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Deutschlandspiel in der ARD "Wie die Tiere" – Basti und Jessy im Wembley-Taumel

ARD-Reporterin Jessy Wellmer und Experte Bastian Schweinsteiger
ARD-Reporterin Jessy Wellmer und Experte Bastian Schweinsteiger
© Screenshot / Das Erste
Im unteren Tableau warten die leichteren Gegner, hieß es. England gehörte diesmal nicht dazu. Bastian Schweinsteiger und Jessy Wellmer gingen es feierlich an und waren am Ende in Maßen konsterniert. Basti agierte dabei wie die deutsche Mannschaft: Engagiert, aber uneffektiv.
Von Ingo Scheel

Jogi’s going home. Ausgemüllert. Das war es für die deutsche Fußball-Nationalmannschaft, mit 2:0 hatten Sterling, Kane & Co. am Ende die Nase vorn. Die Mär von den leichteren Gegnern in der unteren Auslosungshälfte hatte schon beim allzu willfährigen Bekunden der Experten vor einigen Tagen ein dezentes Vorab-Gruseln ausgelöst. In Wembley nun wurde sie pulverisiert. Normalform reichte an diesem Abend nicht. So ein bisschen galt das auch für die Spielfeldrand-Twins Jessy Wellmer und Bastian Schweinsteiger.

Jessy Wellmer hat sich Bastian Schweinsteiger angepasst

Dabei kann man es, auch das eine Parallele zur deutschen Mannschaft, gar nicht so richtig festmachen, woran es eigentlich hapert beim Basti. Vielleicht ist es der allzu große Hang zum Allgemeinplatz? Stating the obvious, so heißt es bei den Engländern. Das Offensichtliche benennen, so könnte man es übersetzen. Andere Leute würden Binsenweisheit dazu sagen. Timo Werner kann mit seiner Schnelligkeit Akzente setzen. Der nasse Platz macht den Ball schneller. Das Wetter verändert das Spiel. Da geht es ums Nadelstiche setzen, ums Zirkulieren und Ablaufen. Vorn fehlt ein quirliger Spieler. Analyse-Häppchen aus einer Zeit, da Waldi Hartmann sich noch in Mottram Hall das Weizenbier aus dem Schnauzer strich.

Und seine Kollegin, Jessy Wellmer? Der ist über die letzten Wochen ebenso der Puls abgesunken. War sie noch mit einiger Fulminanz und Freude ins Turnier gestartet, hat die ARD-Expertin sich so nach und nach an Bastis langen, ruhigen Fluss angepasst. Schon vor dem Spiel war da die Frage gestellt worden, wie sicher Jogi dem Basti vorkam, worauf der etwas von "sehr siegessicher" mutmaßte – nicht nur mit Blick auf den Ausgang eine Fehlinterpretation. Auch das Halbzeit-Ping-Pong mit "Ein Tor würde ihm helfen" (Basti) und "Ein Tor würde vielen helfen" (Jessy) der perfekte Anlass, um das Viertelstündchen statt vor dem TV lieber am Grill auf dem Balkon zu verbringen, um die Bratwurst zu wenden und Bier aus dem Eimer mit dem Eiswasser zu holen.

Auch die Idee, Basti zwischendurch nochmal ins Spiel reinzuschalten, bot nicht eben Erhellendes. Den Ball nach vorn, dann können wir auch ein Tor schießen – das sind natürlich Einschätzungen, die man ebenso gut über ein Losverfahren oder per Zuschauer-SMS einspielen könnte.

Die unnehmbare Hürde aber lauerte am Ende, hatte die deutsche Mannschaft doch nicht nur nicht gewonnen, sondern mit Löws last Farewell auch noch jede Menge historische Schwere zu bieten. Ein Gewicht, unter dem das rhetorische Syndesmoseband und die empathischen Adduktoren schon mal ächzen, das war auch der ARD-Doppelspitze anzumerken.

Gingen die beiden zunächst noch dem Anlass angemessen trauerumflort zu Werke, zerfloss das dann binnen drei, vier Halbsätzen. Erst kämpfte Manu Neuer sich vorm Mikro durch Tonprobleme und Stadionlärm. Überhaupt die Atmosphäre: "Wie die Tiere", so hätten sich die Engländer um ihn herum gefreut, verhob sich Bastian Schweinsteiger am biologischen Querverweis.

"Ende gut, alles gut"? Eher nicht

Schlussendlich stellte sich auch noch ein – wer wollte es ihm verdenken – sichtlich angeknackster Beinahe-Schon-Ex-Bundestrainer vors plastikfolierte Mikro. Wie greifen Sie das Gefühl, wollte Jessy Wellmer da wissen, streute mit einem gehauchten "Bereuen Sie was?" noch Enthüllungsduseleien ein und stellte die absurde Frage, ob denn nun "Ende gut, alles gut" das Fazit lauten könnte?

Eher nicht, das wurde dann selbst der Fragerin selbst klar. Und Basti? Der brachte tatsächlich noch einmal die deutschen Tugenden ins Spiel, munkelte, dass Jogi Löw das Spiel "gern gewonnen hätte" und klang beim Schlusswort dann für einen Augenblick, einen ganz, ganz kurzen Moment, fast, aber nur fast, wie Almuth "Das Skalpell" Schult: "Die Engländer wirkten geiler."

wue

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