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BVB-Maschine Der Büffel mit dem Milchgesicht – eine Liebeserklärung an Erling Haaland

Hat eine wahnsinnige Torquote: BVB-Stürmer Erling Haaland
Hat eine wahnsinnige Torquote: BVB-Stürmer Erling Haaland
© Ina Fassbender / various sources / AFP
Dortmunds Leistungen in dieser Saison schwanken stark. Einer aber liefert immer ab. Sturmtank Erling Haaland ballert sich von Rekord zu Rekord – und erobert mit seiner Art die Herzen der Fans.

"Haaland büffelt sich da so durch", kommentierte Sky-Moderator Wolf-Christoph Fuß gestern Abend. Es gibt wohl kein besseres Wort, um den BVB-Stürmer zu beschreiben. Erling Haaland büffelt über den Platz, er büffelt sich durch die Abwehr, er büffelt sich von Treffer zu Treffer. Denn der 20-jährige Norweger ist keiner, der mit Zauberfüßen geboren, dem die Hochbegabung in die Wiege gelegt wurde. Haaland ist ein Malocher. Natürlich hat er auch Talent. Aber das ist bei ihm nicht das entscheidende. Haaland ist da, wo er heute ist, weil ihm der unbändige Bock auf dieses Spiel aus jeder Pore strahlt, wenn er auf dem Platz steht.

So wie gestern beim vermeintlichen 2:0 des BVB in der Champions League. Per Doppelpass drang er in den Strafraum vor, ein Sevilla-Verteidiger schob sich ihm in den Weg und wurde, nun ja, überrollt. Den anschließenden Treffer gab der Schiedsrichter nicht. Haaland hatte nicht gezogen oder geschubst, er war einfach weiter gelaufen, wie Haaland eben läuft. Der Verteidiger hatte sich vor ihn geschoben und war zu Boden gegangen. Eine zumindest fragwürdige Entscheidung.

Erling Haaland und der unbändige Wille

Was Haaland so besonders macht, wurde bereits im September noch besser verdeutlicht, bei seinem 3:0-Treffer gegen Gladbach. Nach einer Ecke der Gäste stapfte Haaland mit diesen riesigen, ungelenk wirkenden Schritten im Vollsprint über den gesamten Platz – nein, er flog. Tatsächlich ist er bei den Messungen von Sky regelmäßig der schnellste Spieler des Spiels. Gegen Gladbach sah es in der Wiederholung aus, als hätte man nur ihn vorgespult bei seinem Sturm von Tor zu Tor. Sancho passte im genau richtigen Moment und Haaland hob den Ball gefühlvoll über Keeper Sommer ins Tor. Selten habe ich so viel Willen, so viel Spielfreude in einem Kicker gesehen.

Und genau das ist es, was ihn in Dortmund so beliebt macht. Natürlich haben es erfolgreiche Torjäger bei den Fans immer leicht. Aber Haaland ist ein Arbeitstier, ein Energiebündel, einer, der immer alles gibt. Sowas mag man im Pott besonders. 

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Dabei scheint er auch stets Spaß zu haben. Ich weiß nicht, ob es sein kindliches Gesicht ist, aber Haaland wirkt immer, wie ein neunjähriger Junge, gefangen im Körper eines zwei Meter großen Wikingers. Er springt über den Platz vor Freude, er wirft seine Mitspieler fröhlich in die Luft, er hat ständig dieses leicht wahnsinnige Grinsen im Gesicht. Auch wenn es unheimlich abgedroschen klingt: Es ist einfach eine Freude, ihn Fußball spielen zu sehen.

Haaland eilt von Rekord zu Rekord

Haaland ist zudem, anders als viele seiner Torjäger-Kollegen, extrem mannschaftsdienlich. So legte er etwa Passlack und Reinier ihre ersten Tore im BVB-Dress auf. Beide hatten vorher keine leichte Zeit, beide brauchten diesen Treffer mehr als er und beide Male hätte er auch selbst abschließen können. Treffen seine Teamkollegen, geht Haaland im Bildanschnitt oft vor Freude fast so ab, wie bei seinen eigenen Toren. Haaland brennt für den Erfolg des Teams und nicht für seinen persönlichen. Das ist bei vielen eine Phrase, bei ihm ist es gelebte Realität. 

Der persönliche Erfolg kommt dabei natürlich keineswegs zu kurz. Nahezu jede Woche stellt er neue Rekorde auf. Mit seinem Doppelpack gegen Sevilla ist er der erste Spieler, der in vier aufeinanderfolgenden Champions-League-Spielen jeweils doppelt traf. Zudem hat er nun 20 Treffer in 14 Partien in der Königsklasse, ebenfalls Rekord. Zum Vergleich: Ein Cristiano Ronaldo brauchte 56 Partien für diese Anzahl von Toren. Für den BVB hat Haaland in dieser Saison in 29 Spielen 31 Tore geschossen, dazu acht Assists. Er ist schnell, zweikampfstark und kompromisslos. Oft sucht er mit dem ersten Ballkontakt den Torabschluss und nicht selten findet er dabei das Netz.

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Haaland ist schlicht eine Maschine, er ist die Lebensversicherung des BVB. Nicht auszudenken, wo der Verein in dieser schwankenden Spielzeit ohne seinen Goalgetter wäre. Sicher nicht im Viertelfinale der Champions League, das allen voran er mit vier Toren in zwei Spielen gegen Sevilla sicherte.

Natürlich weiß man auch beim BVB, dass man ihn nicht ewig wird halten können. Real Madrid soll bereits die Fühler ausgestreckt haben. Aber vielleicht kann man ihn ja noch ein weiteres Jahr für Dortmund begeistern. Dafür aber braucht man wohl dringend die Teilnahme an der Champions League. Die ist derzeit akut gefährdet – allerdings nicht wegen Haaland. Der büffelt weiter für dieses Ziel.

Quellen:  Transfermarkt


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