HOME

Fußball-EM: Schwarze Schafe auf dem Schwarzmarkt

Im Internet können Fans EM -Karten für jedes Spiel kaufen. Die Angebote sind allerdings teuer - und oft nicht seriös.

Von Wigbert Löer

Die Zeit, in der die Euphorie den Verstand ausschaltet, hat begonnen. Fußballfans, die bei Gewinnspielen (siehe Kasten) kein Glück haben, schlagen bereits im Internet zu - dort werden Karten für alle Spiele der Deutschen und sogar fürs Finale der EM 2008 angeboten. Das Problem: Auf dem Onlinemarkt tummeln sich viele Betrüger.

Ein Foto des Stadiontickets ins Netz gestellt, abkassiert und dann niemals an den Käufer geschickt: Nach diesem Muster ergaunerten sich Betrüger vor der WM 2006 mehrere Millionen Euro. Die Fälle wurden längst nicht immer strafrechtlich verfolgt, wer gezahlt hatte, war der Dumme. Und saß am Ende vor dem Fernseher.

Die Uefa, Veranstalter der EM 2008, warnt vor dem Kartenkauf bei Privatpersonen; man versucht, den blühenden Handel einzudämmen. Mehr als 20.000 Ticketbewerber wurden aussortiert, obwohl sie bei der Verlosung den Zuschlag erhalten hatten. "Da war der starke Verdacht, dass hier nur für den Schwarzmarkt bestellt wurde", sagt Martin Kallen, der Organisationschef der EM. So verbarg sich etwa hinter Dutzenden verschiedenen Bewerbernamen dieselbe Kreditkartennummer.

Von den insgesamt 1,05 Millionen Eintrittskarten für die 31 Spiele in Österreich und der Schweiz ging nur ein Drittel in den freien Verkauf. Neben Privatpersonen versuchen auch Onlinebörsen, an der massiv größeren Nachfrage zu verdienen.

Die Preise, die etwa auf der Plattform Viagogo verlangt werden, sind allerdings astronomisch. Endspieltickets kosten da derzeit zwischen 1271 und 4408 Euro, Billets für das Duell Österreich-Deutschland 525 bis 979 Euro. Zum Vergleich: Der Uefa-Preis für diese Tickets liegt bei gerade mal 47 bis 115 Euro. Viagogo selbst kassiert bei Deals eine Vermittlungs- und Kontrollgebühr. "Dafür werden die Verkäufe von uns überwacht", sagt Daniel Nathrath, Chef von Viagogo Deutschland, und beteuert: "Die Karten kommen garantiert an."

Wie viele Ticket-transfers er bereits abgewickelt hat, will Nathrath nicht sagen. Euro-Organisator Kallen aber warnt gerade auch vor Portalen wie Viagogo: "In den meisten Fällen stehen gar keine Tickets hinter den Angeboten." Die Uefa geht bereits juristisch gegen verschiedene Firmen am sogenannten Zweitmarkt vor. Und hat auch Viagogo im Visier.

Vollständig zu gewinnen ist dieser Kampf gegen den Schwarzmarkt wohl nicht. 2006 hatte der Weltverband Fifa ebenfalls angekündigt, konsequent gegen den Zweithandel vorzugehen. Doch selbst für das WMEndspiel konnten Fans noch kurz vor dem Anpfiff Tickets erwerben.

print
Themen in diesem Artikel

Wissenscommunity