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Früherer Bundesligist: Energie Cottbus sorgt für Medien-Eklat und wird heftig kritisiert

Bei Ex-Bundesligist Energie Cottbus liegen die Nerven blank. Auf sportlichen Niedergang und hohe Schulden folgt nun ein Medienskandal. Die Vollversammlung schloss den TV-Sender rbb aus. Das wird als Eingriff in die Pressefreiheit scharf kritisiert.

Fans von Energie Cottbus fühlen sich in den Medien oft falsch dargestellt

Fans von Energie Cottbus fühlen sich in den Medien oft falsch dargestellt

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Der frühere Bundesligist Energie Cottbus hat mit einigen Problemen zu kämpfen. Mittlerweile ist der Verein aus der Lausitz nach dem Abstieg im Mai nur noch viertklassig. Der sportliche Niedergang geht mit einer finanziellen Krise einher. Und seit dem vergangenen Freitag kommt ein handfester Eklat hinzu, der die Stimmung rund um das Stadion der Freundschaft kaum verbessern dürfte.

Auf der Mitgliederversammlung sollte es eigentlich um die Zukunft des Clubs gehen, aber sie wurde überstrahlt von einer zweifelhaften Entscheidung: Per Abstimmung schlossen die Mitglieder die Journalisten vom Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb) aus, während andere Medienvertreter von der Vollversammlung berichten durften. Die Kollegen der "Lausitzer Rundschau" zeigten sich allerdings solidarisch mit den rbb-Kollegen und verließen ebenfalls den Saal. Am nächsten Tag druckte die "LR" nur weißes Papier anstelle des Artikels über die Mitgliederversammlung.

Zusätzlich kommentierte der Chefredakteur der "LR", Oliver Haustein-Teßmer, in der Samstagsausgabe: "So zu selektieren ist unüblich und unprofessionell. Die kleinkarierte Abstimmung ist eines angesehenen Clubs unwürdig“. Auf Facebook hatte er die Vereinsmitglieder am Freitag gar als "mehrheitlich dumpfbackig" bezeichnet, wofür er sich am Montag in einem Kommentar entschuldigte und die Beteiligten aufforderte, wieder miteinander ins Gespräch zu kommen. Der Vorsitzende der Landespressekonferenz von Brandenburg, Benjamin Lassiwe, sprach von einem Eingriff in die Pressefreiheit.

Club-Führung versucht Spagat zwischen Medien und Anti-Stimmung

Die Club-Führung versuchte in einer Reaktion auf den Eklat den Spagat zwischen der Mehrheitsmeinung im Verein und einem professionellen Umgang mit kritischen Medien: Präsident Werner Fahle ließ mitteilen, die Club-Verantwortlichen hätten kein Problem mit der Anwesenheit der Journalisten. Aber: "Letztlich ist für uns das satzungskonforme Votum der Vereinsmitglieder bindend und durch alle zu akzeptieren", hießt es in einer Pressemitteilung.

Der Eklat um die rbb-Journalisten wirft ein Licht darauf, wie gereizt man mittlerweile im Verein und unter den Anhängern auf kritische Medien reagiert. Die gängige Auffassung lautet, Medien wie der rbb würden sich zu sehr auf das Problem mit Rechtsextremisten unter den Fans konzentrieren. In der Wahrnehmung von Mitgliedern und Anhängern wird das aber nur als ein Randphänomen gesehen.

Sportlicher Niedergang und Schulden belasten den Verein

Verstärkt wird die schlechte Stimmung beim früheren Ersligisten durch den sportlichen Niedergang und die enormen Schulden. Den Verein belasten Verbindlichkeiten in Höhe von 5,9 Millionen Euro, das Geschäftsjahr 2018 endete mit einem Fehlbetrag von 737.000 Euro. Aber es gibt auch Hoffnung: In der ersten Runde des DFB-Pokals wurde den Lausitzern der FC Bayern München zugelost. Das garantiert Anfang August ein volles Stadion. Zusätzlich haben Borussia Dortmund und Union Berlin Benefizspiele zugesagt, die ebenfalls zusätzliches Geld in die Kassen spülen werden.

Quellen: "sport1.de", "Lausitzer Rundschau", "rbb", "B.Z."

tis

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