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Handball-EM 2018: Videobeweis rettet die "Bad Boys": Deutsche Handballer vorzeitig in Hauptrunde

Happy End in letzter Sekunde: Nach einem Videobeweis zugunsten der "Bad Boys" konnten die Deutschen Handballer gegen eine starke Mannschaft aus Slowenien ausgleichen. Titelreif war die Leistung gegen den WM-Dritten aber ganz und gar nicht.


Handball-EM 2018: Videobeweis rettet die "Bad Boys": Deutsche Handballer vorzeitig in Hauptrunde

Hitzige Partie bei der Handball-EM 2018: Deutschlands Uwe Gensheimer (l.) wirft auf das Tor von Sloweniens Urban Lesjak

Nach dem Happy End in letzter Sekunde stürmten die deutschen Handballer auf Tobias Reichmann zu und feierten den späten Helden eines spektakulären Spiels. Mit einem verwandelten Siebenmeter warf der Rechtsaußen von der MT Melsungen den Titelverteidiger am Montag in Zagreb zum 25:25 (10:15) gegen den WM-Dritten Slowenien und damit vorzeitig in die EM-Hauptrunde.

Mit nun 3:1-Punkten ist die Mannschaft von Bundestrainer Christian Prokop nicht mehr von einem der ersten drei Plätze der Gruppe C zu verdrängen und kann für die nächste Turnierphase planen. Bester Werfer gegen die starken Slowenen war erneut Kapitän Uwe Gensheimer mit sieben Treffern. Mit einem weiteren Sieg im letzten Gruppenspiel am Mittwoch (18.15 Uhr/ARD) würde die DHB-Auswahl mit einer ordentlichen Punkteausbeute nach Varazdin reisen. Titelreif war die Leistung gegen die Slowenen aber ganz und gar nicht.

Videobeweis führt zu Siebenmeter in Schlussphase

In der turbulenten Schlussphase traf Paul Drux zunächst zum 24:24, sechs Sekunden vor Ende gingen die Slowenen erneut in Führung und jubelten dann schon über den Sieg. Allerdings behinderten sie danach am Mittelkreis den deutschen Anwurf. Die beiden Schiedsrichter aus Litauen schauten sich minutenlang das Video an und gaben Siebenmeter sowie Rot für den Slowenen Blaz Blagotinsek. Reichmann behielt die Nerven und schaffte noch den Ausgleich in hitziger Atmosphäre.

Zwar war die Arena in Zagreb auch diesmal nicht ansatzweise voll, die Stimmung aber eine ganz andere. Im Gegensatz zum lockeren Auftaktsieg gegen Montenegro (32:19) pfiffen die slowenischen Fans das DHB-Team bei jeder Aktion lautstark aus, was den Europameister überraschend stark verunsicherte. Selbst dem erfahrenen Kapitän Gensheimer versagten in der Anfangsphase die Nerven, als er mit gleich zwei Siebenmetern innerhalb kurzer Zeit an Slowenen-Keeper Urban Lesjak scheiterte. Nach etwas mehr als einer Viertelstunde lag Prokops Team bereits mit vier Toren zurück (3:7).

"Wir haben unsere Chancen nicht genutzt"

Probleme bereitete dem Titelverteidiger nicht nur die aggressive Abwehr der Slowenen, sondern auch deren flinker Spielmacher Miha Zarabec vom THW Kiel. Mit einfachsten Körpertäuschungen hebelte der 1,77 Meter kleine Zarabec die gegen Montenegro noch überzeugende DHB-Abwehr immer wieder aus. Zudem erwischte Torhüter Andreas Wolff einen alles andere als guten Tag. Lediglich acht Prozent der Würfe parierte er im ersten Durchgang. Schon in der 21. Minute brachte Prokop Silvio Heinevetter für den enttäuschenden Wolff, der fluchend das Feld verließ. Besserung brachte aber auch dieser Wechsel nicht, zur Pause lagen die Slowenen sogar mit fünf Treffern in Front. 

Erstaunlich war nicht nur, wie sehr sich die DHB-Auswahl von der hitzigen Stimmung, sondern auch von der Aggressivität des WM-Dritten verunsichern ließ. Der von Prokop bevorzugte Mittelblock aus Hendrik Pekeler und Patrick Wiencek bekam keinerlei Zugriff auf die Angriffsbemühungen der Slowenen. Auch Julius Kühn oder Bastian Roscheck überzeugten nicht. Und auch im Abschluss scheiterten Gensheimer und Co. etliche Male an ihren Nerven. "Wir haben unsere Chancen nicht genutzt, zwei Siebenmeter und einige andere freie Würfe verballert", sagte der Linksaußen in der Pause der ARD.

Viel besser wurde es aber auch im Anschluss nicht. Zwar verwarfen die DHB-Spieler nicht mehr so viele einfache Bälle und schafften in Überzahl eine Aufholjagd und den Ausgleich. Doch die Slowenen hielten den Druck auf Prokops Team permanent aufrecht. Erst spät kam der Europameister ran und ging nach 51 Minuten erstmals in Führung. Mit dem glücklichen Punkt war das deutsche Team am Ende bestens bedient.

fs/Nils Bastek und Eric Dobias / DPA

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