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Weltfußballverband: Blatter schiebt Platini Schuld am Fifa-Skandal in die Schuhe

Späte Erkenntnis, aber keine Einsicht: Sepp Blatter bedauert in einem Interview, nicht sofort nach der WM 2014 das Amt des Fifa-Präsidenten abgegeben zu haben. Die Schuld am Korruptionsskandal sieht er beim suspendierten Uefa-Chef Michel Platini.

Werden wohl keine Freunde mehr: Sepp Blatter (l.) sagt, Michel Platini habe den Fifa-Skandal provoziert.

Werden wohl keine Freunde mehr: Sepp Blatter (l.) sagt, Michel Platini habe den Fifa-Skandal provoziert.

Der suspendierte Fifa-Präsident Joseph Blatter hat bedauert, dass er nicht schon im Sommer 2014 zurückgetreten ist. "Ich hätte den Mut aufbringen und mich nach der Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien zurückziehen sollen", sagte der Chef des Fußball-Weltverbandes der russischen Agentur Tass. Doch die Sorge um die Machtverhältnisse im Weltfußball hätten ihn von dem Schritt abgehalten.

"Mich haben fünf von sechs Kontinentalverbänden angefleht zu bleiben (...). Sie hatten Angst, dass jemand aus Europa an die Macht kommt und die Uefa dann den gesamten Weltfußball kontrolliert", sagte Blatter in dem am Mittwoch veröffentlichten Interview.

"Es ist etwas Persönliches"

Bedauern, dass sich unter seiner Ägide die Fifa zu einer zweifelhaften Organisation entwickelt hätte, lässt Blatter nicht erkennen. Stattdessen wirft der Schweizer dem ebenfalls derzeit suspendierten Uefa-Chef Michel Platini vor, den Fifa-Skandal provoziert zu haben. "Von Anfang an war ich das Ziel der Attacken. Und arrangiert hat das alles Michel Platini. Es ist etwas Persönliches."

Platini galt lange als aussichtsreicher Nachfolger Blatters, geriet dann aber selber ins Visier der Ermittler. Für die Wahl des neue Fifa-Präsidenten am 26. Februar liegen nun offiziell fünf Bewerbungen vor: Prinz Ali bin al-Hussein aus Jordanien, Musa Bility aus Liberia, der Franzose Jérôme Champagne, Uefa-Generalsekretär Gianni Infantino, der asiatische Verbandschefs Scheich bin Ibrahim Al Chalifa und Tokyo Sexwale aus Südafrika. Das Ad-hoc Wahlkomitee muss nun entscheiden, ob die Bewerbungen zur Wahl zugelassen werden. Der Profi David Nakhid aus Trinidad/Tobago hatte seine Bewerbung ohne Angaben von Gründen kurzfristig zurückgezogen. Unter Umständen kann auch Platini noch zur Wahl stehen. Falls seine Sperre vor der Wahl ausläuft, wird das Wahlkomitee entscheiden, "Wie mit dem betroffenen Kandidaten weiter verfahren wird."

dho/Reuters/DPA

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