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FUSSBALL: Bayern flüchten vor der Hektik in München

Die Final-Elf steht, der Countdown läuft - und Trainer Ottmar Hitzfeld glaubt auch im Spiel des Jahres an Unterstützung durch den Fußball-Gott.

Die Final-Elf steht, der Countdown läuft - und Trainer Ottmar Hitzfeld glaubt auch im wichtigsten Spiel des Jahres an Unterstützung durch den Fußball-Gott. »Wenn man einen Lauf hat, dann ist das Glück unerschöpflich«, sagte der Meister-Trainer des FC Bayern München. Auf Glück allein will sich der 52-Jährige nach dem »Dusel-Titel« in der Fußball-Bundesliga aber keinesfalls verlassen. Schon zwei Tage vor dem Champions-League-Endspiel am Mittwoch im Giuseppe-Meazza-Stadion gegen den FC Valencia reisten die Bayern nach Mailand. »Es war mein Wunsch, schon am Montag zu fliegen, wenn man im Finale steht. Zuhause wird man permanent abgelenkt und auf das Endspiel angesprochen. Wir brauchen aber mehr Ruhe und Abstand«, begründete Hitzfeld die ungewöhnliche Maßnahme.

Endstation Sehnsucht

Mailand soll - nach 25 Jahren - zur Endstation Sehnsucht werden. Seit dem letzten Triumph 1976 in Glasgow gegen AS St. Etienne (1:0) gieren Verein und Fans förmlich nach der Krone des europäischen Vereinsfußballs. Dennoch war Uli Hoeneß bemüht den Druck von den Profis zu nehmen. »Die Spieler haben einen Titel in der Hand. Das ist der Schub, den wir für Mailand gebrauchen können«, sagte der Manager.

An ein Scheitern, bei dem jedem Spieler neben sportlichem Ruhm auch 400 000 Mark Titel-Prämie entgehen würden, darf kein Gedanke verschwendet werden, ordnete Hitzfeld an. »Man darf kein bisschen zweifeln. Man muss immer mit vollem Optimismus an große Aufgaben herangehen. Wir haben positiven Druck«, betonte der Coach.

Jeremies kaum zu ersetzen

Seine Final-Elf steht, auch wenn es nicht die Wunschformation ist. Denn Jens Jeremies strich der Trainer schweren Herzens aus seinen Planungen, weil der 27-Jährige wegen einer Entzündung der Weichteile und Muskeln am operierten rechten Knie keine Chance habe, topfit zu werden. »Das ist ein schwerer Verlust. Die Bayern haben zwar genügend Spieler in der Hinterhand, aber ein Jens Jeremies ist kaum zu ersetzen«, urteilte Bundestrainer Rudi Völler am Montag. Ein finaler Gewaltakt mit Spritzen wurde von Hitzfeld dennoch als zu riskant verworfen: »Es geht um die Zukunft und Karriere von Jens.« Der Mittelfeldspieler fügt sich in sein Schicksal, das Tribüne statt Spielfeld heißt. »Für mich ist das ganz bitter«, sagte Jeremies, der seinen Körper selbst noch einmal »zwingen« und »überlisten« wollte.

So schlägt in Mailand vor 74 000 Zuschauern erneut die große Stunde des Owen Hargreaves. Der 20-jährige Kanadier, der seine internationale Feuertaufe schon als Vertreter des gesperrten Stefan Effenberg im Halbfinal-Rückspiel gegen Real Madrid glänzend bestand, rückt ins Team.

Respekt vor Valencia

Vor dem für 17.00 Uhr geplanten Abflug mit dem »Bayern-Airbus A 321« nach Mailand trainierten die Münchner am Montag ein letztes Mal auf dem Vereinsgelände an der Säbener Straße. Am Dienstag steht das Abschlusstraining im Meazza-Stadion auf dem Programm. Der Mittwoch gehört der endgültigen Einstimmung mit Videos auf den Gegner, vor dem die Münchner großen Respekt haben. »Valencia lebt nicht von einzelnen Superstars wie Real Madrid oder Manchester, sondern von der Ausgeglichenheit«, sagte Kapitän Effenberg und hob eine weitere bedeutsame Gemeinsamkeit mit dem eigenen Team hervor:

»Es treffen sich in Mailand zwei Mannschaften, die sich nicht die Blöße einer zweiten Endspiel-Niederlage geben wollen.«

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