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P. Köster: Kabinenpredigt: Viele Meinungen beim FC Bayern - was das über die Vorstellungen des Clubs verrät

Das Lewandowski-Interview macht klar: Zu jedem Thema gibt es in der FC-Bayern-Führung inzwischen mehrere Meinungen. Das muss der Rekordmeister abstellen, sagt stern-Stimme Philipp Köster.

In der Spitze des FC Bayern herrscht Uneinigkeit zwischen Uli Hoeneß (l.) und Karl-Heinz Rummenigge (Archivbild)

In der Spitze des FC Bayern herrscht Uneinigkeit zwischen Uli Hoeneß (l.) und Karl-Heinz Rummenigge (Archivbild)

Manchmal kommt eben alles zusammen. Es war ohnehin ein sehr mäßiges Wochenende für den . In Hoffenheim gegen einen ersatzgeschwächten Gegner unterlegen, zu den verlorenen Punkten hatte sich die deprimierende Erkenntnis gesellt, dass die Münchner derzeit nicht in der Lage sind, einem Gegner das eigene Spiel aufzuzwingen, was allerdings die Voraussetzung für all die Triumphe der letzten fünf Jahre war.

Und dann auch noch dieses Interview von Robert Lewandowski mit dem "Spiegel", vorbeigeschleust an der Pressestelle und mit allerlei Hinweisen an den Arbeitgeber versehen. Vor allem die im Vergleich zur internationalen Konkurrenz zögerliche Einkaufspolitik der Münchner kritisierte Lewandowski, dessen nüchterne Beschreibung des Fußballgeschäfts auch klar machte, dass ihn jenseits von Geld und Erfolgsaussichten nicht so wahnsinnig viel in München hält.

Lewandowski mit erstaunlichem Mangel an Reflexion

Wäre in der Chefetage das Interview gründlicher gelesen worden, hätte sich sicher alsbald die Einsicht durchgesetzt, dass erstens das Interview in Gänze deutlich weniger konfrontativ war als die ersten Zitate vermuten ließen. Und dass zweitens die Ausführungen erstaunlich inkonsistent waren. Einerseits merkte der Stürmer ja völlig zu Recht an, dass in einer Welt, die weit überwiegend englisch oder spanisch spricht, der Anziehungskraft deutscher Klubs in Asien und Amerika womöglich Grenzen gesetzt sind. Andererseits verriet Lewandowski mitunter einen erstaunlichen Mangel an Reflektion.

Der Stürmer forderte etwa, den Spitzensport "nicht mit solchen Emotionen" wie etwa Loyalität zu überlagern und ignorierte dabei fröhlich, dass es eben diese Emotionen sind, die ihm seinen Job und sein horrendes Gehalt garantieren. Auf die konstruktiven Anmerkungen zu antworten und den offensichtlichen Unsinn zu ignorieren, wäre souverän gewesen. Notfalls hätte man dem Stürmer intern auch eine verschmerzbare Geldstrafe aufdrücken können. Ansonsten wäre den Bayern anzuraten gewesen, sich darauf zu konzentrieren, die Mannschaft wieder auf Vordermann zu bringen.

Rumenige und Honeß sind sich wieder uneins

Stattdessen kritisierte zunächst Vorstandsboss den Stürmer und warnte wie ein Oberschulrat ("Ich weiß, wie man Spieler zur Räson bringt!") vor Wiederholungstätern. Was wiederum den Aufsichtsratsvorsitzenden Uli Hoeneß nicht ruhen ließ, stante pede dem gescholtenen Stürmer beizuspringen und abzuwiegeln, es sei doch alles halb so wild. Ganz gleich, wer der beiden Spitzenfunktionäre nun weitsichtiger war, in der Öffentlichkeit blieb vor allem hängen, dass sich Rummenigge und Hoeneß wieder einmal nicht einig waren. Diese Kakophonie an der Spitze ist ein Indiz für den immer mal wieder und neuerdings heftiger aufflackernden Konkurrenzkampf der Alphatiere an der Klubspitze, der auch das Lewandowski-Interview schnell überlagerte.


Dieser Machtkampf wird in aller Regel über Personalien ausgetragen, was derzeit gut an der Personalie des neuen Sportdirektors zu erkennen ist. Es vergeht derzeit keine Woche, in der Uli Hoeneß nicht den frisch inthronisierten Hassan Salihamidzic über den grünen Klee lobt. Was der alles anschiebt, wie der auf der Tisch haut, wie der den Finger in die Wunde legt, wie der mit den Spielern spricht! Je mehr Uli Hoeneß versucht, den Eindruck zu wecken, hier habe der FC Bayern einen Jahrhundertfunktionär verpflichtet, desto mehr verstärkt sich der Eindruck, dass hier offenbar versucht wird, einem jungen, etwas überforderten Azubi etwas zu penetrant den Rücken zu stärken.

FC Bayern hat keine klare Vorstellung für die Zukunft

Von Rummenigge hingegen hört man wenig zum neuen Mann, der ja auch ein wenig eingestellt wurde, um zwischen den beiden Spitzenfunktionären zu vermitteln. Dabei gerät in den Hintergrund, dass viel wichtiger als Personalien eine allgemeine Weichenstellung zu diskutieren wäre. Wie soll der FC Bayern sich weiterentwickeln? Will er auf Augenhöhe mit all den Klubs agieren, die von milliardenschweren Scheichs oder risikofreudigen Investmentsfonds beherrscht werden? Oder will er aufs bewährte Bayern-Rezept setzen, das darauf vertraut, dass am Ende Solidität und Volksnähe nachhaltiger sind als die hektischen Investments in Paris und Manchester und anderswo? Oder geht irgendwie beides zusammen?

Der FC Bayern hat derzeit, so scheint es, keine klare Vorstellung von der Zukunft. Das unterscheidet ihn von Robert Lewandowski.


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