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Meinung

Krise beim BVB: Lucien Favre hat die Mannschaft verloren

Schuld an den blutleeren Auftritten des BVB gegen München und Paderborn sind die Spieler, nicht Lucien Favre. Doch dafür gibt es Gründe – die Mannschaft steht nicht mehr hinter dem Trainer. Deshalb ist seine Demission unumgänglich.

Lucien Favre steht beim BVB vor dem Aus

Ziehen nicht mehr an einem Strang: BVB-Kapitän Marco Reus und Trainer Lucien Favre

DPA

Es sollte die Wiedergutmachung werden für die desaströse 0:4-Niederlage beim FC Bayern vor zwei Wochen, doch am Ende erlitt der BVB ein erneutes Debakel. Zwar konnten die Spieler einen zwischenzeitlichen 0:3-Rückstand im Heimspiel gegen Schlusslicht Paderborn noch in ein 3:3 drehen. Für eine Versöhnung mit dem enttäuschten Anhang war das zu wenig.

Damit setzt Borussia Dortmund einen Trend fort, der sich seit Wochen abzeichnet: Der selbsterklärte Titelaspirant bleibt regelmäßig unter seinen Möglichkeiten. Blutleere Vorstellungen wechseln sich mit ordentlichen Halbzeiten ab, die einigermaßen zufriedenstellende Punkteausbeute konnte die spielerische Misere verdecken. 

Marco Reus und Mats Hummels kritisieren den Trainer

Das ist nun nicht mehr möglich. Die Vereinsbosse müssen dringend handeln. Und da kann es nur eine Lösung geben: Trainer Favre muss weg, so hart das klingt. Er hat die Mannschaft verloren. Das zeigen die Äußerungen seiner Spieler nach dem Schlusspfiff. 

Kapitän Marco Reus zeigte sich zwar im DAZN-Interview zerknirscht und selbstkritisch. Vordergründig nahm er seinen Coach in Schutz. Der stelle die Mannschaft "jedes Mal super ein". Doch was er dann sagte, lässt aufhorchen: "Wir müssen schauen, dass wir uns in das Spiel und in die Zweikämpfe reinbeißen", ergänzte er. Das habe die Mannschaft in der ersten Hälfte gar nicht getan. "Wir wussten gar nicht, wie wir richtig pressen sollen." Ganz ähnlich äußerte sich Mats Hummels. "Wir tun uns im 4-1-4-1 leichter zu pressen", sagte der frühere Nationalspieler.

Die beiden Aussagen dokumentieren, was jeder Fan seit Wochen auf dem Platz beobachten kann: Favre lässt einen Stil spielen, der dieser Mannschaft erkennbar nicht behagt. Anstatt die gegnerischen Angriffsreihen hoch anzulaufen und Ballgewinne in der gegnerischen Hälfte zu forcieren, lässt der Coach den Kontrahenten in der eigenen Hälfte gewähren. Solange die Spieler nicht zu Abschlüssen in gefährlichen Zonen kommen, darf die andere Mannschaft ruhig den Ball haben.

Lucien Favre predigt Geduld

Sein Offensivkonzept lässt sich mit einem Satz beschreiben: "Wir müssen geduldig bleiben." Die Spieler sollen sich solange den Ball zuschieben, bis sich automatisch Lücken ergeben. Das ist für den Zuschauer nicht schön anzusehen – und führte zuletzt immer weniger zum Erfolg.

Sternstunden gab es in den vergangenen Wochen nur, wenn wenn die Mannschaft mit dem Rücken zur Wand stand. Wenn Favre gezwungen war, sein vorsichtiges Korsett abzulegen, die defensive Doppelsechs abzulegen und alles auf eine Karte zu setzen. Wie in der zweiten Halbzeit im Champions-League-Spiel gegen Inter Mailand, als die Spieler das Herz in die Hand nahmen, die Italiener früh pressten und ein 0:2 in einen berauschenden 3:2-Sieg umwandelten.

Ähnlich spielte der BVB auf in der zweiten Hälfte gegen Paderborn – die er 3:0 gewann. Die Aussagen von Reus und Hummels weisen darauf hin, dass die Mannschaft diese Art Fußball präferiert. Überspitzt könnte man sagen: Die erfolgreichen Halbzeiten wurden gegen, nicht mit dem Trainer errungen.

Die Verantwortlichen können daraus nur einen Schluss ziehen: Sie müssen Lucien Favre freistellen.

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