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FC Bayern München: Der Hunger der Alten wird noch einmal zurückkehren

Der FC Bayern scheidet erhobenen Hauptes gegen Barca aus. Das Duell verrät viel über die Zukunft. Zieht Guardiola die richtigen Schlüsse, werden Lahm und Co. noch einen großen Titel erspielen.

Von Oliver Creutz, München

Aus der Traum: Der FC Bayern München steht nicht im Finale der Champions League

Aus der Traum: Der FC Bayern München steht nicht im Finale der Champions League

Schon in der übervollen U-Bahn raus aus der Stadt, auf dem Weg zum Spiel, legte sich hitzegleich ein Gefühl über die Fahrgäste: Dabei sein ist alles. Bayern- und Barca-Fans saßen und standen einträchtig nebeneinander, und ein Sohn sagte zu seinem Vater: "Schade, dass heute das Kribbeln fehlt."

Das Kribbeln kam dann doch noch auf, 15 Minuten lang, doch das 1:1 durch Neymar setzte dem ein Ende, so wie ein Date, das nach der Vorspeise sagt, dass man nach dem Essen getrennt nach Hause gehen werde. Die Allianz-Arena starrte eine Zeitlang so gebannt auf den Strafraum von Barcelona, in Erwartung, dass alle Gesetze des Fußballs an diesem Abend für ungültig erklärt würden, dass die meisten gar nicht mitbekamen, wie Messi – Suarez – Neymar für zwei Tore sorgten, die in das Spiel schlugen wie ein Blitz.

Rückspiel verrät viel für die Kaderplanung

Doch es ließ sich etwas beobachten, dass für die Kaderplanung des FC Bayern von besonderem Interesse sein dürfte: Zwei Spieler wollten nicht die Vernunft über das Herz siegen lassen: Manuel Neuer und Thomas Müller. Sie gaben der Mannschaft Signale, dass es an diesem Abend um mehr ging als nur um die Ehre. Nämlich um die Zukunft dieser Elf. Später, nach dem 3:2, tauchte auch Bastian Schweinsteiger aus dem Nebel der Wurschtigkeit auf, rannte immer wieder in die Spitze, als sei es nicht allzu abwegig, in 15 Minuten noch drei Tore zu schießen.

War natürlich Irrsinn, aber nur aus dem Irrsinn entstehen im Fußball große Momente und Titel. In dieser Saison steckten zu viel Müdigkeit, Abnutzung sowie Verletzungen und zu wenig Irrsinn, deshalb reichte es nicht für das von Pep Guardiola beschworene Triple.

Ein letzter Sprint zum letzten großen Titel

Und als die Bayern-Spieler nach dem Aussscheiden eine Ehrerunde durchs immer noch volle Stadion liefen, merkte man: Die sind noch nicht durch. Da kommt noch was. Ein letzter Sprint zum letzten großen Titel.

Und so könnte das laufen in der kommenden Saison: Rund um die neuen Leitwölfe Neuer und Müller sowie den alten Chef Lahm kann Guardiola in seinem wohl abschließenden Jahr in München eine Mannschaft bauen, in dem die Alten nur so oft spielen, dass es nicht gesundheits- und titelgefährend ist.

Der immer noch sehr junge David Alaba ist dann wieder zurück, der ebenso junge Juan Bernat hat durch die beiden Halbfinal-Spiele eine Menge auf die harte Tour gelernt. Robert Lewandowski hat gezeigt, dass er mehr ist als nur ein großartiger Bundesliga-Stürmer: Für sein Schuss zum 2:2 sollte man ihm die Kränze flechten, die sonst nur für Messi und Ronaldo bestimmt sind.

Der Hunger ist wieder da

Robben und Ribbery sind in der kommenden Spielzeit keine Kräfte mehr für Partien gegen Köln und Mainz. Sie müssen so eingesetzt werden, dass sie bereit stehen für die großen Dramen der Saison, nicht für die Nebenbühnen. Guardiola wird in einem Jahr keine neue Mannschaft aufbauen können, aber er kann als der Trainer in die Geschichte des FC Bayern eingehen, der den Erfolg von Jupp Heynckes wiederholte.

Wer dieses Spiel erlebt hat, wird später vielleich einmal sagen können: Wir waren dabei, als eine große Mannschaft ein letztes Mal dieses Drücken, Ziehen, Spannen in der Bauchgegend zu spüren bekam: diesen Hunger, den es braucht, um bis ganz zum Schluss durchzuhalten. Abgerechnet wird im Juni 2016.

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