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Stuttgarter Kickers Auf Fairplay-Konto eingezahlt: Oberliga-Trainer überredet Spieler zu Eigentor

Kickers-Trainer Ramon Gehrmann bedankt sich bei Lukas Kling
Kickers-Trainer Ramon Gehrmann hatte auch nach dem Spiel noch gut lachen. Kurz vor der Halbzeit hatte er Lukas Kling (links) zu einem Eigentor überredet. 
© Hansjürgen Britsch / Picture Alliance
Ein Eigentor aus 40 Metern sorgte am Samstag in der Oberliga Baden-Württemberg für Aufsehen. Lukas Kling schoss in die falsche Richtung, weil sein Trainer ihn dazu überredet hatte. In der Kabine kam die Fairplay-Geste von Coach Ramon Gehrmann nicht bei allen gut an.

Es ist schon einige Jahre her, als die Stuttgarter Kickers in den Niederungen des deutschen Amateurfußballs versackten. Am Samstagnachmittag meldete sich der Traditionsverein mit einer bemerkenswerten Aktion in Fußballdeutschland zurück. Im Spielbericht der Partie gegen den FC Nöttingen ist in der 45. Minute ein Eigentor vermerkt. Von einem Pechvogel kann man beim Torschützen in diesem Fall aber nicht sprechen. Denn Lukas Kling schoss die Kugel absichtlich aufs Tor seines Keepers – und der ließ den Ball passieren. Doch wie kam es zu dieser kuriosen Aktion?

Absicht oder verstolpert: Kickers-Trainer Gehrmann kulant

In der 44. Spielminute prallt ein Kickers-Spieler bei einem Abwehrversuch unglücklich mit seinem Gegenspieler zusammen. Der Nöttinger bleibt auf dem Rasen liegen. Einer seiner Teamkollegen kommt an den Ball und stolpert ihn ins Seitenaus. Der vermeintlich Gefoulte rappelt sich zwar wieder auf, doch aus dem Einwurf für die Stuttgarter Kickers entwickelt sich ein Konter, den Kickers-Stürmer Christian Gilés zum 2:0 abschließt. So weit so normal.

Doch die Nöttinger Spieler monieren das Gegentor sofort bei Schiedsrichter Jürgen Schätzle. Und berufen sich dabei offenbar auf die ungeschriebene Fußballregel, nach der der Ball an die gegnerische Mannschaft zurückgeht, wenn diese das Spielgerät absichtlich ins Aus befördert hat. "Viele meiner Spieler hatten den Eindruck, der Ball sei versprungen und gar nicht absichtlich ins Aus gespielt worden", versucht sich Kickers-Trainer Ramon Gehrmann später an einer Erklärung. Er habe sich nach dem Tor kurz mit dem Nöttinger Trainer und dem Unparteiischen besprochen – und der Schiri habe ihm versichert, dass es Absicht gewesen sei. Gehrmann beweist Größe und überredet seine Spieler zu einer außergewöhnlichen Aktion. Nöttingen schiebt den Ball vom Anstoß Kickers-Spieler Lukas Kling in den Fuß. Der dreht sich und versenkt die Kugel mit einem Flachschuss aus 40 Metern im eigenen Kasten. Keeper Bromma greift nicht ein.

Katholik Gehrmann bespaßt Journalisten

Laut Trainer Gehrmann stieß seine Geste des Fairplay in der Kabine nicht durchweg auf Verständnis. Und hätten die Schützlinge des 46-Jährigen in Halbzeit zwei nicht noch auf 4:1 erhöht, wären die Interviews nach dem Spiel zweifellos nicht so locker abgelaufen. Schmunzelnd schilderte der Coach in einer Pressekonferenz also den Journalisten die Szene des zwölften Spieltags der Oberliga Baden-Württemberg. Er sei katholisch und da oben gebe es ein Konto, auf das man ein- und auszahlen könne. Dieses Mal habe man etwas eingezahlt und nun hoffentlich wieder ein kleines Guthaben, so Gehrmann.

js / mit DPA

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