HOME

+++ News-Ticker zum Fifa-Skandal +++: Blatter: "Kann nicht jeden kontrollieren"

Nach der anberaumten Krisensitzung hat sich die Uefa jetzt doch entschieden, den Fifa-Kongress nicht zu boykottieren. Man wolle für Prinz Ali stimmen - der Fifa-Skandal im stern-News-Ticker.

  • Sieben Fifa-Funktionäre wurden auf Antrag der US-Justiz in Abschiebehaft genommen. Ihnen werden organisiertes Verbrechen und Korruption vorgeworfen. Sie sollen seit Anfang der 90er Jahre Schmiergelder von mehr als 150 Millionen Dollar von Vermarktern für die Vergabe von Fußballturnieren erhalten haben. Bestechungsgelder sollen auch vor der WM-Vergabe an Südafrika 2010 gezahlt worden sein.
  • Die europäischen Verbände werden den Fifa-Kongress trotz anfänglicher Überlegungen nicht boykottieren. Uefa-Präsident Michel Platini teilte jedoch mit, dass viele Nationen bei der Präsidentenwahl am Freitag gegen Blatter und für Herausforderer Prinz Ali stimmen werden.
  • Michel Platini gab an, Sepp Blatter zu einem Rücktritt aufgefordert zu haben. Blatter habe geantwortet: "Ich kann nicht, Michel. Noch nicht."
  • Lesen Sie die aktuellen Entwicklungen im stern-News-Ticker.

+++ 22.54 Uhr: Argentinien klagt drei Unternehmer an +++

Die argentinische Steuerbehörde Afip reicht gerichtliche Klage gegen die drei argentinischen Medienunternehmer ein, die in den Fifa-Skandal verwickelt sind. Die Afip stellt nach eigenen Angaben Strafanzeige gegen Alejandro Burzaco, Hugo Jinkis und Mariano Jinkis wegen mutmaßlicher Steuerhinterziehung und Geldwäsche.

Afip-Chef Ricardo Echegaray kritisiert die mangelnde Bereitschaft der FIFA zur Zusammenarbeit mit den Steuerbehörden. "Die Fifa hat niemals zur Steuertransparenz des Fußballs beigetragen", beklagt Echegaray. Der Fußball-Weltverband habe sich jüngst geweigert, Informationen zur Aufklärung internationaler Transfers von argentinischen Fußballspielern an das Steueramt weiterzuleiten.

Auch die US-Justiz fahndet nach den drei Unternehmern. Ein Auslieferungsersuchen der US-Behörden sei bereits von der argentinischen Justiz befürwortet worden. Der zuständige Richter erklärt, die Medienunternehmer seien flüchtig. Zuvor hatte er deren Antrag auf Freilassung gegen Kaution abgelehnt, wie die Nachrichtenagentur Télam berichtete.

+++ 22.50 Uhr: Brasiliens Verbandschef reist ab +++

Der brasilianische Fußball-Verbandschef Marco del Nero reist am Vortag der Fifa-Präsidentschaftswahl aus Zürich ab. Dies bestätigt der Fußball-Weltverband am Abend. Der 74-Jährige ist auch Mitglied des Exekutivkomitees der Fifa. Eine Begründung für die Abreise del Neros wurde nicht genannt. Sein Vorgänger als CBF-Chef, José Maria Marin, gehört zu den sieben Funktionären, die am Mittwoch in Zürich unter Korruptionsverdacht festgenommen worden waren. Der brasilianische Verband wird im jüngsten FIFA-Korruptionsskandal mehrfach in der Ermittlungsakten der US-Justiz genannt.

Nach der Abreise del Neros fehlen beim Kongress am Freitag mindestens drei aktuelle und ein designiertes Mitglied der Fifa-Exekutive. Die Fifa-Vizepräsidenten Jeffrey Webb und Eugenio Figueredo waren am Mittwoch wie Marin festgenommen worden. Der Verbandschef von Costa Rica, Eduardo Li, sollte am Freitag in die Fußball-Weltregierung aufrücken, ist aber wie alle anderen Beschuldigten von der Fifa von allen Fußball-Ämtern suspendiert.

+++ 21.34 Uhr: UN überprüft Beziehungen zu Fifa +++

Nach dem Fifa-Skandal wollen auch die Vereinten Nationen ihre Beziehungen zum Fußball-Weltverband überprüfen. "Wir schauen uns die bestehenden Partnerschaften sehr genau an und beobachten, wie sich die Situation entwickelt", sagt ein UN-Sprecher in New York. Die Vereinten Nationen hätten eine Reihe von befristeten Partnerschaften mit der Fifa gehabt, bei denen aber nie Geld geflossen sei.

+++ 21.28 Uhr: USA weisen Putin-Vorwürfe zurück +++

Die USA weisen den Vorwurf von Kremlchef Wladimir Putin zurück, sie wollten Russland die Fußball-WM 2018 entziehen. Die Maßnahmen der US-Justiz gegen neun Fifa-Funktionäre hätten nichts mit dem geplanten Turnier in drei Jahren zu tun, sagt der Sprecher des Washingtoner Außenamtes, Jeff Rathke.

Die Anklagen seien "eine klare Botschaft der USA, dass korruptes Verhalten nicht akzeptabel ist". Einen anderen Grund hätten die Ermittlungen und Festnahmen nicht gehabt. Putin hatte zuvor die Korruptionsermittlungen gegen Fifa-Angehörige als Versuch der USA verurteilt, die Weltmeisterschaft in Russland zu verhindern.

+++ 21.01 Uhr: Blatter-Vize Webb des Amtes enthoben +++

Blatter-Vize Jeffrey Webb wird vorläufig des Amtes als Präsident des Kontinentalverbands von Nord- und Mittelamerika enthoben, neuer CONCACAF-Chef ist Alfredo Hawit aus Honduras.

+++ 18.06 Uhr: IOC-Präsident fordert Aufklärung +++

IOC-Präsident Thomas Bach fordert die Fifa zur vollständigen Aufklärung des jüngsten Korruptionsskandals auf. "Dies sind traurige und schwierige Tage für die FIFA. Dies sind auch sehr wichtige Tage für die FIFA", sagt der Chef des Internationalen Olympischen Komitees in seiner Rede beim FIFA-Kongress in Zürich. "Alle Fans verfolgen diesen Kongress mit großer Aufmerksamkeit, ich bin einer von ihnen."

Er ermutigt die FIFA, "die Kooperation mit den Behörden fortzusetzen und alle notwendigen Maßnahmen zu unternehmen. Wir wissen, dass dieser Kampf herausfordernd und sehr schmerzhaft sein kann. Es gibt aber keinen anderen Weg, um Glaubwürdigkeit zurückzugewinnen."

Er sei zuversichtlich, dass der Weltverband auf einem "Weg der Transparenz" die Herausforderungen meistern könne, betont der frühere Chef des Deutschen Olympischen Sportbundes.

+++ 17.44 Uhr: Schweizer Sportminister verteidigt Blatter +++

Die Schweiz hat sich vor Blatter gestellt. Es gehe nicht an, ihn zum Sündenbock zu stempeln, sagt Sportminister Ueli Maurer nach Angaben der Nachrichtenagentur SDA. Man dürfe nicht vergessen, dass der Schweizer Blatter Hervorragendes für den Fußball geleistet habe, nicht zuletzt mit Blick auf seine Initiativen zugunsten von Jugendlichen weltweit, erklärte der Politiker der nationalkonservativen Schweizerischen Volkspartei (SVP).

Allerdings müsse der Fußball-Weltverband angesichts der Korruptionsermittlungen und der Festnahmen von Funktionären grundlegende Reformen einleiten, sagt Maurer bei einem Podiumsgespräch in Luzern. "Die FIFA ist nicht glaubwürdig, der Verband ist aus der Balance geraten."

+++ 17.30 Uhr: Blatter beendet Rede +++

Kurzkommentar zur Rede: Man kann es wohl nicht anders sagen: Das war ein absurdes Schauspiel. Fifa-Chef Sepp Blatter hat alle Verantwortungen von sich gewiesen und die Fifa darauf eingeschworen, dass in der Korruptionsbekämpfung noch ein langer, harter Weg vor dem Verband liegt. Er als zentrale Figur könne allerdings nicht alles und jeden überwachen, sagte Blatter. Danach lächelte er und ging zur normalen Tagesordnung über.

+++ 17.25 Uhr: So verteidigt sich Sepp Blatter+++

Blatter startet mit allgemeinen Worten zur Veranstaltung: "War das nicht eine wundervolle Parade? - 209 Verbände, die Fairplay-Fahne, die Fahne der Vereinten Nationen. Wir sind alle vereint für die Eröffnung des 65. Fifa-Kongresses."

Jetzt spricht Blatter von "schwierigen Zeiten". "Die Ereignisse des gestrigen Tages haben einen langen Schatten über den Fußball geworfen. Individuelle Taten verlangen, dass wir handeln."

"Ich weiß, dass viele mich für die Vorkomnisse verantwortlich machen."

"Aber ich kann nicht jedes Individuum kontrollieren. Wenn Menschen etwas Falsches tun, werden sie immer versuchen, das zu verbergen. Diejenigen, die den Fußball korrumpieren, sind in der Minderheit. Sie müssen gefunden und zur Verantwortung gezogen werden. Das ist unsere Verantwortung bei der Fifa. Wir werden kooperieren. Es gibt keinen Platz für Korruption. Die nächsten Monate werden nicht leicht. Ich bin mir sicher, dass weitere schlechte Nachrichten folgen werden. Wir müssen das Vertrauen in die Fifa wiederherstellen. Das ist ein Wendepunkt."

+++ 17.15 Uhr: Joseph Blatter spricht +++

Joseph Blatter beginnt mit seiner Rede. Noch hat er nichts zum Skandal gesagt, sondern beginnt mit einem Lob der absurden Eröffnungsshow.

Er begrüßt die Vertreter der Stadt und die Delegierten.

+++ 17.08 Uhr: Fifa beginnt mit Kongress +++

In Zürich beginnt die Fifa trotz der Verhaftungen mit ihrem Kongress. Noch ist Joseph Blatter nicht in Erscheinung getreten. Sein Auftritt wird mit Spannung erwartet. Die Neuwahl des Fifa-Präsidenten steht allerdings erst für Morgen auf dem Programm.

Auftakt bildet eine absurde Eröffnungsshow, als wäre nichts gewesen.

+++ 17.00 Uhr: Sponsor Coca-Cola fordert von Fifa Aufklärung +++

"Diese lange Kontroverse hat die Mission und die Ideale der Fifa-Weltmeisterschaft getrübt und wir haben mehrfach unsere Bedenken über diese ernsthaften Anschuldigungen geäußert", teilt Coca-Cola mit. "Wir erwarten, dass FIFA diese Probleme weiterhin sorgfältig angeht."

+++ 16.08 Uhr: Alle Funktionäre widersetzen sich Auslieferung +++

Alle sieben im Zusammenhang mit einem Korruptionsverfahren in der Schweiz verhafteten hochrangigen Fußball-Funktionäre widersetzen sich einer Auslieferung in die USA. Das sagt eine Sprecherin des Schweizer Justizministeriums. Am Mittwoch hatte einer der Festgenommenen Bereitschaft zu einer vereinfachten Auslieferung signalisiert.

+++ 15.32 Uhr: UEFA-Rückzug aus FIFA-Wettbewerben möglich +++

Uefa-Präsident Michel Platini schließt für den Fall eines Wahlsiegs von Fifa-Chef Joseph Blatter einen Rückzug der europäischen Mannschaften aus allen Fifa-Wettbewerben nicht aus. Bei einer Sondersitzung rund um das Champions-League-Finale in Berlin werde man in der kommenden Woche "alle Möglichkeiten ins Auge fassen", sagt der Franzose.

+++ 15.10 Uhr: Platini fordert Blatter zum Rücktritt auf +++

Platini berichtet, dass er Blatter zum Rücktritt aufforderte. Er adressierte den Präsidenten in der Sitzung der Konföderationen am Morgen und sagte: "Sepp, bitte verlasse die Fifa."

Platini sagt: "Ich habe ihm klar in die Augen geschaut."

Blatter antwortete ihm offenbar: "Ich kann nicht aufhören. Nicht heute. Es tut mir Leid, Michel."

+++ 15 Uhr: Uefa-Verbände wollen Blatter nicht wählen +++

Platini sagt, die meisten Uefa-Verbände würden Blatter nicht wählen. Er rechnet mit circa 45 Gegenstimmen aus Europa.

Die Aussagen: "Große Bauchschmerzen gibt es immer wieder. Diese macht zurzeit die Fifa."

"Ich liebe die Fifa, aber ehrlich, ich kenne das seit vielen Jahren, ich bin sprachlos. Es reicht. Es ist viel zu viel."

"Wir haben uns mit der Uefa zusammengesetzt , wir haben diskutiert und überlegt: Wie machen wir weiter mit der Wahl des Fifa-Präsidenten?"

"Eine große Mehrheit der europäischen Verbände will nicht für Sepp Blatter stimmen. Sie werden für Prinz Ali stimmen."

+++ 14.32 Uhr: Uefa wird Fifa-Kongress doch nicht boykottieren +++

Jetzt ist es offiziell: Die Uefa wird entgegen ursprünglichen Überlegungen den Fifa-Kongress nicht boykottieren und will bei der Präsidentschaftswahl am Freitag zu großen Teilen für Prinz Ali bin al-Hussein votieren. Das haben mehrere Uefa-Mitglieder mitgeteilt. Auch der Concacaf-Verband spricht sich für die Ausrichtung der Wahl am Freitag aus.

"Boykott ist keine Lösung, das ist noch nie eine gewesen. Das war auch in der olympischen Bewegung so", sagt Reinhard Rauball als Präsident der Deutschen Fußball Liga (DFL) und ergänzt: "Was hier passiert, ist ein absolutes Desaster. Wir müssen den Wandel herbeiführen. Das können wir nur, wenn wir Prinz Ali wählen."

+++ 14.21 Uhr: Uefa will angeblich geschlossen für Prinz Ali stimmen +++

ZDF-Reporter Markus Harm will erfahren haben, dass die Uefa nun doch bereit ist, morgen bei der Wahl anzutreten. Alle europäischen Verbände wollen jedoch geschlossen für Joseph Blatters Konkurrenten stimmen.

+++ 14.05 Uhr: "Mein Vater ist nicht korrupt", sagt Blatters Tochter Corinne +++

Die Schweizer Zeitung "Blick" hat mit Corinne Blatter, der Tochter von Fifa-Chef Joseph Blatter, gesprochen. Sie stellt klar: "Mein Vater ist nicht korrupt! Das kann ich mit hundertprozentiger Überzeugung sagen." Ihr Vater sei der großzügigste Mensch, den man sich vorstellen könne. Einer, der für andere das letzte Hemd geben würde.

+++ 13.41 Uhr: Afrikanische Verbände gegen Kongress-Verschiebung +++

Die afrikanischen Fußball-Verbände haben sich gegen eine Verschiebung des Fifa-Kongresses ausgesprochen und wollen am Freitag wie zuvor betont kollektiv für Amtsinhaber Joseph Blatter stimmen. Das teilt der afrikanische Dachverband CAF mit. Die CAF ist die größte Fifa-Konföderation und stellt mit 54 Nationalverbänden mehr als ein Viertel aller 209 Fifa-Mitglieder.

+++ 13.40 Uhr: Steinmeier verlangt von Fifa volle Aufklärung +++

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier hat vom Fußball-Weltverband Fifa volle Aufklärung über den jüngsten Korruptionsskandal verlangt. "Korruption vergiftet die Politik und vergiftet den Sport", sagt Steinmeier bei einem Besuch in Lissabon. "Fair Play ist die wichtigste Regel des Sports und ein Wert, der weit über die Welt des Sports hinausstrahlt. Wenn der Fußball Vorbild sein soll, tut Aufklärung Not." Falls die "Selbstreinigungskräfte" des Sports nicht ausreichten, müssten dies auch staatliche Stellen übernehmen.

+++ 13.27 Uhr: Britische Regierung fordert Blatters Rücktritt +++

Die britische Regierung von Premierminister David Cameron fordert den Rücktritt von Fifa-Chef Joseph Blatter. Der Premier schließe sich der Kritik seines Sportministers John Whittingdale an, sagt sein Sprecher in London. Die Regierung unterstütze - wie auch der englische Fußballverband FA - die Gegenkandidatur von Prinz Ali bin al-Hussein bei der für Freitag geplanten Wahl zum Präsidenten des Fußball-Weltverbands.

+++ 12.35 Uhr: Justizminister Maas attackiert Fifa +++

Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) wirft der Fifa mangelndes Engagement bei der Aufklärung des Korruptionsverdachts vorgeworfen. "Die Fifa muss sich den Vorwurf gefallen lassen, dass sie Korruption in den eigenen Reihen seit Jahren nicht wirklich untersucht hat", sagt Maas im Interview mit der "Saarbrücker Zeitung".

+++ 11.58 Uhr: Putin steht zu Fifa-Chef Blatter und kritisiert USA +++

Kremlchef Wladimir Putin stellt sich im Fifa-Korruptionsskandal hinter Verbandschef Joseph Blatter und wirft den USA ungerechtfertigte Einmischung vor. Die Ermittlungen seien ein Vorwand, Blatters Wiederwahl zu verhindern, sagt Putin in Moskau.

Er fordert den Weltfußballverband der Agentur Interfax zufolge auf, wie geplant an diesem Freitag den Urnengang abzuhalten. "Wir wissen von dem Druck, der auf Blatter ausgeübt wurde, mit dem Ziel, Russland die WM 2018 wegzunehmen", sagt Putin.

+++ 11.51 Uhr: USA beantragen Auslieferung von drei Argentiniern +++

Im Fußballskandal um den Weltverband Fifa hat die US-Justiz offiziell die Festnahme und Auslieferung von drei argentinischen Staatsbürgern beantragt. Wie das argentinische Außenministerium in Buenos Aires mitteilt, handelt es sich um die Unternehmer Alejandro Burzaco, Hugo Jinkis und Mariano Jinkis. Alle drei sind im Sport-Marketing tätig.

+++ 11.39 Uhr: Blatter trifft sich mit Konföderationen zu Sondersitzung +++

Fifa-Präsident Joseph Blatter hat angesichts des jüngsten Korruptionsskandals Vertreter aller sechs Konföderationen zu einer Sondersitzung in Zürich eingeladen. Wie der Fußball-Weltverband bestätigt, findet das Treffen zur Stunde in Zürich statt. Einziger Tagesordnungspunkt ist die Situation vor dem Fifa-Kongress, der am Nachmittag in einem Theater in Zürich eröffnet werden soll.

+++ 11.37 Uhr: Amnesty und IG Bau fordern Blatter-Rücktritt +++

Einen Tag nach der Verhaftung mehrerer Fußball-Spitzenfunktionäre haben auch Amnesty International und die Gewerkschaft IG Bau eine radikale Erneuerung des Fußball-Weltverbandes Fifa und den Rücktritt von dessen Präsidenten Joseph Blatter gefordert. Hintergrund sind die ihrer Meinung nach immer noch "menschenunwürdigen und sklavenähnlichen" Verhältnisse auf den Baustellen des WM-Gastgeberlandes Katar.

"Darum hat sich die Fifa bislang einen Dreck gekümmert. Und ich habe nicht das Zutrauen, dass sich unter Herrn Blatter noch etwas ändern kann", sagt der stellvertretende IG-Bau-Vorsitzende Dietmar Schäfers.

+++ 11.22 Uhr: Schweizer Recht ermöglicht Auslieferung von Fifa-Funktionären +++

Obwohl die meisten der in Zürich festgenommenen Fifa-Funktionäre Widerspruch gegen eine Auslieferung an die USA erhoben haben, können sie nach Schweizer Recht an die amerikanische Justiz überstellt werden. Allerdings erst, wenn ein Schweizer Gericht einem entsprechenden Ersuchen der USA stattgibt. Grundlage dafür ist der zwischen beiden Ländern geschlossene Auslieferungsvertrag von 1990.

Darin haben sich beide Staaten verpflichtet, "einander Personen auszuliefern, die die zuständigen Behörden des ersuchenden Staates wegen einer auslieferungsfähigen Straftat verfolgen". Dies gilt für Straftaten, die nach dem Recht beider Länder im Falle einer Verurteilung wahrscheinlich mit Freiheitsentzug von mindestens einem Jahr geahndet werden.

+++ 11.14 Uhr: Blatters bester Freund schildert Morgen der Verhaftungen +++

Die Schweizer Zeitung "Blick" veröffentlicht auf ihrer Webseite ein Interview mit Jean-Paul Brigger, dem besten Freund von Fifa-Chef Joseph Blatter. Brigger traf Blatter kurz nach der Verhaftungswelle und schildert im Interview, wie Blatter darauf reagiert hat.

Zu einer möglichen Wiederwahl sagt der 57-Jährige: "Sepp ist geboren für diesen Job. Wenn deine Firma weltweit als korrupt dargestellt wird, brauchst du eine unglaubliche Energie. Er hat sie immer noch. Es ist sein Leben."

+++ 10.01 Uhr: Top-Sponsoren üben Druck auf Fifa aus +++

Nach dem neuerlichen Fifa-Skandal mit Festnahmen von Spitzenfunktionären üben die Topsponsoren zunehmend Druck auf den Weltverband aus. Das Kreditkartenunternehmen Visa mahnt "rasche und sofortige Maßnahmen" an, um die Probleme innerhalb der Fifa zu beheben. "Sollte die Fifa dies nicht tun, haben wir sie informiert, dass wir unser Sponsoring neu bewerten würden", teilt das Unternehmen in einer Stellungnahme mit.

Auch der südkoreanische Automobilhersteller Hyundai betont in einer Mitteilung, dass man die Lage genau beobachten wolle. "Als Unternehmen, für das ethischen Normen und Transparenz den höchsten Stellenwert besitzen, sind wir extrem besorgt über die eingeleiteten rechtlichen Schritte gegen bestimmte Fifa-Führungskräfte."

+++ 9.34 Uhr: Blatter nicht bei Medizin-Kongress - auch Auftritt bei Uefa abgesagt +++

Fifa-Präsident Joseph Blatter hat nicht wie geplant den Medizin-Kongress des Fußball-Weltverbandes besucht. Ursprünglich hatte der 79-Jährige bei der seit Mittwoch laufenden Veranstaltung eine Begrüßungsansprache halten sollen. Nach den dramatischen Entwicklungen mit der Festnahme und Suspendierung mehrerer Top-Funktionäre wegen Korruptionsverdachts in Zürich ist der Termin von Blatter allerdings kurzfristig abgesagt worden.

Einen Auftritt Blatters beim Treffen der europäischen Fußball-Verbände am frühen Nachmittag in einem Hotel in Zürich wird es ebenfalls nicht geben. Erster offizieller Termin des Schweizers sei die Kongresseröffnung um 17.00 Uhr in einem Theater in Zürich, hieß es.

Üblicherweise besucht der Fifa-Chef alle Konföderationssitzungen vor einem Kongress. Am Mittwoch hatte Blatter jedoch auch die Teilnahme an der Sitzung der südamerikanischen Konföderation Conmebol abgesagt.

+++ 9.30 Uhr: Blatter darf Schweiz nicht verlassen +++

Laut einem Bericht der "Daily Mail" soll Fifa-Präsident Joseph Blatter in den nächsten Tagen von den Schweizer Behörden verhört werden. Bis dahin dürfe er das Land nicht verlassen. Eine öffentliche Bestätigung gibt es jedoch nicht.

+++ 9.25 Uhr: Frankreichs Außenminister für Verschiebung von Fifa-Wahl +++

Frankreichs Außenminister Laurent Fabius hat sich angesichts der Korruptionsvorwürfe gegen Fifa-Spitzenfunktionäre für eine Verschiebung der Präsidentenwahl des Fußballweltverbands ausgesprochen. Er halte dies für sinnvoll, sagt Fabius dem Radiosender France Inter.

Derzeit biete sich ein "desaströses Image". Man sollte sich etwas Zeit nehmen und klären, "was stimmt und was nicht". Fabius' britischer Kollege Philip Hammond sagt der BBC, bei der Fifa laufe etwas "zutiefst verkehrt". Der internationale Fußball brauche eine Reform.

+++ 8.57 Uhr: Uefa-Boykott wäre laut Ex-Fifa-Manager Tognoni Gefahr für Blatter +++

Nach den Worten des ehemaligen Fifa-Mediendirektors Guido Tognoni wäre ein Boykott des Fifa-Kongresses durch die Uefa eine Gefahr für Joseph Blatter. Sollte die Europäische Fußball-Union die Drohung wahr machen, "dann wird das für Sepp Blatter eine schwierige Sache", sagt Tognoni im Deutschlandfunk. Zwar sei eine Wiederwahl des Fifa-Präsidenten trotzdem wahrscheinlich, aber "ein Fifa-Präsident, der von einem Rumpfparlament gewählt wird, der blickt schwierigen Zeiten entgegen."

Einen Rücktritt Blatters von sich aus schließt der Ex-Fifa-Manager aus: "So wie ich ihn kenne, wird er nicht zurücktreten. Er hat Angst vor dem großen Loch", sagt Tognoni. "Der einzige Trost ist für mich, dass es wirklich die letzte Wahl von Blatter sein wird, ob ihm das passt oder nicht."

+++ 8.37 Uhr: Fifa-Konföderationen beraten über Wahlverhalten - Asien für Blatter +++

Nach den dramatischen Entwicklungen im Fußball-Weltverband mit Festnahmen und Suspendierungen von Top-Funktionären scheint eine Mehrheit von Fifa-Chef Joseph Blatter bei der für Freitag geplanten Präsidentschaftswahl zumindest nicht mehr garantiert.

Vertreter der südamerikanischen Konföderation Conmebol wollen bei internen Gesprächen ihr Wahlverhalten ernsthaft überdenken. Zudem sollen Gespräche mit Funktionären der Uefa und der Concacaf-Zone aus Nord- und Mittelamerika gesucht werden. Die asiatische Konföderation hingegen erneuert ihre Treue zu Blatter.

+++ 6.19 Uhr: Fifa-Festnahmen wohl "illegale" Anwendung von US-Recht +++

Das russische Außenministerium hat die Festnahmen von hochrangigen Fifa-Managern kritisiert. Dabei scheine es sich um den "illegalen" Versuch der USA zu handeln, ihre Gesetze auf andere Staaten anzuwenden, teilt das Außenministerium auf ihrer Internetseite mit. Zugleich heißt es, man hoffe, dass die Festnahmen keinen Schatten auf das Image des Fußball-Weltverbandes werfen und sich auf die Entscheidungen der Organisation auswirken.

"Einmal mehr, rufen wir Washington dazu auf, aufzuhören, sich selbst als Richter außerhalb seiner Grenzen aufzuspielen und sich an allgemein anerkannte internationale Gerichtsverfahren zu halten", heißt es weiter. Erst vergangenen November hatte die Ethikkommission der Fifa Russland und Katar vom Vorwurf der Korruption bei der WM-Vergabe freigesprochen.

+++ 5.02 Uhr: Romário bezeichnet festgenommene Fifa-Funktionäre als "Ratten

Brasiliens Fußball-Weltmeister und heutige Senator Romário hat die in Zürich festgenommenen Fifa-Funktionäre als "Ratten" bezeichnet. Der WM-Star von 1994 attackierte vor allem Brasiliens Ex-Fußballboss José Maria Marin (83). Er sei eine der "Ratten", die er schon oft beschuldigt habe. "Das ist die Person, die mit (Brasiliens) Präsidentin Dilma (Rousseff) während der Fußball-WM Staatschefs empfangen hat", kritisiert der 49-Jährige via Facebook.

Unglücklicherweise sei es nicht die brasilianische Polizei gewesen, die die Festnahmen umgesetzt habe, aber irgendjemand hätte es eines Tages tun müssen. "Diebe müssen ins Gefängnis. ... Glückwunsch ans FBI und die Schweizer Polizei", so Romário. Er hoffe, dass mit der Aktion eine Säuberung im Fußball beginne.

Autoridades da Suíça deram uma batida hoje em um ninho de ratos e prenderam várias autoridades do futebol mundial. Todos...
Posted by Romário Faria on Mittwoch, 27. Mai 2015

+++ 4.49 Uhr: Englischer Verbandschef fordert Rücktritt von Fifa-Chef Blatter +++

Der Präsident des englischen Fußballverbands, Greg Dyke, hat nach den Festnahmen mehrerer Topfunktionäre und Durchsuchungen in der Zentrale der Fifa den Rücktritt von Fifa-Chef Joseph Blatter gefordert. Dyke sagt der britischen Nachrichtenagentur Press Association in Zürich: "Sepp Blatter muss als Fifa-Präsident gehen."

Blatter habe eine Erklärung veröffentlicht, in der es heiße, es sei Zeit, das Vertrauen in die Fifa wiederherzustellen. Solange Blatter da sei, gebe es keinen Weg, das Vertrauen in die Fifa wiederherzustellen, betont Dyke.

+++ 0.59 Uhr: Ex-Fifa-Vize Warner stellt sich - Millionen-Kaution festgesetzt +++

Nach Korruptionsvorwürfen aus den USA hat sich der frühere Fifa-Vizepräsident Jack Warner der Polizei in seinem Heimatland Trinidad und Tobago gestellt. Er soll bald gegen die Zahlung einer Kaution in Höhe von 2,5 Millionen Dollar auf freien Fuß gesetzt werden, wie örtliche Medien berichten. Zunächst sei Warner aber noch in Gewahrsam geblieben, korrigiert die Zeitung "Trinidad Express" frühere Angaben.

Der ehemalige Fifa-Funktionär müsse auch seinen Pass abgeben und sich zweimal pro Woche bei der Polizei melden. Der nächste Gerichtstermin findet im Juli statt. Zuvor hatte das US-Justizministerium die Auslieferung Warners beantragt. Die Ermittler werfen ihm organisierte Kriminalität, Korruption und Geldwäsche vor. In den Vereinigten Staaten laufen seit längerer Zeit Untersuchungen des FBI gegen ehemalige Fifa-Offizielle.

and/DPA/Reuters / DPA / Reuters

Wissenscommunity