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Erste Hauptrunde im DFB-Pokal: Klein gegen groß - mal 32

Aufgalopp im Profifußball: Die 18 Bundesligisten hoffen in der ersten Hauptrunde des DFB-Pokals, dass dieser heuer nicht seine eigenen Gesetze hat - vor allem die Bayern und der HSV.

Von Dirk Benninghoff

Mit der ersten Hauptrunde im DFB-Pokal startet der deutsche Spitzenfußball am Freitagabend in die neue Saison. Im Blickpunkt wie jedes Jahr: die Duelle "klein gegen groß".

Bei einem der 32 Spiele heißt es "ganz klein gegen ganz groß". Wenn der Fünftligist Germania Windeck gegen den Champions-League-Finalisten FC Bayern München (Montag, 18 Uhr) antritt, wird Spannung nicht garantiert sein. Der Verein aus dem nordrhein-westfälischen Rhein-Sieg-Kreis hatte schon bis Donnerstagabend mehr als 32.000 Eintrittskarten verkauft. Allein in der 20.000-Einwohner-Gemeinde Windeck selbst gingen über 10.000 Tickets über den Tisch, sagte Geschäftsstellenleiter Willi Willmeroth der Nachrichtenagentur DPA. So viele Menschen nimmt der Sportpark Germania in Windeck allerdings nicht auf.

Der Underdog spielt daher im Rhein Energie Stadion in Köln. Germania-Präsident Heinz Georg Willmeroth glaubt nicht daran, so etwas noch mal zu erleben und bezeichnet das Aufeinandertreffen mit den Bayern als "Jahrtausendspiel". Wozu ein Landespokalsieg gegen den VfL Alfter alles gut sein kann... 2009 war Köln für den Club mit dem deutschen Namen übrigens kein gutes Pflaster. 0:4 gegen Schalke 04 hieß es - ebenfalls in Pokalrunde 1. Die Bayern selber nehmen Windeck im Vorbeifahren mit und spielen zwei Tage vorher noch gegen Real Madrid.

Party in der "Fußball-Wüste"

Ähnlich ungleich wirkt das Match des Oberligisten mit dem wundervollen Namen Torgelower SV Greif, der am Sonntag den Hamburger SV zu Gast hat, dafür aber nicht nach Rostock oder anderswohin in Mecklenburg-Vorpommern ausweicht. 8000 Zuschauer erwartet der Verein aus der "Fußball-Wüste", wie der Sportinformationsdienst die durch den Abstieg von Hansa Rostock gebeutelte Region nennt. Dabei hat der Ort selbst nur exakt 9143 Einwohner. Fünft- gegen Bundesligist: Auch in Torgelow geht es eigentlich nur um die Ehre. Noch weniger Einwohner als in der Stadt in Vorpommern wohnen in Heeslingen: Der TuS ist der einzige wirkliche Dorfverein, der im DFB-Pokal an den Start geht. Er spielt am Sonntag gegen Zweitligist Energie Cottbus.

Zwei andere Fünftligisten rüsten sich für ihren Saisonhöhepunkt, der bei beiden aber wohl nicht unter "Jahrtausendspiel" firmiert. Der FK Pirmasens hat ganz früher mal in der 2. Liga gespielt und scheiterte 1975 nur knapp am Bundesliga-Aufstieg. Außerdem hat "die Klub", wie die Fans den FK nennen, 2006 Werder Bremen aus dem Pokal geschmissen. Da lässt man sich nach starkem Ligastart von Bayer Leverkusen am Samstag nicht aus der pfälzischen Ruhe bringen. Der AK aus Berlin-Wedding schließlich empfängt Mainz 05.

Spielt Ailton?

Eine Personalie macht den Blick nach Oberneuland lohnenswert. Bei dem Bremer Stadtteilverein aus der vierten Liga könnte gegen Bundeligist SC Freiburg Neueinkauf Ailton zum Einsatz kommen, sitzt aber möglicherweise nur auf der Bank.

Darüber hinaus hat die erste Pokalrunde auf dem Papier wenig zu bieten. Erstligisten dürfen sich in der ersten Runde noch nicht gegenüber stehen. Das schließt das Reglement aus. So finden die Duelle der Zweitligaaufsteiger VfL Osnabrück und Erzgebirge Aue mit den Bundesligsten Kaiserslautern und Mönchengladbach noch am ehesten auf Augenhöhe statt.

Bristant könnte es abseits des Platzes in Chemnitz werden, wo die politisch deutlich anders gearteten Fans des FC auf die des FC St. Pauli treffen. Im April 2006 hatte es beim letzten Aufeinandertreffen in Liga 3 mächtig Randale am Hamburger Millerntor gegeben. 2000 Pauli-Fans fahren nach Chemnitz. Sportlich erwartet Holger Stanislawski, Trainer des Hamburger Erstligaaufsteiger, pflichtgemäß ein "unangenehmes" Spiel gegen den Viertligisten.

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