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Europa-League-Qualifikation: Frankfurt kommt im Spargang weiter, VfB fliegt engagiert raus

Sein Debut hatte sich VfB-Trainer Thomas Schneider anders vorgestellt: Stuttgart hat gegen Außenseiter Rijeka den Einzug in die Gruppenphase der Europa League verpasst. Die Eintracht machte es besser.

Peinliche Pleite für Stuttgart, Frankfurt freut sich auf Fußball-Festtage: Während sich die Eintracht ohne Glanz und Gloria nach knapp sieben Jahren wieder für die Europa League qualifiziert hat, blamierten sich die VfB-Kicker und vermasselten die Premiere ihres Neu-Trainers Thomas Schneider.

Frankfurt erreichte im Playoff-Rückspiel gegen FK Karabach Agdam im Sparmodus ein 2:1 (1:0) und hofft nun bei der Auslosung an diesem Freitag auf attraktive Gegner. Torjäger Alexander Meier in der 10. Minute und Takashi Inui (75.) erzielten vor 47.000 Fans die Treffer für den UEFA-Cup-Gewinner von 1980, der bereits im Hinspiel mit 2:0 die Oberhand behalten hatte. Der eingewechselte Reynaldo (58.) hatte mit dem zwischenzeitlichen Ausgleich den Schlendrian der Frankfurter bestraft.

Schon vor dem Anpfiff hatten die Fans mit einer beeindruckenden Europacup-Choreographie die Marschrichtung vorgegeben. Die Mannschaft von Trainer Armin Veh blieb diesen Einfallsreichtum auf dem Rasen jedoch schuldig. Drei Tage vor dem Bundesligaduell mit Vizemeister Borussia Dortmund boten die Hausherren mit Ausnahme der stürmischen Startphase nur Magerkost.

Pfiffe weil Frankfurt sich einlullen lässt

Veh änderte seine Startelf gegenüber dem Hinspiel nur auf einer Position. Der in den vergangenen zwei Partien wegen mangelnder Fitness nicht eingesetzte Kapitän Pirmin Schwegler kehrte zurück, dafür rückte Sebastian Rode aus dem defensiven Mittelfeld als zweite Angriffsspitze neben Meier an vorderste Front.

Dieser taktische Schachzug des Trainers zahlte sich schnell aus. Rode flankte von rechts, Meier nahm die Kugel direkt - Tor. Die frühe Führung beseitigte die letzten Zweifel. Frankfurt kontrollierte den Gegner, übertrieb im Gefühl der Überlegenheit jedoch das Ballgeschiebe im Mittelfeld. Zug zum Tor entwickelten die Hausherren kaum noch.

Nach einer halben Stunde gab es erstmals zaghafte Pfiffe in der Arena, weil sich die Eintracht vom aserbaidschanischen Vizemeister förmlich einlullen ließ. Ansatzweise Gefahr ging sogar nur von den Gästen aus, als Vügar Nadirov (27.) erst verzog und zehn Minuten später an Eintracht-Torwart Kevin Trapp scheiterte.

Eintracht kurzzeitig völlig von der Rolle

Nach dem Wechsel kam der Gastgeber elanvoll aus der Kabine. Stefan Aigner hätte den Vorsprung ausbauen können, scheiterte aber an Gäste-Torwart Miro Varvodiv. Wie aus dem Nichts fiel dann der Ausgleich. Reynaldo tauchte frei vor Trapp auf und schob den Ball unhaltbar in die lange Ecke.

Die Eintracht geriet dadurch kurzzeitig völlig von der Rolle und beinahe sogar in Rückstand. Erneut dribbelte sich Reynaldo durch die Abwehr, verzog dieses Mal aber knapp. 60 Sekunden danach konnten die Frankfurter dann aufatmen. Jan Rosenthal tankte sich bis zur Grundlinie durch, seine Hereingabe verwerte Inui per Kopf. Der Rest war für die Veh-Truppe ein Schaulaufen, bei dem sie von den versöhnten Fans für die Rückkehr auf die europäische Fußball-Bühne gefeiert wurde.

Stuttgart bleibt noch ein Fünckchen Hoffnung

Thomas Schneider hat ein misslungenes Debüt als neuer Trainer des VfB Stuttgart hingelegt und mit den Schwaben die Gruppenphase der Europa League verpasst. Der Fußballbundesligist kam bei der Premiere des früheren Jugend-Coaches gegen Außenseiter HNK Rijeka nicht über ein peinliches 2:2 (1:1) hinaus und muss damit nach dem 1:2 im Playoff-Hinspiel voraussichtlich auf millionenschwere Einnahmen aus dem Wettbewerb verzichten. Nur einen einzigen Hoffnungsschimmer haben die Schwaben noch: Sie könnten als Ersatzteilnehmer für das gesperrte Team von Fenerbahce Istanbul per Los nachrutschen.

Vor 30.200 Zuschauern besiegelte Goran Mujanovic das bittere Aus mit seinem Tor in der vierten Minute der Nachspielzeit. Leon Benko hatte die Kroaten nach 30 Minuten in Führung gebracht, der Treffer von Christian Gentner (34. Minute) und das Eigentor von Luka Maric (75.) waren zu wenig für den VfB. Die Aufbruchstimmung unter Schneider ist so schon vor dem ersten Bundesligaspiel gegen Hoffenheim am Sonntag zu großen Teilen verpufft.

Dabei wurde schon beim Blick auf die Aufstellung deutlich, dass sich beim VfB etwas verändert hatte. Im Vergleich zum letzten Spiel unter dem am Montag gefeuerten Bruno Labbadia standen fünf Neue in der Startelf, darunter auch William Kvist. Der Däne war unter Labbadia überhaupt nicht mehr zum Zug gekommen und wurde immer wieder als potenzieller Abgang gehandelt. Im 4-4-2 von Schneider war Kvist gemeinsam mit Ersatz-Kapitän Christian Gentner auf der Doppelsechs unterwegs, das Sturmduo bildeten Cacau und Torjäger Vedad Ibisevic.

VfB erarbeitet sich deutliches Chancenplus

Im roten Trainingsanzug sah Schneider, dass sich die Mannschaft von Beginn an bemühte - und dabei lautstark von den hoffnungsvollen Fans unterstützt wurde. Eine Kombination von Kvist und Martin Harnik in der 5. Minute verpuffte, kurz darauf scheiterte der Österreicher nach einer Vorlage von Cacau aus kurzer Distanz. Auf der Gegenseite hatten die Schwaben Glück, dass Torwart Sven Ulreich blitzschnell reagierte, als Benedikt Röcker eine flache Hereingabe fast ins eigene Tor gelenkt hätte (14.).

Der VfB blieb permanent in der Vorwärtsbewegung und erarbeitete sich ein deutliches Chancenplus, ohne aber ganz klare Möglichkeiten zu erspielen - und wurde dann eiskalt erwischt. Nach einem langen Ball von der Mittellinie fehlte bei Ulreich und Röcker jegliche Abstimmung, der Ball rutsche zwischen beiden hindurch und rollte in Richtung leeres Tor. Leon Benko bedankte sich und erzielte wie im Hinspiel vor einer Woche in Kroatien das 1:0 (30.).

Bevor der Frust aber zu groß werden konnte, brachte Gentner Stuttgart wieder zurück ins Spiel. Eigentlich schon festgelaufen beim Dribbling, chippte der 28-Jährige den Ball nach 34 Minuten kniend über den unsicheren Gästetorhüter Ivan Vargic ins lange Eck - 1:1, der VfB war wieder da.

Nach dem Seitenwechsel kamen die in der Liga noch ungeschlagenen Kroaten wesentlich schwungvoller zurück und setzten den VfB unter Druck. Erneut Röcker erwies sich dabei als Unsicherheitsfaktor und ermöglichte den Gästen immer wieder gefährliche Situationen. Auch der Verein vom Neckar hatte in der munteren Partie gute Gelegenheiten, Traoré aber scheiterte am Pfosten (67.). Davon lies sich der Flügelflitzer jedoch nicht entmutigen und zwang Maric nach 75 Minuten zu einem Eigentor. Die fällige Verlängerung verhinderte Mujanovic mit dem 2:2 - und hinterließ beim VfB große Enttäuschung.

mad/Eric Dobias/Martin Moravec/DPA / DPA

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