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Euro 2004: Zidane rettet Frankreich

Mit einem Doppelschlag von Zinedine Zidane in den letzten Minuten gewann Frankreich gegen England mit 2:1. David Beckham hatte mit einem verschossenen Foulelfmeter die Vorentscheidung verpasst.

Zinedine Zidane hat Titelverteidiger Frankreich mit einem denkwürdigen Schlussakkord vor einem kapitalen Fehlstart in die Fußball-Europameisterschaft bewahrt. Mit seinen Treffern in der ersten und dritten Minute der Nachspielzeit per Freistoß und Foulelfmeter bescherte der Superstar der "Equipe Tricolore" am Sonntagabend den schmeichelhaften 2:1 (0:1)-Sieg über England.

Frank Lampard (38.) hatte die Briten vor 65 000 Fans im ausverkauften Estadio da Luz in Führung gebracht. Die Franzosen blieben damit auch im 19. Spiel in Serie unbesiegt, während das unter Wert geschlagene Team von der Insel weiter auf seinen ersten Sieg in einem EM- Auftaktspiel wartet. Zur tragischen Figur wurde England-Ass David Beckham, der einen Strafstoß und damit die Chance zum 2:0 vergab.

Kampfbetonte Partie

"Wir haben 89 Minuten toll gefightet und großen Fußball geboten, um das Spiel zu gewinnen. Hätte ich den Elfmeter verwandelt, bin ich mir sicher, hätten wir gesiegt", sagte Beckham enttäuscht nach dem Schlusspfiff. Teammanager Sven-Göran Eriksson ergänzte: "So ist Fußball. Anscheinend hatten wir es heute nicht verdient."

Gleich nach Anpfiff durch den souveränen deutschen Referee Markus Merk (Kaiserslautern) entwickelte sich zwischen beiden Erzrivalen eine kampfbetonte Partie. Die Franzosen benötigten einige Zeit, um gegen die robusten Briten halbwegs ihren Rhythmus zu finden. Nur zeitweilig trat die ballsichere Mittelfeldreihe um Zidane, der in seinem 90. Länderspiel Marcel Desailly als Kapitän vertrat, und Robert Pires positiv in Erscheinung. Sofort stellten sich eine optische Überlegenheit und einige gute Einschussmöglichkeiten ein. Zidane (13.) per Distanzschuss, David Trezeguet (15.) mit einem Kopfball und Claude Makelele (19.) zielten dabei aber zu ungenau.

Lamparert-Tor nach perfekter Beckham-Flanke

Die defensiv bärenstarken Engländer, bei denen Ledley King für John Terry (verletzt) in der Innenverteidigung zum Zuge kam, traten bis dahin vor des Gegners Tor kaum in Erscheinung. Das lag vor allem daran, dass von Beckham lange nichts zu sehen war. Der hatte vor dem Spiel noch getönt, Frankreich möge die besseren Einzelspieler haben, England dafür aber die bessere Mannschaft. Und die konnte mit den rund 40 000 von der Insel angereisten Fans gleich nach der ersten Chance jubeln. Nach einem perfekt getimeten Beckham-Freistoß stellte ausgerechnet Zidanes Gegenspieler Lampard mit einem sehenswerten und unhaltbaren Kopfballtreffer den Spielverlauf auf den Kopf. Es war das erste Gegentor für die "Blauen" nach 1078 Minuten.

Nach Wiederanpfiff verstärkte der EM-Champion seine Angriffs- Bemühungen, wirkte dabei aber weder entschlossen noch überlegt. Lampard engte die Kreise des zwar bemühten, aber auch nicht immer glücklich agierenden Zidane weiter wirkungsvoll ein, und Paul Scholes sorgte für Entlastung. Hinzu kam Glück, dass Merk bei Gary Nevilles Abwehr an der Strafraumgrenze nach Henry-Flanke nicht auf Handspiel entschied (51.). Nach einem Konter und Foul von Silvestre an Rooney hatte Beckham die Chance zur Entscheidung. Doch Fabien Barthez wehrte den Foulelfmeter glänzend ab (73.).

In der Schlussphase fiel dem abbauenden Titelverteidiger eigentlich nichts Produktives mehr ein. Doch mit dem von englischen Ungeschicklichkeiten begünstigten Doppelschlag in der Nachspielzeit kamen die Franzosen noch zum nicht mehr für möglich gehaltenen Sieg.

Gerd Münster, dpa / DPA

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