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FC Bayern München: Neuer Russe soll für Power sorgen

Die Bayern wollen sich zur Winterpause offenbar noch einmal verstärken. Ein Angreifer aus Russland soll kommen. "Die Verhandlungen laufen", bestätigt dieser. Unterdessen haben sich die Verantwortlichen und Spieler auch zu der vermeintlichen "Bestechungs-Affäre" geäußert. Tenor: Wir wissen von nichts.

Bayern München hat offenbar Interesse an der Verpflichtung von Stürmerstar Pawel Pogrebnijak von Zenit St. Petersburg. "Die Verhandlungen mit Bayern München laufen", soll der 24 Jahre alte Stürmer der spanischen Sportzeitung Marca erklärt haben: "Das ist mein Lieblingsteam, seit ich ganz klein war. Mein Vater hat mir als Kind ein Trikot mit der Nummer 18 von Jürgen Klinsmann geschenkt." Pogrebnijak hatte beim 4:0 von Zenit im Euroapcup gegen Bayern zwei Tore erzielt.

Unterdessen hat Miroslav Klose vor dem Gastspiel des VfL Bochum mehr Laufbereitschaft beim FC Bayern München eingefordert. "Es ist wichtig, dass wir mal wieder den Fußball spielen, den wir selbst von uns verlangen. Die Laufbereitschaft muss stimmen und dass jeder für den anderen da ist. Am Samstag müssen wir eine Schippe mehr draufpacken", sagte der 30-Jährige. Und ergänzte: "Wir sind den Zuschauern Einiges schuldig."

In der Tat. Zwar beim 1:1-Unentschieden im jüngsten Champions-League-Heimspiel eine leichte Steigerung zu erkennen, überzeugend war der Auftritt dennoch nicht. Im Bundesliga-Heimspiel gegen Bochum muss jetzt ein Sieg her.

Klose appelliert an die Kollegen

Der seit Monaten in schwacher Form spielende Klose sprach sich dafür aus, dass Mark van Bommel trotz seiner jüngsten Reservistenrolle weiter die Spielführerbinde tragen sollte: "Ich finde, dass er absolut Kapitän bleiben sollte. Weil er sich vorbildlich verhält in der Mannschaft." Zudem stelle van Bommel nicht sich, sondern die Mannschaft in den Vordergrund. Und: "Wer Mark kennt, weiß, dass er früher oder später sowieso spielen wird."

Mit 2:5 ging der FC Bayern vor zwei Wochen gegen Bremen unter, 0:1 unterlag das Team am Samstag in Hannover. Seit dem 1:1 gegen Lyon sieht sich das Team auf einem besseren Weg, auch wenn Klose nicht mit allem zufrieden ist. "Der Wille, auch mal einen Weg umsonst zu machen, das ist das, was uns fehlt. Aber wir müssen dem Mitspieler auch die zweite und dritte Option geben, in dem wir uns ohne Ball frei laufen. Das ist ein bisschen das Manko momentan."

Die Meldungen über den Verdacht der Manipulation des UEFA-Cup- Halbfinales zwischen Bayern München und Zenit St. Petersburg nimmt laut Klose kein Bayern-Profi ernst. "Wir haben darüber ein bisschen gescherzt. Man kann sich das gar nicht vorstellen." Angesprochen auf eine vergebene Torchance scherzte er: "Ich habe den Ball absichtlich nicht richtig getroffen, ich habe nur die Dollarscheine gesehen." Und weiter: "Ich hab nichts gekriegt. Ich kann mir das einfach nicht vorstellen."

Kein Kommentar zur "Affäre"

Der Nationalspieler war am 1. Mai beim 0:4 im UEFA-Pokal-Halbfinale bei Zenit St. Petersburg - der höchsten Europacup-Pleite der Bayern seit 31 Jahren - mit von der Partie gewesen. Der Bestechungsverdacht lässt Klose genau wie seine Mitspieler offenbar völlig kalt: "Wir haben uns darüber in der Kabine unterhalten und gescherzt." Die Bayern-Spitze kommentierte das Thema erst gar nicht und wird es womöglich auch gar nicht tun. "Wenn jemand etwas Konkretes auf den Tisch legt, dann werden wir uns äußern", sagte Pressechef Markus Hörwick.

Die einzige offizielle Reaktion des Rekordmeisters stammt von Mittwochnachmittag. In einer kurzen Pressemitteilung wurde erklärt, dass dem Klub der Verdacht nicht bekannt sei und versucht werde, "jegliche etwaige Information zu diesem Vorgang zu erhalten". Die Münchner Staatsanwaltschaft bestätigte unterdessen, dass sie bislang keine Ermittlungen im Zuge einer möglichen Beeinflussung der Partien durch die russische Mafia anstellt. "Es ist in dieser Sache nichts anhängig", sagte Oberstaatsanwalt Anton Winkler, Sprecher der Staatsanwaltschaft München, dem sid. Bislang gebe es kein Rechtshilfe-Ersuchen der spanischen Justiz, allerdings könne das auch "eine Weile dauern, wenn es den offiziellen Rechtshilfeweg geht".

Die spanischen Zeitungen ABC und El Pais hatten zuvor berichtet, dass eine russische Mafia-Gang behauptet, unter anderem das Spiel zwischen Bayern und Zenit St. Petersburg mit angeblich 50 Millionen gekauft zu haben. Der Oberste Gerichtshof in Spanien mit Generalstaatsanwalt Baltasar Garzon hatte Ermittlungen gegen die von Unterwelt-König Gennadios Petrow geführte Bande bestätigt - allerdings geht es darin in erster Linie um Themen wie Raub oder Erpressung. Die spanischen Behörden hatten aber auch ein Telefongespräch abgefangen, in dem Petrow und ein Gehilfe über den angeblich erkauften UEFA-Pokal-Sieg von Zenit St. Petersburg sprachen.

Dementis aus Russland

"Ich kann mir nicht vorstellen, dass so ein renommierter Klub wie Bayern München Absprachen getroffen haben soll", meinte Nikita Simonjan, stellvertretender Präsident des russischen Fußball-Verbandes. Der Verein Zenit St. Petersburg erklärte die Vorwürfe zur "Beleidigung" für beide Vereine: "Jeder hat gesehen, dass das faire Duelle waren. Zur Zeit prüfen Juristen die Artikel der spanischen Presse. Danach werden wir über eine Klage zum Schutz unseres guten Rufes entscheiden." Die Europäische Fußball-Union (Uefa) kündigte freilich trotzdem Ermittlungen der Disziplinarkommission an.

Bislang liegen keine Erkenntnisse vor, dass die Kriminellen Spieler oder Offizielle von Bayern München oder von Zenits Finalgegner Glasgow Rangers kontaktiert haben. Genauso wenig konnte die spanische Justiz bei ihren Ermittlungen herausfinden, welchen persönlichen Nutzen die aus der Region St. Petersburg hervorgegangene Gang von den angeblichen Manipulationen hatte. Petrow gehörte zu rund 20 Personen, die von der spanischen Polizei im Juni verhaftet worden waren. Sie alle sollen der Tambowskaja-Malyschewskaja-Bande angehören - einem der größten kriminellen Netzwerke der Welt. Im Rahmen der Untersuchungen wurden Bankkonten mit Einlagen von zwölf Millionen Euro eingefroren.

DPA/sid/jef / DPA

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