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Thomas Tuchel: So tickt der Nachfolger von Jürgen Klopp

Viele Vereine wollten ihn haben, der BVB hat ihn bekommen: Thomas Tuchel wird die Schwarz-Gelben ab kommender Saison trainieren. Warum ist der 41-Jährige so begehrt?

Von Carsten Heidböhmer

Thomas Tuchel trainierte fünf Jahre lang den FSV Mainz 05

Thomas Tuchel trainierte fünf Jahre lang den FSV Mainz 05

Zwar hat er als Trainer einer Profi-Mannschaft noch nie einen Titel geholt, dennoch ist Thomas Tuchel seit Jahren einer der begehrtesten Trainer der Fußball-Bundesliga. Vor einem Jahr wurden dem FC Schalke 04 und Bayer Leverkusen nachgesagt, Interesse an den Diensten des 41-Jährigen zu haben. Später galt lange Zeit als ausgemacht, dass Tuchel nach seinem einjährigen Sabbatical bei seinem einstigen Trainer Ralf Rangnick anheuern und RB Leipzig übernehmen werde. Und bis Mittwoch galt er als der neue HSV-Trainer. Doch der Schwabe wartete so lange, bis das aus seiner Sicht passende Angebot hereinkam. Und das war offenbar der BVB, bei dem er einen Dreijahresvertrag unterschrieb. Was aber machte Tuchel so begehrt, dass ihn zahlreiche Vereine verpflichten wollten?

Seine Zeit als aktiver Spieler endete frühzeitig. Der gelernte Abwehrspieler kickte bei den Stuttgarter Kickers und kam dort auf acht Zweitliga-Einsätze. Später spielte er unter Ralf Rangnick in der Regionalliga Süd beim SSV Ulm, musste jedoch 1998, als der Verein in die Zweite Liga aufstieg, wegen einer Knorpelverletzung seine aktive Laufbahn beenden. Da war er noch keine 25 Jahre alt.

Jungendmeister mit Stuttgart und Mainz

Seine Trainerlaufbahn begann er bei der Jugend vom VfB Stuttgart. 2005 stieg er zum Co-Trainer der U19 auf und wurde im gleichen Jahr Meister der A-Junioren. Sein Trainerdiplom legte er 2006 mit der Note 1,4 ab. Nach einer Zwischenstation beim FC Augsburg trainierte Tuchel 2008 die U19 des FSV Mainz 05, mit denen er prompt die Meisterschaft holte. 2009 berief ihn der Verein dann zum Cheftrainer der gerade aufgestiegenen Profis. Tuchel war damit nicht direkter Nachfolger Jürgen Klopps, der den Verein bereits 2008 gen Dortmund verlassen hatte. Er löste den geschassten Jörn Andersen ab, der mit dem FSV gerade den Wiederaufstieg in die Bundesliga geschafft hatte.

Ähnlich wie Jürgen Klopp beim BVB sorgte Tuchel mit für Furore und führte Mainz 2011 sogar auf den fünften Platz - es war die beste Platzierung, die der Verein je erzielt hat. Allerdings verpasste der FSV die Qualifikation zur Gruppenphase der Europa-League.

"Nerd aus Mainz"

Wie Jürgen Klopp steht sein Nachfolger für erfrischenden Angriffsfußball, der auf hohes Tempo setzt. Doch Tuchel ist taktisch um einiges variabler als Klopp. Er stellt seine Mannschaft individuell auf seine Gegner ein - und nimmt dabei bisweilen keine Rücksicht auf verdiente Stammspieler. Ganz anders Klopp, der in den Meisterjahren beim BVB zumeist auf einen Stamm von 14 bis 16 Spielern setzte.

Charakterlich sind die beiden denkbar unterschiedlich: Während Klopp ein Menschenfänger und grandioser Entertainer ist, steht Tuchel im Ruf, ein Intellektueller zu sein. Die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" bezeichnete ihn einmal als "Nerd aus Mainz". Die BVB-Fans werden sich umgewöhnen müssen. Anstelle des Sonnyboys wird demnächst ein Grübler an der Seitenlinie stehen. Doch nichts verbindet so sehr wie Erfolg. Was Tuchels Fähigkeiten als Trainer angeht, spricht einiges dafür, dass es beim BVB in der kommenden Saison wieder mehr Grund zum Jubeln geben sollte als zuletzt.

Der FSV Mainz reagierte indessen mit Humor auf die Meldung, dass erneut ein früherer Trainer des rheinischen Clubs bei Boussia Dortmund anheuert, und veröffentlichte den folgenden Tweet:

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