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FC Bayern gewinnt DFB-Pokal: Süchtig nach Triumphen

Die Bayern haben Werder Bremen im Pokalfinale zum Statisten degradiert und das nationale Double perfekt gemacht. Jetzt fehlt noch ein Sieg, um Geschichte zu schreiben.

Von Tim Schulze, Berlin

Ganz am Ende, als alles vorbei war, wurde für die Sieger ein Feuerwerk gezündet. Vom Dach des Berliner Olympiastadions gab es einen Funkenregen, es zischte und knallte gewaltig und der trübe Hauptstadt-Himmel leuchtete für einen kurzen Moment strahlend hell. Darunter feierten und tanzten die Spieler des FC Bayern, schließlich hatten sie gerade das nationale Double perfekt gemacht und zum 15. Mal den DFB-Pokal gewonnen. Die Verlierer des Abends, die Mannschaft von Werder Bremen, war da schon längst in die Katakomben entschwunden. Die Bremer hatten nach dieser "Demonstration der Stärke" (Oliver Kahn) durch den Final-Gegner aus München verständlicherweise keinen Sinn mehr für das Gute-Laune-Spektakel. Vier Treffer erzielten die Bayern, den Bremern gelang nicht einer.

Wenn die Hanseaten vor dem Finale gedacht hatten, dass sie dem Rivalen aus dem Süden das mögliche Triple eine Woche vor dem Champions-League-Finale in Madrid vermasseln könnten, waren sie einem gewaltigen Irrtum unterlegen. So blieb Werder-Manager Klaus Allofs nichts anderes übrig, als die Niederlage an diesem kühlem Maiabend mit klaren Worten anzuerkennen: "Die Bayern waren heute ein übermächtiger Gegner." Münchens Trainer Louis van Gaal sah es genauso: "Es war vielleicht eines der besten Spiele der Saison. Wir haben hochverdient gewonnen. Ich habe meinen Spielern gesagt, dass es sehr wichtig ist für uns zu gewinnen."

"Alle Spieler haben sich gewehrt"

Die Bayern sind weiter auf dem Weg, eine außerordentliche Saison zu spielen, die alles in den Schatten stellen kann. Sicherlich hat der Gewinn des DFB-Pokals geringeres Prestige als Meisterschaft und Champions League. Aber der FCB will den großen Triumph mit allen drei Titeln - und das bekam Werder an diesem Abend mit voller Wucht zu spüren. Ein einziges Mal hatten die Bremer die Möglichkeit, in Führung zu gehen. Das war in der achten Minute, als Claudio Pizarro knapp an Keeper Jörg Butt scheiterte, und auch die zwei Nachschüsse wurden vom Torwart und seinen Vorderleuten pariert. Bastian Schweinsteiger beschrieb anhand dieser Szene die aktuelle Bayern-Mentalität: "Alle Spieler haben sich in dieser Situation gewehrt und das zeichnet die Mannschaft aus. Sie ist sehr charakterstark. Das war so noch nie der Fall beim FC Bayern und deswegen bin ich so stolz, in dieser Mannschaft zu spielen."

Es stimmt im Moment alles bei den Münchnern, die Mannschaft sprüht vor Selbstbewusstsein. Dominanz heißt das Zauberwort - und die zeigten die Bayern im Olympiastadion, als hätte Louis van Gaal eine Inszenierung für einen Fußball-Lehrfilm gebraucht: Seht her, so geht Fußball! Präsident Uli Hoeneß fasste die Taktik der Bayern so zusammen: "Durch den großen Ballbesitz bricht jeder Gegner in den letzten 15, 20 Minuten zusammen."

Eine treffende Beschreibung dessen, was sich auf dem Platz abspielte. In den ersten 45 Minuten ließen die Bayern Bremen kaum Luft zum atmen, wofür diese allerdings mit ihrer defensiven Taktik auch selbst sorgten. Arjen Robben wirbelte wie gewohnt und erzielte per Handelfmeter in der 35. Minute die Führung. Kurz nach der Halbzeitpause erhöhte Ivica Olic - ein Schock für die Bremer, die ihre Zurückhaltung aus den ersten 45 Minuten aufgegeben hatten. Spätestens nach dem 3:0 durch Franck Ribéry war die Sache gelaufen. Die Münchner Fans im Stadion bejubelten lautstark jeden Ballkontakt ihrer Mannschaft. Bastian Schweinsteiger reihte sich auch noch in die Liste der Schützen ein. Bremen fand zu keinem Zeitpunkt ein Gegenmittel gegen die alles beherrschenden Bayern, es war eine Degradierung. Der einzige - leider neagtive - Höhepunkt im Bremer Spiel war danach das Frustfoul von Torsten Frings an Schweinsteiger, für die er die gelb-rote Karte sah.

"Mourinho hat gesehen, dass wir Fußball spielen können"

Jetzt müssen die Bayern die Spannung noch eine Woche bis zum großen Finale in Madrid gegen Inter Mailand hochhalten. Als Kapitän Mark van Bommel bei der Siegerehrung den Pokal im Konfettiregen in die Höhe hielt, waren viele Akteure des FC Bayern vielleicht schon in Gedanken beim nächsten Endspiel - der absolute Höhepunkt der Saison. Die Spieler und alle im Club wissen, dass sie etwas Historisches leisten können. Das ist im Auftreten der Profis und der Verantwortlichen deutlich zu spüren. Das Gebilde FC Bayern strahlt geradezu vor Selbstbewusstsein. Van Gaal sendete mit dem Double-Gewinn im Rücken schon mal vorsorglich eine paar Grüße Richtung Mailand: "Jose Mourinho hat auch gesehen, dass wir sehr gut Fußball spielen können." Sie wollen den ganz großen Triumph. Das bayerische Selbstbewusstsein hat jetzt endgültig europäische Dimensionen erreicht: "Wir wollen gegen Mailand unsere Leistung bringen, und dann ist es schwer, den FC Bayern zu schlagen. Die Mannschaft ist heiß auf das Triple", sagte Philipp Lahm frisch geduscht nach dem Spiel und entschwand ganz entspannt in den Mannschaftsbus.

Mitarbeit: Daniel Barthold

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