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Französische Nationalmannschaft: Auf der Suche nach der perfekten Formation

Das Benefizspiel auf Martinique war für Frankreichs Fußball-Stars noch eine Herzensangelegenheit, doch beim Klassiker gegen Deutschland zählen für Thierry Henry und Kollegen keine Gefühle mehr.

Das Duell mit dem großen, alten Rivalen am Samstagabend (21.00 Uhr/ZDF) im Pariser Stade de France gilt in Frankreich bereits als heimliche Generalprobe für die Weltmeisterschaft im kommenden Jahr. "Ein Test der Lebensgröße", titelte das Fachblatt "France Football" am Freitag. Willy Sagnol vom FC Bayern München blickt der Partie voll Optimismus entgegen: "Ich habe nur gute Erinnerungen an Spiele gegen die Deutschen. Die letzten beiden haben wir schließlich ohne Gegentor gewonnen."

Zidane fällt aus

Nationaltrainer Raymond Domenech muss weiter auf den verletzten Superstar Zinedine Zidane verzichten, aber in der Offensivabteilung hat der umstrittene Coach der "Equipe Tricolore" ein Überangebot an Spitzenkräften. Mit nur 14 Toren haben die Franzosen zwar die geringste Trefferausbeute aller direkt für die WM qualifizierten Teams, doch hinter dem Weltklasse-Duo Henry und David Trezeguet haben Rückkehrer Nicolas Anelka und Djibril Cissé mit ihren Toren beim in Frankreich hymnisch als "Auferstehung" gefeierten 3:2 gegen Costa Rica ihre Ansprüche angemeldet.

Da für alle vier klassischen Mittelstürmer im WM-Aufgebot kein Platz sein dürfte, sieht das Sportblatt "L’Equipe" Domenech vor der "Qual der Stürmer-Wahl" und spekuliert sogar mit einer taktischen Pause für den eigentlich gesetzten Henry. Neben dem gegen Costa Rica noch wegen Rückenproblemen geschonten Trezeguet könnten dann Anelka oder Cissé wieder ein "Bewerbungsschreiben" abgeben, und die deutsche Abwehr würde dem gefürchteten Belastungstest gegen das Traumpaar Henry/Trezeguet entgehen.

Eine Niederlage in 38 Spielen

Trotz nur einer Niederlage in den letzten 38 Spielen hatte die "Equipe Tricolore" in der Heimat zuletzt keinen leichten Stand. Nach der erst im Schlussspurt und nach der Rückkehr der "drei Musketiere" Zidane, Lilian Thuram und Claude Makelele gesicherten WM- Qualifikation brachte aber ausgerechnet der schmeichelhafte Erfolg gegen Costa Rica in Frankreich einen Stimmungsumschwung. Der erste Auftritt in einem Übersee-Département wurde als große Geste gefeiert. Besonders die Spieler mit familiären Wurzeln auf den Antillen zeigten sich bewegt. "Ich bin nicht nahe am Wasser gebaut, aber ich hatte doch einen Kloß im Hals. Ich werde die Stimmung nie vergessen", sagte der aus Martinique stammende Henry.

Nach dem Spiel gegen Deutschland hat Domenech vor der Benennung seines WM-Kaders bei der Partie am 1. März 2006 gegen die Slowakei nur noch eine Gelegenheit, seine Formation zu testen. Grégory Coupet könnte im Kampf der Torhüter um den Stammplatz mit einer guten Leistung gegen Deutschland einen entscheidenden Vorteil gegenüber Fabien Barthez erringen, der gegen Costa Rica patzte. "Jetzt geht es schon um Deutschland", schrieb deshalb doppeldeutig "France Football" vor der Partie gegen die DFB-Elf. Auch der angeschlagene und im WM- Team ohnehin gesetzte Mittelfeldmann Patrick Vieira machte die Bedeutung klar: "Wenn ich nicht spiele, liegt es daran, dass ich wirklich Schmerzen habe."

Arne Richter/DPA

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