Susan Williams nannte den Vorfall im Parlament "abscheulich" und kündigte polizeiliche Ermittlungen an. Die Uefa wiederum verhängte gegen den englischen Verband die eher milde Strafe in Höhe von 30.000 Euro.

So gut die englische Nationalmannschaft jetzt schon spielen mag und so gut sie bei der Weltmeisterschaft in anderthalb Jahren noch spielen wird – abseits des Spielfelds haben die Anhänger, und damit auch leider ein wenig die "Three Lions" selbst, in wenigen Wochen so gut wie alle Sympathien verspielt.


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