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Europa League: Hannover unterliegt Atletico mit 1 -2

Vor gar nicht allzu langer Zeit war Atletico noch die Schießbude der Primera Division. Gegen Hannover bewiesen die Spanier, dass sie viel gelernt haben und defensiv zu Europas Spitze gehören. Hannover kam zu einer einzigen Chance. Diese nutze 96 zwar, doch am Ende hieß es dennoch 1:2.

Wie im Hinspiel musste Hannover 96 nach neunzig Minuten anerkennen, dass die Trauben für das Halbfinale ein wenig zu hoch hängen. Mit dem gleichen Ergebnis wie aus der ersten Partie, einem 1:2 (0:0), verabschiedete sich die Elf von Mirko Slomka von der internationalen Bühne.

Die Partie war arm an Chancen, da Hannover kein Mittel gegen die sehr stabile Deckung der Spanier, die als eine der besten Europas gilt, fand. Auch das vermeintlich erfolgversprechende Setzen auf Standards brachte nicht den gewünschten Erfolg. Trotzdem fielen drei Treffer, da beide Seiten ihre Chancen konsequent nutzten. Adrian Lopez' Treffer (63.) glich Mame Diouf (81.) spät aus. Falcao sorgte drei Minuten vor dem Ende für die Entscheidung.

Atletico muss auf drei Kräfte verzichten

Mirko Slomka und seine Elf mussten eine 1:2-Niederlage aus dem Hinspiel wettmachen. Der Trainer konnte nicht auf den verletzten Lars Stindl zugreifen, den angeschlagenen Manuel Schmiedebach setzte er erst einmal auf die Bank. Didier Ya Konan sollte an der Seite von Mame Diouf in vorderster Reihe für Druck, Christian Schulz auf der Sechs für den entscheidenden Treffer sorgen, denn Slomka spekulierte vor dem Anpfiff auf die Stärke des Routiniers bei Standards.

Die Gäste beklagten nach dem Hinspiel drei Gelbsperren. Juanfran, Gabi und Arda Turan mussten deshalb ersetzt werden. Trainer Diego Simeone reagierte und brachte Tiago im Mittelfeld sowie Luis Perea in der Abwehr von Beginn an. Außerdem betrat mit Diego ein Mann den Rasen, der die Bundesliga aus Bremer und Wolfsburger Zeiten sehr gut kennt.

Die Fans zollten schon vor dem Anpfiff ihrer Elf mit einer riesigen Choreografie in den Clubfarben Respekt für eine großartige Europapokal-Saison. Natürlich war die Arena ausverkauft. Das Publikum sollte sein Kommen nicht bereuen, denn sie sollten eine der besten Defensivreihen Europas sehen. Auch, dass ihre Lieblinge in den Auswärtstrikots auftreten mussten, da Atleticos bei der UEFA gemeldete Trikotsätze den weinroten Heimhemden zu ähnlich waren, dämpfte die Stimmung nicht.

Die Gastgeber hoffen auf Standards

Hannover drängte von Beginn an und kam auch zu einigen Standards. Doch in den ersten zwanzig Minuten präsentierte sich die Deckung der Spanier sowohl bei Freistößen aus dem Halbfeld als auch bei Eckbällen sehr stabil. Als Diego der Ball versprang - nach einem mangelhaften Zuspiel von Mario Suarez -, eilte Ya Konan in der 24. Minute mit großen Schritten, begleitet von einem Mitspieler und vier Verteidigern, in Richtung Tor. Doch an der Strafraumgrenze brachte er nur einen nicht zu identifizierenden Ball zustande. Torschuss oder Zuspiel war de Frage, die von Außen nicht zu beantworten war.

Mit zunehmender Spielzeit wurden die Gäste mutiger. Doch Schulz klärte bei einer Flanke von Adrian Lopez per Kopf vor dem anvisierten Falcao. Obwohl das Tempo in der Partie hoch war, sprang in der ersten halben Stunde für keine Seite eine Torchance heraus. Auch bei einem Kopfball von Adrian Lopez nach einer exakten Diego-Flanke winkte Ron-Robert Zieler früh ab.

Das Bild änderte sich bis zum Pausenpfiff nicht. Beide Seiten standen sicher, Hannover riskierte nicht allzu viel. Pander trat weiterhin Freistöße, die allesamt beim Gegner landeten. So ging es mit einem torlosen Remis in die Kabinen.

Atletico verteidigt eisern und trifft eiskalt

Mit unverändertem Personal gingen beide Seiten die zweite Hälfte an und auch taktisch änderte sich erst einmal wenig, sprich Hannover fiel gegen die dichtgestaffelte Deckung nichts ein und auch die Freistöße blieben harmlos. Atletico aber gewann zehn Minuten nach Wiederanpfiff zusehends die Kontrolle über die Partie, suchte nun selbst vermehrt den Weg zum Tor, bleib jedoch ebenso ungefährlich.

Vor der Partie hatten die Spanier in 19 Partien lediglich elf Gegentore gefangen. Die frühere Schießbude der Primera Division stellte die Kreativspieler der Niedersachsen vor schwer zu lösende Rätsel. Atletico hingegen stieß eiskalt zu. Pogatetz verlor im Strafraum gegen Adrian Lopez den Ball.

Dieser zog vom Zentrum nach links, legte die Kugel am herausgeeilten Zieler vorbei, ließ auch Pander ins Leere laufen und schoss unbedrängt zur vermeintlichen Vorentscheidung in der 63. Minute ein. Denn nun brauchten die Gastgeber schon zwei Treffer, um überhaupt die Verlängerung zu erreichen.

Hannover gab aber nicht auf. Es war kein Freistoß oder ein Eckball, der zum Erfolg führte. Und doch war es ein Standard. Ein langer Einwurf wurde von Godin unzureichend per Kopf geklärt und landete auf dem Fuß von Diouf, der per Drehschuss aus sieben Metern die erste Chance für die Hausherren überhaupt neun Minuten vor Schluss nutzte.

Falcaos Schuss in den Winkel entscheidet das Duell

Der Treffer gab 96 noch einmal Auftrieb, fehlte doch nur noch ein Tor zur Verlängerung. Angriff um Angriff rollte auf das Tor der Gäste. Ein Konter Atleticos setzte dann aber den Schlusspunkt unter die Europapokalsaison Hannovers. Diego eroberte in Zusammenarbeit mit Adrian Lopez auf rechts den Ball, legte im Strafraum quer zu Falcao, der mit einem mächtigen Hieb in den linken Winkel das Aus der Niedersachsen besiegelte.

Die 96-Fans verabschiedeten ihr Team dennoch mit viel Beifall. Der heutige Gegner war eine Nummer zu groß. Vor allem taktisch hatte Atletico den Niedersachsen einiges voraus. Die Spanier werden im Halbfinale auf den FC Valencia treffen. Hannover wird nun versuchen, in der Bundesliga die Grundlage zu schaffen für eine weitere Saison auf internationaler Ebene. Am nächsten Sonntag geht es zum FC Schalke 04.

Uwe Toebe

sportal.de / sportal

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