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Fußball-Frauen gegen Schweden: "Es geht um alles" - und um Olympia

Die DFB-Frauen gegen Schweden im WM-Achtelfinale. Das ist, als würde die Löw-Elf im ersten K.o.-Spiel auf England oder Argentinien treffen. Ein Klassiker! Es droht das frühe Aus; auch für Olympia.

Cecila Sasic (Deutschland) und Nilla Fischer (Schweden) im Kampf um den Ball

Ein Duell, das auch am Samstag entscheidend sein kann: Deutschlands Top-Torjägerin Celia Sasic (l.) im Laufduell mit der schwedischen Abwehr-Chefin Nilla Fischer

Es herrscht eine angespannte Stimmung im Lager der deutschen Fußballfrauen. Die Ergebnisse stimmten bisher bei der WM in Kanada, es fielen reichlich Tore, das Team holte den Gruppensieg und doch ist die Unsicherheit in der Truppe von Silvia Neid zu spüren. Die Nationaltrainerin war unzufrieden mit ihren Schützlingen. Es wurden viel zu viele Chancen vergeben, die Kombinationen stockten, es gab reichlich Fehler. Kurz: Gegen stärkere Gegner hätten die Mit-Favoritinnen auf den Titel alt ausgesehen. Und jetzt, zum Start der K.o.-Runde, wartet ein Schwergewicht des Frauenfußballs: Schweden.

Deutschland gegen Schwenden - das ist ein Klassiker des Frauenfußballs. Nichts anderes, als würde die Mannschaft von Jogi Löw schon im WM-Achtelfinale auf England oder Argentinien treffen. "Es geht um alles oder nichts", betont Annike Krahn vor der Partie am Samstag (22. 00 Uhr/ARD und Eurosport). Und: "Wir haben die Qualität, gegen Schweden zu gewinnen." Die Abwehrchefin glaubt, dass durch die Aussprache nach dem unbefriedigenden 4:0 gegen Thailand die Sinne nochmals geschärft wurden. "Alle wissen, dass es ab jetzt kein Unentschieden mehr gibt."

Krahns Aussage zeigt aber auch: Die Aussprache war nötig. Das sieht auch Torwart-Ikone Nadine Angerer so, die ihr letztes großes Turnier unbedingt "mit Gold abschließen" will. Es sein sinnvoll gewesen, dass sich das Team nach der Vorrunde zusammengesetzt und einige Dinge angesprochen habe, "die nicht so gut gelaufen sind". Hinterher sei es sonst vielleicht zu spät. "So können wir es noch besser machen." Sie wolle später nicht sagen müssen, dass man nicht alles versucht hätte. "Natze geht mehr auf allgemeine Dinge ein wie die Körpersprache. Dass wir da noch eine Schippe drauflegen können", berichtete die junge Stürmerin Lena Petermann.

Schwedinnen selbstbewusst - trotz dreier Remis

Duelle mit den Skandinavierinnen haben eine lange Geschichte. Zwei Partien sind Angerer noch besonders in Erinnerung: Das WM-Finale 2003 in Carson/USA, das sie noch als Ersatztorhüterin auf der Bank erlebte. Vor zwölf Jahren köpfte Nia Künzer Deutschland in der Verlängerung mit dem einzigen Golden Goal der WM-Historie gegen Schweden zum Titel. Und vor zwei Jahren brachte die Neid-Auswahl dem Team von Pia Sundhage im Halbfinale ihrer Heim-EM eine schmerzliche 0:1-Niederlage bei. "Sie haben bestimmt noch eine Rechnung mit uns offen und spielen mit Wut im Bauch", meint Angerer: "Das wird ein 50:50-Spiel."

Das sehen die Schwedinnen genauso. Die Truppe um Topstürmerin Lotta Schelin gibt sich selbstbewusst, obwohl sie in den Gruppenspielen nicht über drei Remis hinausgekommen sind. Das ist auch der Grund, weshalb es so früh im Turnier zu diesem Klassiker kommt. Trotzdem sehen die Frauen im Tre-Kronor-Trikot das Spiel gegen die Deutschen als "zweite Chance" im Turnier anzukommen. "Wir haben nichts zu verlieren. Wir müssen nur da rausgehen und spielen", sagte die Rekordnationalspielerin Therese Sjögran. "Wir wissen, dass wir sie schlagen können." Dafür müssten die Spielerinnen über sich hinauswachsen. "Wenn wir genug Mut aufbringen und uns zusammenreißen, können wir weit kommen."

Es geht auch um Olympia

Allerdings spricht die Statistik nicht für die Skandinavierinnen. Von 24 Vergleichen seit 1991 entschieden die deutschen Frauen 17 für sich. Nur sieben Mal behielten die Schwedinnen die Oberhand - zwei davon allerdings bei WM-Turnieren. Kurios: Ein Unentschieden hat es bisher nicht gegeben, und das wird auch so bleiben. Schließlich ist die Begegnung in Ottawa ein K.o.-Spiel. Notfalls entscheidet ein Elfmeterschießen.

Zusätzliche Brisanz erhält die Partie übrigens, weil es auch um die Qualifikation für die Olympischen Spiele 2016 geht. Nur die drei besten europäischen Teams dieser WM lösen auch das Ticket für die Spiele von Rio de Janeiro. Unter den letzten 16 sind noch sieben Mannschaften aus Europa; mit dem Sieg gegen die Schwedinnen wäre auch in dieser Hinsicht ein Konkurrent ausgeschaltet. Nadine Angerer, die in ihrer Karriere fast alles gewonnen hat, wird in Rio auf keinen Fall dabei sein, will aber alles tun, damit ihre Kolleginnen am Zuckerhut auf Medaillenjagd gehen können. Dort will dann Silvia Neid ihre Abschlussvorstellung als Trainerin geben. Behält Angerer recht, wird das klappen. "Pia Sundhage ist sehr erfahren. Silvia Neid und sie kennen sich schon lange. Mal sehen, wer die größere Trainerin ist", sagt die deutsche Torfrau - und legt sich fest: "Ich glaube, Silvia!"

dho/DPA

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