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Frauenfußball-WM Japans Machowelt wackelt


Japan ist Frauenfußball-Weltmeister. In der Macho-Gesellschaft des Landes haben es Frauen jedoch noch immer schwer. Kann der Weltmeistertitel das ändern?

Kinder. Küche. Vielleicht zuvor ein paar Jahre in einem nicht sehr anspruchsvollen Bürojob. Die japanische Gesellschaft hat keine allzu hohen Erwartungen an Frauen. Die neuen Fußballweltmeisterinnen stellen dieses Bild auf den Kopf. Sie könnten sogar zu einem Symbol für ein neues Japan werden.

Eine japanische Frau soll zurückhaltend sein, das Feld den Männern überlassen. So sehen es zumindest die Vertreter der sich - allem technischen Fortschritt zum Trotz - hartnäckig haltenden Machogesellschaft. Bälle in ein Tor kicken, das passt da überhaupt nicht ins Bild.

Lange Jahre standen Fußballerinnen im Schatten der Männer. Die Spielerinnen mussten mit Vorurteilen und Anfeindungen kämpfen, da ihr Verhalten so gar nicht den traditionellen Vorstellungen entsprach.

Weltmeisterinnen werden zum Frauen-Vorbild


Noch vor wenigen Jahren hielten sich viele Spielerinnen mit Teilzeitjobs über Wasser und absolvierten ihr Trainingsprogramm neben der Arbeit, erzählt Saburo Kawabuchi vom Japanischen Fußballverband.

Der Ehrgeiz und das Durchhaltevermögen der Weltmeisterinnen gilt nun als Vorbild für viele, gerade nach der verheerenden Erdbebenkatastrophe vom 11. März. "Wir waren erfolgreich weil wir es immer weiter versucht und nicht aufgegeben haben," sagte Spielerin Homare Sawa im japanischen Fernsehen.

Viele hoffen nun, dass dieser Erfolg auch anderen Frauen Türen öffnen kann. Trotz des Jubels haben es erfolgreiche Athletinnen in der männerdominierten Gesellschaft schwer.

Für die Feministin Mie Ueda, eine führende Aktvistin gegen häusliche Gewalt, ist der Sieg der Frauenelf bedeutend. "Diese Frauen sind in einen Bereich eingedrungen, der als für Männer vorbehalten galt. Das Vorurteil, dass Frauen nicht Fußball spielen können, wurde damit völlig zerstört."

Noch vor zehn Jahren galten Fußball und Baseball, die mit Abstand populärste Sportart, als reine Männerdomänen, heute sind Mädchen im Fußballdress an der Tagesordnung.

"Der Weltmeistertitel zeigt, dass Frauen erfolgreich sein können, sie müssen nur ständig hart dafür arbeiten", meinte auch Atsuko Himeno, eine Stadträtin in Iwakuni, einer der konservativsten Regionen in Japan.

Auch sie hat mit typischen Machosprüchen zu kämpfen. Ein männlicher Kollege meinte einmal, "alles was Frauen zu tun hätten, sei auf einem warmen Futon ein Kind zu machen", erzählt sie. "Japan ist bei der Gleichstellung der Frau viel zu weit zurückgeblieben".

Gleichstellung - Fehlanzeige


In den Führungsetagen von Japans Firmen sind Frauen nur selten zu finden. Hier halten sich die Macho-Strukturen besonders hartnäckig. Spätestens nach dem ersten Kind ist es für die meisten Frauen trotz seit Jahren stagnierendem Wirtschaftswachstum aus mit der Karriere. Nur 1,2 Prozent der Topmanager in Japans 3600 börsennotierten Firmen sind Frauen.

Im Parlament stellen sie 10,9 Prozent der Abgeordneten. Eine weibliche Ministerin gibt es gar nicht. In einem Ranking von 186 Ländern kommt Japan damit auf den mageren 121. Platz - ein Schlusslicht unter den Industrienationen.

Der Sieg vom Sonntag könnte jedoch zu einem Umdenken beitragen, hofft Himeno. Eine stärkere Rolle für Frauen könne nur gut für Japan sein.

Takehiko Kambayashi, DPA Nicht verwenden (war Agentur)

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