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EM-Qualifikation: Litauer planen nächsten Coup gegen Vogts

Nach dem Unentschieden gegen Deutschland wollen die Kicker aus dem Baltikum nun auch den Schotten zeigen, dass man sie nicht unterschätzen sollte.

Sie feierten das 1:1 wie einen Sieg, doch nach dem Husarenstreich von Nürnberg wollen Litauens Fußballer in ihrer Heimat nicht nur Helden für einen Tag sein. Nach dem Vize-Weltmeister sollen am kommenden Mittwoch im heimischen Kaunas auch die von Berti Vogts trainierten Schotten ihr blaues Wunder erleben. "Wir wollen gewinnen gegen Schottland. Einen Punkt holen wir sicher", tönte der ehemalige Bundesliga-Profi und neue litauische Assistenztrainer Valdas Ivanauskas. Auch der neue Chefcoach Algimantas Liubinskas genoss seinen gelungenen Einstand in vollen Zügen und versprach dem geknickten Rudi Völler nachzulegen: "Wir wollen Deutschland helfen."

Der Sieg im Kopf

Für das kleine Litauen war der 29. März 2003 ein großer Tag. "Die ganze Nation hat auf uns geschaut", bemerkte Ivanauskas stolz. Der Ex-Profi des Hamburger SV, der mit seiner Familie immer noch in Deutschland lebt, heftete sich den Erfolg an die eigene Brust. "Ich habe gezeigt, dass ich der Richtige für Litauen bin", verkündete der 36-Jährige nach dem Schlusspfiff. "Die Spieler haben in den drei Tagen unseres Beisammenseins meine Brutalität beim Training und in der Disziplin schon erlebt", bemerkte "Ivan der Schreckliche".

Für Liubinskas war der Punktgewinn in erster Linie "Kopfsache". Er meinte: "Die Motivation unserer Spieler war einfach einmalig." Der Außenseiter trotzte widrigsten Umständen: Erst drei Tage vor dem Spiel kamen das neue Trainergespann und die Mannschaft erstmals zusammen. Zudem fielen mehrere Leistungsträger verletzt aus aus. "Unsere Abwehr hat heute zum ersten Mal zusammengespielt", berichtete Liubinskas und stellte damit indirekt der deutschen Elf ein noch schlechteres Zeugnis aus.

"Wir haben hinten super gestanden und auf unsere Chance gewartet", sagte Gintaras Stauce. Der ehemalige Torhüter des MSV Duisburg war der gefeierte Mann im litauischen Team, auch wenn Tomas Razanauskas in der 73. Minute das Ausgleichstor schoss. "Was Stauce gehalten hat, war unglaublich", lobte Ivanauskas. "Wenn er am Anfang, als die Deutschen sehr gut gespielt haben, nicht das 0:2 verhindert hätte, kriegen wir hier drei oder vier Stück."

Hochachtung auf beiden Seiten

Nach dem frühen Rückstand wuchs das Selbstbewusstsein der Litauer von Minute zu Minute, der Respekt schwand. "Das ist eine abgezockte Truppe", bekannte DFB-Stürmer Fredi Bobic beeindruckt. "Schon zur Halbzeit haben wir gesagt, wir machen ein Tor", sagte Liubinskas, der noch vor dem nächtlichen Rückflug nach Litauen neue Ziele steckte: Erst Schottland schlagen - dann Zweiter in der Gruppe werden.

Der erste Platz und damit die Direkt-Qualifikation für Portugal bleibt aus litauischer Sicht für die Deutschen reserviert, wie Ivanauskas versicherte: "Deutschland wird bei der Europameisterschaft dabei sein. Die Mannschaft ist einfach zu stark in dieser Gruppe."

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